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Geriatrie

Der Bereich „Geriatrie“ widmet sich der medizinischen Versorgung älterer Patient*innen und berücksichtigt die komplexen Wechselwirkungen zwischen Multimorbidität, funktionellen Einschränkungen und psychosozialen Faktoren. Im Fokus stehen häufige geriatrische Syndrome wie Frailty, Sturzgefährdung, kognitive Beeinträchtigungen und Polypharmazie, die Diagnostik und Therapie maßgeblich beeinflussen.
Ziel ist eine ganzheitliche, individualisierte Versorgung, die neben der Behandlung akuter und chronischer Erkrankungen auch den Erhalt von Selbstständigkeit und Lebensqualität in den Mittelpunkt stellt. Die Inhalte unterstützten dabei, geriatrische Assessments, interdisziplinäre Therapieansätze und aktuelle evidenzbasierte Empfehlungen sicher in die klinische Praxis zu integrieren.

Neuste Artikel

Stilisiertes menschliches Gehirn aus grünen Ginkgoblättern
Architekt von Erinnerungen

Gedächtnis im Umbruch: Der Hippocampus altert früher als gedacht

Gedächtnisfehler wie das Verwechseln von Gesichtern oder Orten gelten als typisches Phänomen des Alters – doch neurofunktionelle Daten lassen einen deutlich früheren Wendepunkt wahrscheinlich erscheinen: Bereits in der Lebensmitte verändert sich, wie der Hippocampus Erinnerungen reaktiviert. Bei jüngeren Erwachsenen läuft dieser Prozess präzise und zielgerichtet ab. Bei Älteren kehrt sich das Bild um: Je aktiver das Gehirn eine Erinnerung abruft, desto häufiger landet es beim falschen Kontext – ein typischer Verwechslungsfehler, bei denen beispielsweise Personen, Orte oder Situationen vertraut erscheinen, aber dem falschen Kontext zugeordnet werden.
Singen im Chor
Therapie mit Taktgefühl

Singen dämpft supragastrisches Aufstoßen wirksam – besonders Ältere profitieren

Repetitives supragastrisches Aufstoßen belastet Betroffene erheblich und spricht oft nur mäßig auf die leitliniengerechte Zwerchfellatmung an. Eine randomisierte Studie aus China setzt nun auf einen ungewöhnlichen Ansatz – und zeigt: Strukturierte Gesangtherapie erzielt fast doppelt so hohe Ansprechraten wie die klassische Atemübung. Besonders ältere Patienten mit ausgeprägter Symptomatik profitieren, und der Effekt hält auch einen Monat nach Therapieende an.
Drei nebeneinander arrangierte Porträts derselben Person in verschiedenen Lebensphasen, von einem höheren über ein mittleres zu einem jüngeren Lebensalter,
Spiegel von Zeit und Gesellschaft

Krisen prägen nicht nur Geschichte, sie wirken bis ins hohe Alter nach

Das Alter von morgen entsteht lange vor dem Eintritt ins hohe Lebensalter. Wirtschaftliche Unsicherheit, politische Konflikte, Pandemien oder ökologische Krisen beeinflussen, wie gesund und widerstandsfähig Menschen später altern. Wer die Gesundheit älterer Menschen verstehen will, muss daher auch ihre gesellschaftlichen und historischen Erfahrungen betrachten.
Älterer Mann sitzt nachdenklich am Fenster.
Lebenszufriedenheit im Alter

Nicht Kinderlosigkeit, sondern fehlende Nähe macht unglücklich

Kinderlosigkeit hinterlässt bei Männern im Alter oft tiefere Spuren als bei Frauen: Sie berichten häufiger von geringerer Lebenszufriedenheit, mehr negativen Gefühlen und größerer Einsamkeit. Entscheidend ist dabei nicht allein die Frage, ob jemand Kinder hat, sondern ob verlässliche emotionale Bindungen bestehen. Und übrigens: Eine belastete Beziehung zu den eigenen Kindern kann das Wohlbefinden stärker beeinträchtigen als Kinderlosigkeit selbst.
Ältere Person mit weißem Haar, Brille und gemustertem Schal sitzt in einem Innenraum vor einem Bücherregal und spricht mit einer Pflegekraft, die mit dem Rücken zur Kamera zu sehen ist.
Wenn weniger mehr sein könnte

Zu strenge Blutzuckerkontrolle im Pflegeheim?

Muss ein älterer Mensch mit Diabetes in ein Pflegeheim, ist er meist gebrechlich, multimorbide und hat eine begrenzte Lebenserwartung. Eigentlich sprechen in dieser Situation viele Faktoren für eine vorsichtige Diabetesbehandlung mit Fokus auf Lebensqualität und der Vermeidung von Hypoglykämien. Dennoch bleiben die HbA1c-Werte häufig unter den in dieser Situation empfohlenen Zielbereichen und es kommen komplexe Therapien zum Einsatz. Über eine De-Intensivierung wird eher selten nachgedacht.
Frühe Therapie zahlt sich aus

Frühe Statintherapie bei Typ-2-Diabetes senkt Demenzrisiko

Bei Menschen mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes war der frühe Beginn einer Statintherapie in einer landesweiten dänischen Kohortenstudie mit 132.585 statin-naiven Patienten mit einem um 15% geringeren relativen Demenzrisiko über 10 Jahre assoziiert – deutlich stärker ausgeprägt als bei verzögertem Therapiebeginn. Besonders vaskulär bedingte Demenzen wurden seltener beobachtet. Die auf dem ESC Congress 2026 vorgestellten Daten liefern ein weiteres Argument gegen die verbreitete Therapieträgheit beim LDL-Cholesterin-Management.
Eine Gruppe erwachsener Menschen ist gemeinsam draußen unterwegs, einige mit Wanderstöcken, eine Person mit Fahrrad; sie bewegen sich in einer grünen, natürlichen Umgebung und wirken aktiv und gut gelaunt.
Geriatrie-Kongress Frankfurt

Longevity-Trend in der Kritik: Lässt sich Altern wirklich aufhalten?

Longevity als Milliardenmarkt: Peptide, Supplements und Anti-Aging-Strategien versprechen ein längeres Leben – doch belastbare Belege fehlen. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie warnt vor der Pathologisierung des Alterns und erklärt, welche Maßnahmen für ein gesundes Altwerden tatsächlich evidenzbasiert sind.
Älterer Mann sitzt auf einem Sofa und greift sich an den schmerzenden Fuß.
Wenn Rheuma grau wird

Älter, multimorbide, entzündet – eine Herausforderung für Rheumatologen und Hausärzte

Die alternde Gesellschaft verändert die Rheumatologie grundlegend. Entzündlich-rheumatische Erkrankungen werden häufiger bei älteren Menschen diagnostiziert oder begleiten Betroffene bis ins hohe Lebensalter. Aber auch bzw. insbesondere im hohen Alter gefährden unkontrollierte Entzündungen nicht nur Gelenke, sondern auch Herz, Gefäße und Selbstständigkeit. Leitlinien empfehlen deshalb auch im hohen Alter eine konsequente, risikoadaptierte Therapie sowie eine strukturierte Prävention kardiovaskulärer Begleiterkrankungen.
Medizinische Illustration eines Herzens neben einem Längsschnitt durch eine Arterie mit Cholesterinablagerungen und verengtem Gefäßlumen
Prävention ja, Lebensverlängerung fraglich

Statine schützen Herz und Gefäße in der Primärprävention auch bei Betagten

Über 2 Jahrzehnte nach PROSPER liefert eine große Primärpräventionsstudie belastbare Daten für Menschen ab 70 Jahren ohne kardiovaskuläre Vorerkrankung, Diabetes oder Demenz: Atorvastatin senkte die Rate an schweren kardiovaskulären Ereignissen um relative 30% – auch bei den Hochbetagten und unabhängig vom LDL-Ausgangswert. Einen Gewinn beim behinderungsfreien Überleben gab es zwar nicht. Dafür bestätigt die Studie die gute Verträglichkeit von Statinen auch im höheren Lebensalter.
Ältere Frau sitzt mit gesenktem Kopf und gefalteten Händen auf einem dunklen Sofa.
Suizidprävention im höheren Lebensalter

Todeswünsche im Alter werden zu oft erklärt statt abgeklärt

Mehr als die Hälfte aller Suizidtoten in Deutschland ist 60 Jahre oder älter, doch Todeswünsche älterer Menschen werden im Versorgungsalltag noch zu häufig als nachvollziehbare Reaktion auf Krankheit oder Verlust eingeordnet. Die Arbeitsgruppe Suizidforschung der Universitätsmedizin Frankfurt benennt zum Welttag der Suizidprävention, was geriatrische, hausärztliche und pflegerische Teams jetzt brauchen. Die Botschaft ist klar: Nachfragen rettet Leben.
Senioren in einem Altenheim mit Rollator im Vordergrund
DGG-Positionspapier 2026

Gefäßmedizin im Alter: DGG fordert vor Jahrestagung strukturierte Geriatrie-Kooperation

Pünktlich zur 42. DGG-Jahrestagung in Frankfurt fordert ein neues Positionspapier eine engere Kooperation von Gefäßchirurgie, Angiologie und Geriatrie. Frailty, Multimorbidität und funktioneller Status sollen künftig systematisch in die Therapieentscheidung einfließen – um Komplikationen bei pAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit)- und Carotis-Eingriffen zu reduzieren.
Eine Pflegekraft hält in einem Seniorenheim die Hand einer Bewohnerin.
Pflege daheim

Bayern setzt auf mehr Unterstützung für pflegende Angehörige

Rund 83% der 630.000 Pflegebedürftigen in Bayern werden zu Hause versorgt – meist von Angehörigen. Zum Tag der pflegenden Angehörigen verweist Gesundheitsministerin Judith Gerlach auf Förderprogramme, 59 Pflegestützpunkte und 3.860 anerkannte Entlastungsangebote. Zudem sollen Rentenansprüche für pflegende Angehörige entgegen bisherigen Reformplänen erhalten bleiben.