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Spiegel von Zeit und Gesellschaft

Krisen prägen nicht nur Geschichte, sie wirken bis ins hohe Alter nach

|von Stephanie Schikora

Das Alter von morgen entsteht lange vor dem Eintritt ins hohe Lebensalter. Wirtschaftliche Unsicherheit, politische Konflikte, Pandemien oder ökologische Krisen beeinflussen, wie gesund und widerstandsfähig Menschen später altern. Wer die Gesundheit älterer Menschen verstehen will, muss daher auch ihre gesellschaftlichen und historischen Erfahrungen betrachten.

Drei nebeneinander arrangierte Porträts derselben Person in verschiedenen Lebensphasen, von einem höheren über ein mittleres zu einem jüngeren Lebensalter,
Das Alter von morgen entsteht über Jahrzehnte: Gesundheit und Resilienz werden nicht nur von biologischen Faktoren, sondern auch von gesellschaftlichen Erfahrungen und Lebensbedingungen geprägt. (© K. Oborny/Thieme)

Pandemien, Kriege, Wirtschaftskrisen, Klimawandel, soziale Ungleichheit, künstliche Intelligenz: Nie zuvor veränderte sich die Welt so schnell und in so viele verschiedene Richtungen gleichzeitig wie heute. Während jede Krise für sich genommen bereits Herausforderungen schafft, ist es vor allem ihr Zusammenwirken, das unsere Gesellschaft verändert. Doch was bedeutet diese permanente Unsicherheit für das Älterwerden? Und welche Spuren hinterlassen solche gesellschaftlichen Umbrüche in unserer körperlichen und psychischen Gesundheit? Wie beeinflussen sie unseren Blick auf die Welt – auch Jahrzehnte nach ihrem ersten Auftreten?

Mit diesen bedeutenden Fragen beschäftigte sich der renommierte US-amerikanische Gerontologe und Soziologe Prof. Richard A. Settersten, Corvallis (Oregon; USA), in seiner Keynote auf dem gemeinsamen Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) in Frankfurt am Main lädt er dazu ein, Altern neu zu denken: nicht nur als biologischen Prozess, der sich ausschließlich im Individuum vollzieht, sondern als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen.

„Altern geschieht nie losgelöst von der Welt, in der Menschen leben“, sagt er. „Geschichte prägt sich in Biografien ein. Und Biografien schreiben Geschichte fort.“

Prof. Dr. Richard A. Settersten, Corvallis (Oregon; USA) – Soziologe und Gerontologe

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