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Ungleiche Krebsprävention

Queere Menschen seltener bei gynäkologischer Krebsvorsorge

|von Beatrice Hamberger

Wer als Frau geboren wurde, sich aber nicht als solche identifiziert, geht seltener zur Vorsorge. Gleich gilt für homo- und bisexuelle Frauen. Wissenschaftler machen Barrieren im Gesundheitssystem dafür verantwortlich.

Transgender-Symbol vor rosa-blauem Hintergrund
Sexuelle und geschlechtliche Minderheiten nehmen gynäkologische Krebsfrüherkennung deutlich seltener wahr. (© Pixel-Shot/stock.adobe.com)

Sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität – all das, was wir als „queer“ bezeichnen, sollte bei der Gesundheitsversorgung eigentlich keine Rolle spielen. Unterschiede gibt es aber offenbar doch. Laut einer neuen Studie aus den USA nehmen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten (Sexual Orientation and Gender Identity, SOGI) seltener Früherkennungsuntersuchungen für Gebärmutterhals- und Brustkrebs wahr.

Deutliche Lücken bei Zervix- und Mammakarzinom-Screening

Bei Frauen aus Sexualorientierungs-Minderheiten – beispielsweise lesbische und bisexuelle Frauen – war die Teilnahmerate an Zervix- und Mammakarzinom-Screenings im Vergleich zu heterosexuellen Frauen um 8 bzw. 16% geringer. Eine besondere Diskrepanz gab es bei Geschlechtsidentitäts-Minderheiten, wozu etwa Transgender zählen. Im Vergleich zu cisgeschlechtlichen Personen, also Frauen, die sich als Frauen identifizieren, war die Wahrscheinlichkeit, an einer Früherkennungsuntersuchung für Gebärmutterhalskrebs bzw. Brustkrebs teilzunehmen um 42 bzw. 76% geringer.

Darmkrebsvorsorge weitgehend gleichauf

Für die Darmkrebsfrüherkennung wurden hingegen keine Unterschiede festgestellt, mit einer erfrelichen –Ausnahme: Bei homosexuellen Männern lag die Teilnahmequote an den entsprechenden Untersuchungen um 10% höher als bei heterosexuellen Männern.

Bedeutsame Unterschiede in der Krebsprävalenz wurden zwischen den Gruppen nicht gefunden, das heißt: Für das Krebsrisiko spielen sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität offenbar keine Rolle.

Repräsentative Datenbasis aus über 660.000 Befragten

In die Analyse wurden 663.924 Erwachsene einbezogen, die für eine Früherkennung von Darm-, Gebärmutterhals- und Brustkrebs infrage kamen. Für die gynäkologische Früherkennung war das Geschlecht bei Geburt entscheidend.

Grundlage waren Daten des Behavioral Risk Factor Surveillance Systems aus den Jahren 2018 bis 2022, einer jährlich durchgeführten, landesweit repräsentativen Telefonbefragung erwachsener Personen in den USA. In der vorliegenden Untersuchung wurden Minderheiten bezüglich sexueller Orientierung (Sexual Orientation Minorities) heterosexuellen Personen gegenübergestellt sowie Minderheiten bezüglich Geschlechtsidentität (Gender Identity Minorities) mit cisgeschlechtlichen Personen verglichen.

Fazit: Zugang zur Krebsvorsorge muss inklusiver werden

Queere Menschen – insbesondere Transgender-Personen – nehmen gynäkologische Früherkennungsangebote seltener in Anspruch als cis-Frauen, obwohl keine Unterschiede beim Krebsrisiko bestehen. Diese geringere Nutzung der Screeningangebote halten die Studienautoren für bedenklich: Sie fordern einen Abbau von Barrieren im Gesundheitssystem und einen gleichberechtigten Zugang zu Krebsfrüherkennungsprogrammen für alle Bevölkerungsgruppen. Es gilt also, strukturelle Barrieren abzubauen und insbesondere Menschen mit einem queeren Hintergrund besonders sensibel und bedarfsgerecht anzusprechen, um existierende Versorgungslücken schließen.


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