Das persönliche Krebsrisiko wird in Deutschland dramatisch unterschätzt: Nur jeder Achte hält es für hoch oder sehr hoch – auch Raucher, regelmäßige Alkoholkonsumenten und chronisch Kranke schätzen ihre Gefährdung kaum höher ein. Dem steht ein tatsächliches Lebenszeitrisiko von 43% bei Frauen und 49% bei Männern gegenüber. Diese Fehlwahrnehmung hat direkte Konsequenzen für die Nutzung von Früherkennungsangeboten, die Bereitschaft zu Lebensstiländerungen und die Wirksamkeit klassischer Aufklärungskampagnen. Wissen allein schützt offenbar nicht: Gefragt sind zielgruppenspezifische Ansätze, die Risikowahrnehmung und Selbstwirksamkeit gleichermaßen stärken.
Krebsrisiko systematisch unterschätzt: Nur 12% der Deutschen halten ihr Risiko für hoch
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Nur 12% der Menschen in Deutschland halten ihr persönliches Krebsrisiko für hoch oder sehr hoch – und das, obwohl das tatsächliche Lebenszeitrisiko laut Robert Koch-Institut bei 43% für Frauen und 49% für Männer liegt. Selbst unter Rauchern, regelmäßigen Alkoholkonsumenten und chronisch Kranken fällt die Selbsteinschätzung kaum realistischer aus.
Diese ausgeprägte Fehlwahrnehmung ist ein zentraler Befund einer aktuellen bevölkerungsrepräsentativen Befragung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Sie macht sichtbar, wie weit Risikowahrnehmung, subjektive Informiertheit und tatsächliches Präventionsverhalten in der Allgemeinbevölkerung auseinanderklaffen. Angesichts der Tatsache, dass sich nach Schätzungen rund 40% aller Krebsneuerkrankungen durch die Vermeidung bekannter Risikofaktoren verhindern ließen, sind solche Einblicke in Einstellungen und Informationsbedarfe für die Gestaltung zielgerichteter Präventionsstrategien von erheblicher Bedeutung.
Deutschlandweite Befragung mit repräsentativer Stichprobe
Im Auftrag des DKFZ führte das Institut für Demoskopie Allensbach im November 2023 persönlich-mündliche Interviews mit 1581 Personen ab 16 Jahren in Deutschland durch. Erhoben wurden:
- persönliche Berührungspunkte mit Krebs,
- eine Selbsteinschätzung von Gesundheitszustand, Lebensweise und des persönlichen Krebsrisikos,
- die Inanspruchnahme von Krebsfrüherkennungsangeboten,
- Wirksamkeitsüberzeugungen sowie
- Informationsverhalten und -bedarf.
Zusätzlich wurde das Vorliegen chronischer Erkrankungen (u. a. Herz-Kreislauf-, Atemwegs- und rheumatische Erkrankungen sowie Diabetes) erfasst. Um sicherzustellen, dass die Stichprobe die deutsche Gesamtbevölkerung möglichst genau widerspiegelt, wurden die Daten anhand des Mikrozensus 2022 statistisch gewichtet. Insgesamt 7% der Befragten waren selbst an Krebs erkrankt, gut zwei Drittel indirekt durch Erkrankungen im persönlichen Umfeld betroffen.
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