Niedrig dosiertes Megestrol, ein synthetisches Gestagen, zeigt in Kombination mit der Antiöstrogentherapie Letrozol einen deutlichen antiproliferativen Effekt bei östrogenrezeptorpositivem Brustkrebs. Die aktuellen Studiendaten deuten darauf hin, dass bereits geringe Mengen das Tumorwachstum wirksam bremsen können – mit potenziell weniger Nebenwirkungen.
Megestrol bei ER‑positivem Brustkrebs: Neuer Therapieimpuls
Ein synthetisches Gestagen, bislang vor allem gegen Hitzewallungen eingesetzt, könnte sich als zusätzliche Waffe gegen hormonabhängigen Brustkrebs erweisen: In Kombination mit Letrozol verlangsamte niedrig dosiertes Megestrol in einer Studie das Tumorwachstum deutlich – sogar schon mit einer stark reduzierten Dosis.
Die Anwendung von Progestogenen bei Brustkrebs war bislang umstritten. Neuere präklinische Studien haben jedoch gezeigt, dass das Hormon Progesteron östrogenpositive Krebszellen daran hindert, sich zu teilen, indem es den Östrogenrezeptor indirekt blockiert und dies zu einem langsameren Tumorwachstum führt. Forschende der Universitätsklinik Cambridge wollten nun wissen, ob sich diese Ergebnisse auch im realen Leben bestätigen und initiierten die „Pioneer“-Studie.
Pioneer war eine randomisierte Phase-IIb-„Window-of-Opportunity“-Studie mit 3 Behandlungsarmen und 198 Teilnehmerinnen mit frühem Östrogenrezeptor (ER) positivem Brustkrebs. Untersucht wurde die Antiöstrogentherapie Letrozol allein oder in Kombination mit Megestrol in einer täglichen Dosis von 40 oder 160 mg. Megestrol ist ein synthetisches Gestagen aus der Gruppe der Progesteron-Derivate, das in niedrigen Dosen gegen Hitzewallungen eingesetzt wird. In der höheren Dosis ist es zur Behandlung des fortgeschrittenen Mammakarzinoms zugelassen.
Progesteron‑Derivate mit unerwartetem therapeutischem Potenzial
Die Behandlung begann 2 Wochen vor der Brustkrebs-Operation; den Anteil aktiv wachsender Tumorzellen hatten die Forschenden zu Beginn der Studie und erneut vor der Operation bestimmt. Nach 2 Wochen Behandlung zeigten die Patientinnen, die die Kombinationstherapie erhielten, eine stärkere Verringerung der Tumorwachstumsrate im Vergleich zu den Patientinnen, die nur mit einem Antiöstrogen behandelt wurden. Somit erreichte die Studie ihren primären Endpunkt, also die Veränderung der Tumorproliferation, gemessen mittels Ki67-Immunhistochemie.
Niedrige Megestrol‑Dosis zeigt überraschend starke Wirksamkeit
Interessanterweise war die Dosis von 40 mg Megestrol ebenso effektiv wie die 160-mg-Dosis. Dieser Befund ist auch im Hinblick auf potenzielle Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme und Bluthochdruck relevant.
Key Takeaways
- Ein synthetisches Gestagen, Megestrol, zeigt vielversprechende Ergebnisse in der Bekämpfung von hormonabhängigem Brustkrebs.
- In der Studie verlangsamte Megestrol in Kombination mit Letrozol das Tumorwachstum deutlich, selbst bei niedrigen Dosen.
- Die „Pioneer“-Studie untersuchte 198 Teilnehmerinnen, die mit Letrozol allein oder in Kombination mit Megestrol behandelt wurden.
- Patientinnen, die die Kombinationstherapie erhielten, zeigten eine stärkere Verminderung der Tumorwachstumsrate verglichen mit der alleinigen Antiöstrogentherapie.
- Überraschenderweise war die niedrigere Dosis von 40 mg Megestrol ebenso effektiv wie die höhere Dosis von 160 mg.