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Gebärmutterkörperkrebs aktuell

Aktualisierte S3-Leitlinie Endometriumkarzinom: risikoadaptierte Therapie und molekulare Klassifikation

|von Redaktion Thieme Praxis

Die überarbeitete Empfehlung stellt die risikoadaptierte, molekular-basierte Therapie in den Mittelpunkt, präzisiert Indikationen zur Sentinel-Lymphadenektomie und definiert, wann auf adjuvante Chemo- oder Strahlentherapie verzichtet werden kann – für weniger Übertherapie und mehr Lebensqualität.

Modell einer Gebärmutter
Die aktualisierte S3-Leitlinie ermöglicht eine risikoadaptierte, individualisierte Therapie des Endometriumkarzinoms. (© Artemenko_Daria/stock.adobe.com)

Das Leitlinienprogramm Onkologie hat die S3-Leitlinie Endometriumkarzinom überarbeitet. Sie gibt evidenzbasierte Empfehlungen für eine risikoadaptierte Therapie, mit der unnötige Eingriffe vermieden werden können, sowie Hinweise zur Diagnostik und Therapie seltener histologischer Subtypen und erblicher Varianten.

Entstanden ist die Leitlinie unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) sowie unter Mitwirkung von 35 weiteren Fachgesellschaften und Organisationen. Finanziert wurde die Überarbeitung von der Deutschen Krebshilfe im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie.

Laut Robert Koch-Institut erkranken in Deutschland jährlich etwa 11.000 Frauen an Gebärmutterkörperkrebs. Damit ist die Tumorerkrankung hierzulande die häufigste Krebserkrankung der weiblichen Geschlechtsorgane. Das Endometriumkarzinom wird am häufigsten zwischen dem 70. und 84. Lebensjahr diagnostiziert. Da die Tumorart oftmals in einem frühen Stadium diagnostiziert wird, ist die Prognose günstig. Bei der Behandlung können eine Operation, Bestrahlung und/oder eine medikamentöse Therapie zum Einsatz kommen.

Risikoadaptierte Therapie beim Endometriumkarzinom: weniger Übertherapie

Durch eine evidenzbasierte risikoadaptierte Therapie können beim Endometriumkarzinom mit geringem Risikoprofil unnötige Operationen und adjuvante Strahlen- und/oder Chemotherapien vermieden werden. „Dieser Ansatz reduziert deutlich die therapieinduzierte Morbidität und erhöht zeitgleich die Lebensqualität der Patientinnen. Die S3-Leitlinie gibt hier wichtige Empfehlungen, ohne die onkologische Sicherheit zu vernachlässigen“, so Prof. Clemens Tempfer von der Universitäts-Frauenklinik der Ruhr-Universität Bochum. Gemeinsam mit Prof. Sara Brucker, Universitätsklinikum Tübingen, und Prof. Eric Steiner, GPR Gesundheits- und Pflegezentrum Rüsselsheim, hat er die Leitlinie koordiniert.

Merke S3-Leitlinie Endometriumkarzinom

Epidemiologie: Rund 11.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland; häufigste gynäkologische Krebserkrankung mit meist günstiger Prognose durch frühe Diagnose.

Risikoklassifikation nach ESGO/ESTRO/ESP: Einteilung in low, intermediate, high-intermediate und high risk bildet die Grundlage jeder individualisierten Therapieentscheidung.

Deeskalation bei niedrigem Risiko: Bei geringem Risikoprofil können unnötige Operationen sowie adjuvante Strahlen- und/oder Chemotherapien vermieden werden – das reduziert Morbidität und erhöht die Lebensqualität.

Sentinel-Lymphadenektomie (SNB): Indikation, Art und Ausmaß richten sich nach der ESGO/ESTRO/ESP-Risikoklassifikation. Die Leitlinie definiert, wann eine SNB erfolgen soll.

Operatives Vorgehen: Standard ist die vollständige Entfernung von Gebärmutter, Gebärmutterhals und Eileitern; die Lymphadenektomie erfolgt risikoadaptiert.

Adjuvante Therapie molekular-basiert: Bei günstigem molekularem Muster und R0-Resektion kann komplett auf adjuvante Chemo- und Strahlentherapie verzichtet werden.

Optionen bei höherem Risiko: vaginale Brachytherapie, perkutane Strahlentherapie des kleinen Beckens, Chemotherapie oder Radiochemotherapie.

Seltene Entitäten und Fertilitätserhalt: Die Leitlinie enthält evidenzbasierte Empfehlungen zu Karzinosarkomen, fortgeschrittenen Stadien und fertilitätserhaltenden Vorgehensweisen.

Operatives Staging und Sentinel-Lymphadenektomie: neue Empfehlungen

Die Therapie orientiert sich unter anderem an der Risikobeurteilung der European Society of Gynaecological Oncology (ESGO), der European Society for Radiotherapy and Oncology (ESTRO) und der Europäischen Gesellschaft für Pathologie (ESP). „Bei der Risikoeinteilung unterscheiden wir zwischen low risk, intermediate risk, high-intermediate risk und high risk“, erklärt Brucker. „Diese Einteilung hilft uns, individualisierte Therapieentscheidungen zu treffen.“

Je nach Risikoklasse können beim operativen Eingriff die Gebärmutter und der Gebärmutterhals inklusive der Eileiter vollständig entfernt werden. In einigen Fällen werden auch die Wächterlymphknoten entfernt. Mit der Sentinel-Node-Biopsie (SNB) wird überprüft, ob sich Tumorzellen im lokal angrenzenden Lymphknotengebiet ausgebreitet haben. „Die Leitlinie gibt Empfehlungen, wann genau eine Sentinel-Lymphadenektomie entsprechend der ESGO/ESTRO/ESP-Risikoklassifikation durchgeführt werden soll. Sie bietet wichtige Hinweise zu Indikation, Art und Ausmaß der Lymphadenektomie“, so Brucker.

Adjuvante Strahlen- und Chemotherapie: molekular-basierte Entscheidung

Bei bestimmten Patientinnengruppen erfolgt ergänzend zur Operation eine Chemo- und/oder Strahlentherapie. Auch hier bietet die ESGO/ESTRO/ESP-Risikoklassifikation einen molekular-basierten individualisierten Ansatz zur Risikoabschätzung und Therapieplanung. Wenn die Tumorzellen ein bestimmtes molekulares Muster aufweisen und der Tumor komplett entfernt werden konnte, kann sogar gänzlich auf eine adjuvante Chemo- und Strahlentherapie verzichtet werden.

„Patientinnen mit einer höheren Risikoklasse können beim primären Endometriumkarzinom eine vaginale Brachytherapie, eine perkutane Strahlentherapie des kleinen Beckens, eine Chemotherapie oder eine Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie erhalten. In der aktualisierten Leitlinie geben wir entsprechende Hinweise“, erklärt Steiner.

Seltene Tumorentitäten und Fertilitätserhalt im Fokus (optional)

Darüber hinaus umfasst die S3-Leitlinie Behandlungsempfehlungen bei fortgeschrittenen Erkrankungsstadien und bei seltenen Tumoren wie dem Karzinosarkom. Zudem liefert sie evidenzbasierte Hinweise zum Fertilitätserhalt bei jungen Patientinnen mit Kinderwunsch.


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