Nach der Entfernung des unteren rechten Lungenlappens richten sich alle Blicke auf die Befunde aus dem Labor: Bei Papst Leo XIV. wurde ein Lungenadenokarzinom diagnostiziert. Ob die Operation bereits kurativ war oder weitere Behandlungen nötig werden, hängt nun von Faktoren wie Lymphknotenbefall, möglichen Metastasen und der molekularen Signatur des Tumors ab. Der Pneumologe Prof. Jürgen Behr, München, ordnet die Angaben aus dem Vatikan ein.
Papst Leo XIV. nach Lungen-OP: Ist der Krebs bereits besiegt?
Dem an Lungenkrebs erkrankten Papst wurde vorsorglich ein Stück der Lunge entfernt: Wie sind seine Aussichten? Festgestellt wurde ein Lungenadenokarzinom, die häufigste Form von Lungenkrebs, so Prof. Jürgen Behr, München. Im besten Fall sei der Papst nach dem Eingriff bereits geheilt und es stehe nur noch etwas Nachsorge an.
Von der behandelnden Gemelli-Klinik in Rom hieß es, Leo XIV. sei der untere Lappen der rechten Lunge entfernt worden, in dem der zuvor entdeckte Tumor saß, um eine vollständige Resektion im Sinne einer R0-Situation zu erreichen. Für Patienten sei ein Verlust des unteren rechten Lungenlappens nicht dramatisch, erklärt Behr. Er gehe mit etwa 10–20% Leistungsverlust der Lunge einher, was im Alltag oft nicht großartig auffalle.
Molekulare Signatur entscheidet über die weitere Therapie
Keine Angaben gab es zunächst dazu, wie groß der gefundene Tumor war, ob es eventuell weitere Knoten in dem Lungenlappen gab und ob bereits Lymphknoten befallen sind – drei Befunde mit bekanntermaßen chlechterer Prognose, erklärte Behr. Zentral sei nun zudem, was die Analyse der molekularen Signatur des Tumors ergebe. Diese können in ein bis 3 Tagen vorliegen.
Gesucht wird demnach unter anderem nach Treibermutationen – etwa EGFR, ALK oder ROS1. Diese sind therapeutisch besonders relevant, weil sie mit zielgerichteten Inhibitoren gezielt blockiert werden können, oft mit höheren Ansprechraten und einem günstigeren Nebenwirkungsprofil als eine klassische Chemotherapie. Liegt keine behandelbare Treibermutation vor, kommen je nach Situation Chemotherapie und/oder Immuntherapie infrage.
PET-CT soll Metastasen im gesamten Körper ausschließen
Im schlechtesten Fall könnnten bereits Fernmetastasen des Primärtumors in anderen Organen bestehen. Beim Lungenadenokarzinom sind davon neben den Lymphknoten vor allem Nebennieren, das zentrale Nervensysem (ZNS), Leber und Knochen betroffen. Ein wichtiges Werkzeug für die Komplettierung des systemische Stagings sei das sogenannte PET-CT – dieses Bildgebungsverfahren stehe beim Papst nun an oder sei bereits durchgeführt worden. Zu möglichen Ergebnissen wurde zunächst nichts bekannt.
Bei einer solitären Metastase sind Behr zufolge noch kurativ intendierte Therapiekonzepte denkbar, bei mehreren aber sei eine Heilung sehr unwahrscheinlich und es gehe oft nur noch darum, das Leben so gut wie möglich zu verlängern, das Tumorwachstum zu bremsen und Beschwerden zu lindern.