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Geriatrie

Der Bereich „Geriatrie“ widmet sich der medizinischen Versorgung älterer Patient*innen und berücksichtigt die komplexen Wechselwirkungen zwischen Multimorbidität, funktionellen Einschränkungen und psychosozialen Faktoren. Im Fokus stehen häufige geriatrische Syndrome wie Frailty, Sturzgefährdung, kognitive Beeinträchtigungen und Polypharmazie, die Diagnostik und Therapie maßgeblich beeinflussen.
Ziel ist eine ganzheitliche, individualisierte Versorgung, die neben der Behandlung akuter und chronischer Erkrankungen auch den Erhalt von Selbstständigkeit und Lebensqualität in den Mittelpunkt stellt. Die Inhalte unterstützten dabei, geriatrische Assessments, interdisziplinäre Therapieansätze und aktuelle evidenzbasierte Empfehlungen sicher in die klinische Praxis zu integrieren.

Neuste Artikel

Auswahl eiweißreicher Lebensmittel mit rohem Fleisch, Fisch, Käse, Eiern, Hülsenfrüchten, Nüssen und frischem Gemüse auf einem Holztisch
Malnutrition jenseits des BMI

Mangelernährung bei geriatrischen Diabetespatienten – eine unterschätzte Gefahr

Bis zu 50 % der geriatrischen Patienten sind mangelernährt, rund ein Drittel dehydriert – bei Diabetes eine gefährliche Konstellation. Unveränderte antidiabetische Medikation trifft auf reduzierte Nahrungsaufnahme und treibt das Hypoglykämierisiko in die Höhe. Weite Kleidung, trockene Haut und stehen gelassene Mahlzeiten sind frühe Warnsignale – dann muss auch die Medikation auf den Prüfstand.
Multivitamin-Mineralstoff-Präparate und frisches Obst
Ein nur moderater, aber spürbarer Effekt

Können Multivitamine die funktionelle Gesundheit älterer Erwachsener erhalten?

Nachlassende Belastbarkeit und kardiovaskuläre Beschwerden prägen den Alltag vieler älterer Menschen. Ob eine tägliche Einnahme von Multivitamin-Mineralstoff-Präparaten oder Kakaoextrakt hier gegensteuern kann, stand im Fokus einer Sekundäranalyse der COSMOS-Studie. Das Ergebnis: Multivitaminpräparate verbesserten die Leistungsfähigkeit der Teilnehmenden im Alltag messbar und auch die Symptomlast ging zurück. Der Effekt blieb zwar moderat, war aber spürbar.
Fischölkapseln und Sardinen als Omega-3-Quellen auf Holztisch
Auch viel DHA hilft nicht!

Fischöl gegen Alzheimer? Hochdosiertes DHA erreicht das Gehirn – ein kognitiver Nutzen bleibt aus

Fischölpräparate gelten bei älteren Menschen mit erhöhtem Alzheimerrisiko als beliebtes Mittel zur Vorbeugung – doch schützen sie tatsächlich vor kognitivem Abbau? Ein Forscherteam kommt jetzt zu einem ernüchternden Ergebnis: Hochdosiertes DHA (2 g/Tag) gelangt zwar nachweislich ins Gehirn – und das unabhängig von der genetischen Vorbelastung. Auf Gedächtnisleistung, Hirnstruktur oder kognitive Fähigkeiten hatte es über 2 Jahre hinweg jedoch keinerlei Auswirkung.
Die trabekuläre Knochenstruktur im Hüftgelenk bei Osteoporose.
Notwebduge Sekundärprävention hat Vorrang

Grünes Licht für frühe Osteoporosetherapie nach Fragilitätsfrakturen

Nach einer Fragilitätsfraktur wird die medikamentöse Osteoporosetherapie oft verzögert oder pausiert – aus Sorge vor Heilungsstörungen. Diese Sorge scheint jedoch unbegründet; diesen Schluss lässt eine aktuelle Metaanalyse zu: Bisphosphonate beeinträchtigen demnach weder die Zeit bis zur Knochenheilung noch die Rate an Pseudarthrosen. Teriparatid könnte die Frakturheilung sogar um durchschnittlich 3 Wochen verkürzen. Die Sekundärprävention sollte daher zeitnah eingeleitet oder fortgeführt werden.
Nahaufnahme eines Auges mit digitaler Analyse-Overlay
Gemeinsame biologische Mechanismen

Altersbedingter Sehverlust korreliert mit leicht erhöhtem Krebsrisiko

Augenerkrankung oder Hinweis auf mehr? Menschen mit neovaskulärer altersbedingter Makuladegeneration erkranken etwas häufiger an bestimmten Krebsarten. Eine Ursache könnten gemeinsame biologische Mechanismen beider Erkrankungen sein. Konsequenzen für die Krebsfrüherkennung oder Präventionsstrateg sind aber eher nicht zu erwarten.
Blutdruckmessung
Herz-Hirn-Achse

Nicht Hypertonie, sondern Hypotonie – der unterschätzte Risikofaktor für Alzheimer

Der Zusammenhang zwischen kardiovaskulären Erkrankungen und Morbus Alzheimer gilt als etabliert – doch welche kardiale Diagnose wiegt am schwersten? Eine Auswertung zweier großer Biobanken mit fast 800.000 Teilnehmenden liefert überraschende Erkenntnisse. Nicht Hypertonie oder Myokardinfarkt, sondern die vergleichsweise wenig beachtete Hypotonie zeigt die stärkste und robusteste Assoziation mit der Alzheimer-Demenz.
Senioren und Pflegekräfte sitzen im Kreis und musizieren gemeinsam mit verschiedenen Rhythmusinstrumenten wie Trommeln und Tamburinen in einem hellen Gemeinschaftsraum eines Pflegeheims.
Orientierungshilfe

Pflegeheim-Empfehlungsliste: 3.600 stationäre Einrichtungen im Überblick

FOCUS-Gesundheit veröffentlicht erstmals eine digitale Empfehlungsliste mit 3.600 stationären Pflegeeinrichtungen in Deutschland. Grundlage sind Selbstauskünfte, Prüfberichte des Medizinischen Dienstes und Reputationsdaten – sortierbar nach Postleitzahl. Die Empfehlungsliste bietet eine Orientierung bei der Suche und Auswahl von geeigneten Pflegeheimen und ist die erste Zusammenstellung ihrer Art.
Bewohner im Seniorenpflegeheim Sonnenhof sprechen mit dem Empathie-Roboter „Navel“, von den Bewohnern liebevoll Paul genannt.
Robotik in Pflege

Empathieroboter „Paul“ bringt mit seinen Kulleraugen ein Lächeln ins Pflegeheim

Im Seniorenheim Sonnenhof rezitiert Empathieroboter „Paul" Gedichte, erzählt Witze und aktiviert Bewohner. Sozialroboter wie „Paul" können den Pflegealltag bereichern und Einsamkeit lindern – die Pflegekrise lösen oder menschliche Zuwendung ersetzen werden sie jedoch nicht. Ethische Fragen und hohe Kosten bleiben dabei ebenso Teil der Debatte wie die Gewissheit, dass solche Systeme in einer alternden Gesellschaft langfristig zur Realität werden.
Impfstoffampullen und Spritze auf einem gelben Impfpass – Symbolbild für die Hochdosis-Grippeimpfung bei Senioren.
Weniger Hospitalisierungen bei Senioren

Hochdosis-Grippeimpfstoff schützt Senioren besser vor Klinikeinweisungen

Der Hochdosis-Influenzaimpfstoff enthält die 4-fache Antigenmenge des Standardimpfstoffs – und hält, was er verspricht: Ältere Menschen müssen deutlich seltener wegen laborbestätigter Influenza, Pneumonie oder kardiorespiratorischer Komplikationen ins Krankenhaus. Die Gesamtsterblichkeit ändert sich dadurch allerdings nicht.
Das Wort Leitlinie steht in einer Blase, die von einer Person in Kittel und Stethoskop abgehört wird
Empfehlungen für alle Versorgungsbereiche – einheitlich und evidenzbasiert

GeriPAIN: Neue S3-Leitlinie für das Schmerzmanagement bei geriatrischen Patienten

Chronische Schmerzen im Alter werden häufig übersehen oder unterbehandelt – insbesondere bei kognitiven Beeinträchtigungen. Die neue S3-Leitlinie GeriPAIN gibt erstmals settingübergreifende, evidenzbasierte Empfehlungen zu Screening, Assessment und Therapie bei geriatrischen Patienten. Im Fokus stehen ein hierarchischer Erfassungsprozess mit systematischer Fremdeinschätzung, der Vorrang nicht medikamentöser Interventionen sowie eine besonders vorsichtige Pharmakotherapie nach dem Prinzip „start low, go slow".
Ein älterer Mann liegt nach einem Sturz auf dem Teppichboden und wird von einer Pflegekraft oder Angehörigen an der Hand hochgezogen; im Vordergrund liegt sein Gehstock.
Bröckelnde Evidenz

Kalzium und Vitamin D ohne relevanten Nutzen bei Fraktur- und Sturzprävention

Kalzium- und Vitamin-D-Präparate zählen zu den am häufigsten verordneten Supplementen zur Prävention osteoporotischer Frakturen und Stürze. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse zieht die klinische Relevanz dieser Praxis grundlegend in Zweifel: Weder die Monotherapie noch eine kombinierte Supplementation erreichten die vorab definierten Schwellenwerte für einen klinisch bedeutsamen Nutzen – auch nicht in Hochrisikogruppen.
Eine Frau beugt sich in einem Garten zu einer Pflanze mit rosa Blüten, betrachtet diese aus nächster Nähe und nimmt ihren Duft wahr.
Riechtest als Frühwarnsystem

Schlechter Geruchssinn im Alter kündigt raschen körperlichen Abbau an

Nachlassende Geruchsidentifikation ist bei älteren Menschen weit mehr als eine sensorische Bagatelle: Ein schlechtes Riechvermögen geht mit signifikant geringerer Muskelkraft, Balance und Ganggeschwindigkeit einher – und mit einem messbar schnelleren funktionellen Abbau über 6–7 Jahre. Der einfache Riechtest könnte damit Hinweise auf ein beschleunigtes biologisches Altern liefern.