Wie sich das Darmmikrobiom gezielt über die Ernährung beeinflussen lässt, rückt zunehmend in den Fokus der klinischen Praxis. Mediterrane Kost, Restore-Diät und fermentierte Lebensmittel modulieren die mikrobielle Zusammensetzung messbar und eröffnen neue Wege in der personalisierten Therapie. Auf dem 132. DGIM-Kongress erläuterte Prof. Stephan C. Bischoff, Stuttgart, warum gerade ein funktionsorientierter Blick auf die Mikrobiota im klinischen Alltag weiterhilft.
Mikrobiomforschung: Funktion statt Sequenz im klinischen Fokus
Trotz wachsender Erkenntnisse bleibt die Übertragung der Mikrobiomforschung in die Klinik überschaubar. Bischoff sieht einen Grund in der schieren Komplexität der Big-Data-Analysen – und sprach sich für einen pragmatischeren Zugang über die funktionellen Eigenschaften der Mikrobiota aus.
Darmbakterien als Schlüssel für Immunsystem und Stoffwechsel
Bischoff plädierte dafür, die Mikrobiota stärker über ihre Funktion zu verstehen als über komplexe Omics-Daten. So lasse sich der Einfluss natürlicher und therapeutischer Faktoren bewerten, ohne in jedes Detail der Sequenzierung einzutauchen. Gut belegt sei: Ohne Darmbakterien fehlt die adäquate Entwicklung des mukosalen Immunsystems, es überwiegen Th2-lastige Immunantworten mit höherer Allergielast, die Immunkompetenz gegen Pathogene sinkt, und auch Hirnfunktionen wie Sättigung und Motivation sowie die Temperaturresilienz sind beeinträchtigt. Aus seiner Sicht zentral: die Bedeutung für Futterverwertung und Schutz vor Malnutrition.
Erstaunlich, was das Mikrobiom hier leistet.
Prof. Dr. Stephan C. Bischoff, Stuttgart
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