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Aktuelle Evidenz und Leitlinien zu Darmerkrankungen

Der Themenbereich „Darm“ rückt Erkrankungen des Dünn- und Dickdarms in den Fokus, die Ihre tägliche Diagnostik und Therapie maßgeblich prägen. Hier finden Sie fachlich fundierte Beiträge zu aktuellen Studien, Leitlinienänderungen und klinischen Entwicklungen, die Sie dabei unterstützen, Ihr Vorgehen evidenzbasiert zu überprüfen und anzupassen.

Neuste Artikel

Illustration des menschlichen Verdauungstrakts mit Darm und Leber vor einem blauen Hintergrund. Daneben ist eine vergrößerte DNA-Doppelhelix dargestellt
Familienanamnese neu bewertet

Darmkrebsrisiko bei CED: Zahl erkrankter Verwandter wichtiger als Erkrankungsalter

Menschen mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa haben bereits ein erhöhtes Darmkrebsrisiko. Doch welchen Einfluss auf ihr Darmkrebsrisiko hat es, wenn Familienmitglieder 1. Grades an Darmkrebs erkrankt sind? Für die Risikoeinschätzung scheint die Zahl der Darmkrebsfälle in der Familie von besonderer Bedeutung zu sein; das Erkrankungsalter dagegen spielt offenbar keine große Rolle. Das gilt aktuellen Studiendaten zufolge für Menschen mit und ohne chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.
Bluttest
Screening neu gedacht

Bluttest erkennt Darmkrebs und fortgeschrittene Adenome mit hoher Trefferquote

Ein neuer miRNA-basierter Bluttest detektiert nicht nur das kolorektale Karzinom, sondern auch prämaligne Vorstufen mit hoher Sensitivität. In der internationalen DENEB-Studie erreichte der Assay eine Sensitivität von 91% für Darmkrebs jeglichen Stadiums und 81% für fortgeschrittene Adenome bei einer Spezifität von 85% für fortgeschrittene Neoplasien. Damit könnte das Verfahren eine akzeptanzstarke Ergänzung zu Koloskopie und Stuhltest werden und die Inzidenz des kolorektalen Karzinoms senken.
Die durchgestrichene Ähre ist das Symbol, an dem glutenfreie Produkte zu erkennen sind.
Notwendig oder Lifestyle

Glutenfreie Ernährung: Wann Zöliakie-Diagnostik statt Diät-Trend nötig ist

Immer mehr Menschen greifen ohne medizinische Indikation zu glutenfreien Produkten. Für Zöliakie-Patienten ist der lebenslange Verzicht essenziell, doch bei Gesunden drohen einseitige Ernährung, kardiovaskuläre Risiken und erhöhte Schwermetallbelastung. Warum vor jeder Diätempfehlung eine serologische Zöliakie-Diagnostik stehen sollte, erläutert Gastroenterologe Prof. Peter Hasselblatt.
Blutplättchen
Zeitfenster mit Prognosewert

Gastrointestinale Blutung bei Herzpatienten – Timing der Antithrombotika entscheidet

Nach einer gastrointestinalen Blutung verstirbt jeder vierte kardiovaskulär vorerkrankte Patient innerhalb eines Jahres. Die internationale INTERBLEED-Kohortenstudie mit 3.814 Teilnehmenden zeigt, dass nicht die Blutung selbst, sondern das Aussetzen der antithrombotischen Therapie die kardiovaskuläre Prognose maßgeblich verschlechtert. Eine Wiederaufnahme zwischen dem 4. und 30. Tag halbiert das MACE-Risiko – ohne die Rate an Rezidivblutungen zu erhöhen. Die Daten liefern erstmals prospektive Evidenz für ein günstiges Zeitfenster.
Weltkarte in blau
Die Weltkarte des Risikos

Je höher der Lebensstandard, desto höher das Darmkrebsrisiko!

Wie stark hängt das Risiko für Darmkrebs vom Wohnort ab? Während Menschen in Ländern mit niedrigem Entwicklungsstand nur selten erkranken, ist das Risiko in wohlhabenden Regionen bis zu 9-mal höher. Deutschland liegt deutlich über dem globalen Durchschnitt. Prävention, Früherkennung und ein gesunder Lebensstil können entscheidend dazu beitragen, Erkrankungen und Todesfälle zu verhindern.
Operation
Wandel in der Rezidivprophylaxe

Weniger Zweit-OPs bei Morbus Crohn dank Biologika und Thiopurinen

Nach einer ileokolischen Resektion bei Morbus Crohn drohen erneute Rezidive – und häufig weitere Eingriffe. Daten aus dem spanischen ENEIDA-Register über drei Dekaden belegen jetzt einen klaren Wandel in der postoperativen Versorgung: Thiopurine und Biologika werden deutlich häufiger sowohl zur Prävention als auch zur Therapie eines postoperativen Rezidivs eingesetzt. Parallel dazu sank das kumulative chirurgische Rezidivrisiko nach zehn Jahren von 17% auf 9%. Ein strukturiertes, risikoadaptiertes Vorgehen verändert damit den Langzeitverlauf.
Darmzotten
Darm steuert mit

Gut-Brain-Achse bei MS: Darmschleimhaut liefert schützende IgA-B-Zellen

Die Darmschleimhaut entpuppt sich als aktiver Player in der MS-Therapie. Ein internationales Team aus Bonn, Basel, Toronto und Yale zeigt, dass Anti-CD20-Therapien regulatorische IgA-B-Zellen aus dem Darm ins zentrale Nervensystem mobilisieren – mit messbar besserem Krankheitsverlauf. Ein Befund, der die Gut-Brain-Achse für die klinische Immunologie neu beleuchtet.
Pile of white capsules
Von der Grundlagenforschung bis zur klinischen Anwendung

Vitamin B3 gegen chronische Darmentzündung: Phase-III-Studie läuft

Nicotinamid am richtigen Ort: Mit CICR-NAM haben Forschende aus Kiel ein Präparat entwickelt, das Vitamin B3 erst im unteren Dünndarm und Dickdarm freisetzt und dort gezielt das Mikrobiom beeinflusst. Erste Studien zeigen Erfolge bei Post-COVID, laufende Phase-II/III-Studien prüfen den Einsatz bei Colitis ulcerosa – nun ausgezeichnet mit dem Innovations-Transfer-Preis.
DNA-Doppelhelix vor blau-orangem Hintergrund
Genetischer Marker für schwere CED

HLA-DRB1*01:03 markiert aggressive Verläufe bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Ein einzelnes HLA-Allel könnte künftig helfen, Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und besonders ungünstigem Verlauf früh zu erkennen. In der bislang größten Genotyp-Phänotyp-Analyse mit über 43.000 Betroffenen zeigt HLA-DRB1*01:03 eine unabhängige Assoziation mit Perianalbefall, Kolektomie, Kolonresektion, früherem Therapiebedarf und schlechterem Ansprechen auf Anti-TNF- und JAK-Inhibitoren – über Morbus Crohn und Colitis ulcerosa hinweg.
Lupe vergrößert eine blaue Figur inmitten vieler brauner Holzfiguren
Evidenzlücke bremst Ausweitung

G-BA lehnt Ausweitung des Darmkrebs-Screenings auf jüngere Risikopersonen ab

Bei jüngeren Personen mit familiärem Darmkrebsrisiko bleibt die individuelle Risikoberatung und kurative Abklärung der zentrale Versorgungspfad – ein organisiertes, einladungsbasiertes Screening wird es vorerst nicht geben. Die Anamneseerhebung zum familiären Risiko im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung sowie die niederschwellige Koloskopie zur Abklärung von Beschwerden bleiben die wichtigsten Instrumente, um Betroffene früh zu identifizieren.
Darstellung des menschlichen Darms in einer futuristischen, digitalen Umgebung mit medizinischen Symbolen und Datenvisualisierungen.
KI-Hype gebremst?

Darmkrebsvorsorge bei Lynch-Syndrom: KI bringt keinen Zusatznutzen in Expertenhand

KI-Assistenzsysteme in der Koloskopie gelten als vielversprechendes Werkzeug zur Adenom-Detektion. Doch bei Menschen mit Lynch-Syndrom zeigt die internationale CADLY2-Studie unter Leitung des Universitätsklinikums Bonn ein unerwartetes Bild. In spezialisierten Zentren mit erfahrenen Untersuchenden erkennt die künstliche Intelligenz nicht mehr Krebsvorstufen als die hochwertige Standarduntersuchung.
Eher quantitative Eigenschaften entscheidend

Darmmikrobiom: Menge der Bakterien wichtiger als Zusammensetzung

Ballaststoffreiche Ernährung und Intervallfasten wirken im Darm ähnlich entzündungshemmend – obwohl sie die bakterielle Zusammensetzung des Mikrobioms unterschiedlich verändern. Eine Studie der Universität Hohenheim rückt daher die absolute Menge der Darmbakterien in den Fokus.

Inhalte zum Themenbereich „Darm“

Die Inhalte sind auf den ärztlichen Entscheidungsprozess ausgerichtet und liefern Ihnen eine verlässliche Einordnung neuer Erkenntnisse zu chronischen, funktionellen und entzündlichen Darmerkrankungen. So bleiben Sie fachlich auf dem aktuellen Stand und können relevante Neuerungen gezielt in Ihre klinische Praxis integrieren.