Viele Patienten nehmen nach dem Absetzen von Abnehmspritzen einen Großteil des verlorenen Gewichts wieder zu – teils innerhalb weniger Monate. Rund 60% der Kilos sind nach einem Jahr zurück. Doch ein kleiner Teil des Effekts bleibt erhalten, und niedrigere Erhaltungsdosen könnten langfristig helfen.
Pfunde kehren nach dem Absetzen von Abnehmspritzen schneller zurück als gedacht
Nach dem Absetzen von Abnehmspritzen nehmen Patienten schnell wieder zu – bewahren aber einer Studie zufolge womöglich etwa ein Viertel des Gewichtsverlusts längerfristig. Ein Jahr nach dem Therapiestopp seien durchschnittlich bereits 60% des verlorenen Gewichts wieder drauf.
Die Studienautoren hatten 6 Untersuchungen zu Medikamenten mit sogenannten GLP-1-Rezeptor-Agonisten mit insgesamt 3.236 Teilnehmern in ihre Analyse einbezogen. In 3 der berücksichtigten Studien wurde der Wirkstoff Semaglutid getestet, der in den Präparaten Ozempic® und Wegovy® enthalten ist. Ozempic® ist in Deutschland gegen Typ-2-Diabetes zugelassen, Wegovy® gegen manche Formen von Übergewicht. In 2 Studien kam der Wirkstoff Tirzepatid und in einer der Wirkstoff Liraglutid zum Einsatz.
Wie schnell das Gewicht zurückkehrt
Patienten, die solche Präparate absetzen, legen demnach zunächst schnell und dann immer langsamer wieder an Gewicht zu. Der Endpunkt liege vielleicht bei etwa 75% – allerdings nur nach theoretischer Berechnung. Reale Langfrist-Werte gibt es bisher nicht.
Studien hatten gezeigt, dass etwa die Hälfte derjenigen, die eine Therapie mit Abnehmspritzen beginnen, diese vorzeitig beenden – theoretisch müsste sie wohl lebenslang fortgesetzt werden, um den Erfolg zu bewahren, vermuten Experten. «Die Behandlung wird häufig aufgrund von Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt, finanziellen Schwierigkeiten und eingeschränktem Zugang durch Krankenversicherungen oder Verschreibungsrichtlinien abgebrochen», schreiben Brajan Budini und Kollegen.
In Deutschland kostet die Behandlung mit Abnehmspritzen zur reinen Gewichtsreduktion einige Hundert Euro pro Monat. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen diese Kosten in der Regel nicht.
Langzeitverlauf: Kurven deuten auf Plateau hin
Das durchschnittliche Ausgangsgewicht lag in den berücksichtigten Studien bei 104–112 kg. Mit Semaglutid nahmen die Versuchsteilnehmer durchschnittlich etwa 11–17% ab, mit Tirzepatid 15–23%, allerdings über einen erheblich längeren Zeitraum (mehr als 3 Jahre).
Bei variierender Behandlungsdauer, verschiedener Dosierung und unterschiedlicher Höhe des Gewichtsverlusts ergaben sich bei der Gewichtszunahme nach Beendigung der Therapie sehr ähnliche Kurven. Der Mittelwert der immer flacher ansteigenden Kurven liegt nach 52 Wochen bei 60% des abgenommenen Gewichts. Verlängert man die Bahn, könnte bei 75% ein Wert erreicht werden, über den hinaus sich das Gewicht womöglich nicht weiter erhöht. Ob dem tatsächlich so ist, ist aber unklar.
Dosisreduktion statt kompletter Abbruch?
Budini und Kollegen verweisen auf aktuelle, noch laufende Studien, in denen nach dem Erreichen des Zielgewichts die Dosis individuell so reduziert wurde, dass die Patienten ihr Gewicht halten können. «Diese Strategie kann die Langzeitverträglichkeit verbessern, jedoch ist es unter Umständen nicht möglich, die Behandlung vollständig abzubrechen», hieß es.
Nach einer Untersuchung des Beijing University People’s Hospital in Peking nehmen Patienten umso stärker wieder zu, je höher ihr Gewichtsverlust gewesen ist – selbst wenn sie an Programmen teilnehmen, um ihren Lebensstil, etwa das Ess- und Bewegungsverhalten, zu verändern. Ähnliches erleben zum Beispiel Menschen, die eine stark kalorienreduzierte Diät einhalten; auch sie nehmen nach deren Ende stärker wieder zu als Menschen, die nur eine moderate Kalorieneinschränkung durchlaufen.