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Geriatrie

Der Bereich „Geriatrie“ widmet sich der medizinischen Versorgung älterer Patient*innen und berücksichtigt die komplexen Wechselwirkungen zwischen Multimorbidität, funktionellen Einschränkungen und psychosozialen Faktoren. Im Fokus stehen häufige geriatrische Syndrome wie Frailty, Sturzgefährdung, kognitive Beeinträchtigungen und Polypharmazie, die Diagnostik und Therapie maßgeblich beeinflussen.
Ziel ist eine ganzheitliche, individualisierte Versorgung, die neben der Behandlung akuter und chronischer Erkrankungen auch den Erhalt von Selbstständigkeit und Lebensqualität in den Mittelpunkt stellt. Die Inhalte unterstützten dabei, geriatrische Assessments, interdisziplinäre Therapieansätze und aktuelle evidenzbasierte Empfehlungen sicher in die klinische Praxis zu integrieren.

Neuste Artikel

Nahaufnahme eines Auges mit digitaler Analyse-Overlay
Gemeinsame biologische Mechanismen

Altersbedingter Sehverlust korreliert mit leicht erhöhtem Krebsrisiko

Augenerkrankung oder Hinweis auf mehr? Menschen mit neovaskulärer altersbedingter Makuladegeneration erkranken etwas häufiger an bestimmten Krebsarten. Eine Ursache könnten gemeinsame biologische Mechanismen beider Erkrankungen sein. Konsequenzen für die Krebsfrüherkennung oder Präventionsstrateg sind aber eher nicht zu erwarten.
Blutdruckmessung
Herz-Hirn-Achse

Nicht Hypertonie, sondern Hypotonie – der unterschätzte Risikofaktor für Alzheimer

Der Zusammenhang zwischen kardiovaskulären Erkrankungen und Morbus Alzheimer gilt als etabliert – doch welche kardiale Diagnose wiegt am schwersten? Eine Auswertung zweier großer Biobanken mit fast 800.000 Teilnehmenden liefert überraschende Erkenntnisse. Nicht Hypertonie oder Myokardinfarkt, sondern die vergleichsweise wenig beachtete Hypotonie zeigt die stärkste und robusteste Assoziation mit der Alzheimer-Demenz.
Senioren und Pflegekräfte sitzen im Kreis und musizieren gemeinsam mit verschiedenen Rhythmusinstrumenten wie Trommeln und Tamburinen in einem hellen Gemeinschaftsraum eines Pflegeheims.
Orientierungshilfe

Pflegeheim-Empfehlungsliste: 3.600 stationäre Einrichtungen im Überblick

FOCUS-Gesundheit veröffentlicht erstmals eine digitale Empfehlungsliste mit 3.600 stationären Pflegeeinrichtungen in Deutschland. Grundlage sind Selbstauskünfte, Prüfberichte des Medizinischen Dienstes und Reputationsdaten – sortierbar nach Postleitzahl. Die Empfehlungsliste bietet eine Orientierung bei der Suche und Auswahl von geeigneten Pflegeheimen und ist die erste Zusammenstellung ihrer Art.
Bewohner im Seniorenpflegeheim Sonnenhof sprechen mit dem Empathie-Roboter „Navel“, von den Bewohnern liebevoll Paul genannt.
Robotik in Pflege

Empathieroboter „Paul“ bringt mit seinen Kulleraugen ein Lächeln ins Pflegeheim

Im Seniorenheim Sonnenhof rezitiert Empathieroboter „Paul" Gedichte, erzählt Witze und aktiviert Bewohner. Sozialroboter wie „Paul" können den Pflegealltag bereichern und Einsamkeit lindern – die Pflegekrise lösen oder menschliche Zuwendung ersetzen werden sie jedoch nicht. Ethische Fragen und hohe Kosten bleiben dabei ebenso Teil der Debatte wie die Gewissheit, dass solche Systeme in einer alternden Gesellschaft langfristig zur Realität werden.
Impfstoffampullen und Spritze auf einem gelben Impfpass – Symbolbild für die Hochdosis-Grippeimpfung bei Senioren.
Weniger Hospitalisierungen bei Senioren

Hochdosis-Grippeimpfstoff schützt Senioren besser vor Klinikeinweisungen

Der Hochdosis-Influenzaimpfstoff enthält die 4-fache Antigenmenge des Standardimpfstoffs – und hält, was er verspricht: Ältere Menschen müssen deutlich seltener wegen laborbestätigter Influenza, Pneumonie oder kardiorespiratorischer Komplikationen ins Krankenhaus. Die Gesamtsterblichkeit ändert sich dadurch allerdings nicht.
Das Wort Leitlinie steht in einer Blase, die von einer Person in Kittel und Stethoskop abgehört wird
Empfehlungen für alle Versorgungsbereiche – einheitlich und evidenzbasiert

GeriPAIN: Neue S3-Leitlinie für das Schmerzmanagement bei geriatrischen Patienten

Chronische Schmerzen im Alter werden häufig übersehen oder unterbehandelt – insbesondere bei kognitiven Beeinträchtigungen. Die neue S3-Leitlinie GeriPAIN gibt erstmals settingübergreifende, evidenzbasierte Empfehlungen zu Screening, Assessment und Therapie bei geriatrischen Patienten. Im Fokus stehen ein hierarchischer Erfassungsprozess mit systematischer Fremdeinschätzung, der Vorrang nicht medikamentöser Interventionen sowie eine besonders vorsichtige Pharmakotherapie nach dem Prinzip „start low, go slow".
Ein älterer Mann liegt nach einem Sturz auf dem Teppichboden und wird von einer Pflegekraft oder Angehörigen an der Hand hochgezogen; im Vordergrund liegt sein Gehstock.
Bröckelnde Evidenz

Kalzium und Vitamin D ohne relevanten Nutzen bei Fraktur- und Sturzprävention

Kalzium- und Vitamin-D-Präparate zählen zu den am häufigsten verordneten Supplementen zur Prävention osteoporotischer Frakturen und Stürze. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse zieht die klinische Relevanz dieser Praxis grundlegend in Zweifel: Weder die Monotherapie noch eine kombinierte Supplementation erreichten die vorab definierten Schwellenwerte für einen klinisch bedeutsamen Nutzen – auch nicht in Hochrisikogruppen.
Eine Frau beugt sich in einem Garten zu einer Pflanze mit rosa Blüten, betrachtet diese aus nächster Nähe und nimmt ihren Duft wahr.
Riechtest als Frühwarnsystem

Schlechter Geruchssinn im Alter kündigt raschen körperlichen Abbau an

Nachlassende Geruchsidentifikation ist bei älteren Menschen weit mehr als eine sensorische Bagatelle: Ein schlechtes Riechvermögen geht mit signifikant geringerer Muskelkraft, Balance und Ganggeschwindigkeit einher – und mit einem messbar schnelleren funktionellen Abbau über 6–7 Jahre. Der einfache Riechtest könnte damit Hinweise auf ein beschleunigtes biologisches Altern liefern.
Mikroflora im Darm beeinflusst Integrität der Darmschleimhaut
Neue Hypothese zur Dysbiose

Alterndes Immunsystem verliert Kontrolle über das Darmmikrobiom

Im Alter kippt das Darmmikrobiom aus dem Gleichgewicht – mit Folgen für Stoffwechsel, Frailty und Mortalität. Ein Forschungsteam aus Jena liefert dafür eine neue Erklärung: Nicht die Mikroben selbst treiben die Dysbiose, sondern eine nachlassende Immunüberwachung. Verliert das alternde Immunsystem seine Fähigkeit, dominante Taxa gezielt einzudämmen, expandieren opportunistische Spezies und die mikrobielle Vielfalt bricht zusammen. Der Ansatz legt nahe, dass Probiotika und fäkale Mikrobiotatransplantationen bei älteren Menschen nur dann wirksam sein können, wenn gleichzeitig die mukosale Immunüberwachung gestärkt wird.
Nahaufnahme der Hände einer älteren Frau, die verschiedene Tablettenblister hält
GLP-1-RA als Chance zur Reduktion der Medikationslast?

Adipositas erklärt bis zu 25% der Polypharmazie bei Senioren

Ältere Menschen mit Adipositas nehmen nicht selten 5 oder mehr Medikamente gleichzeitig ein – doch wie groß ist der Anteil der Polypharmazie, der tatsächlich auf die Adipositas zurückgeht? Eine neue NHANES-Analyse liefert erstmals belastbare Zahlen. Und sie macht deutlich: GLP-1-Rezeptoragonisten könnten die Medikationslast im Alter zwar spürbar senken – die Mehrheit der Polypharmazie-Fälle werden sie aber nicht auflösen.
Ältere Frau hält verzweifelt den Kopf, umgeben von symbolischen Gedankenwirren
Rehospitalisierungen ändern wenig

Postoperatives Delir – Brandbeschleuniger für den kognitiven Abbau

Wer nach einer Operation ein Delir durchmacht, baut geistig schneller ab – das ist bekannt. Bislang galt das Delir vielen aber eher als Warnsignal für ohnehin kranke, gebrechliche Patienten, deren kognitiver Abbau vor allem durch wiederholte Klinikaufenthalte vorangetrieben wird. Eine prospektive Kohortenstudie über 5 Jahre räumt mit dieser Annahme auf: Das Delir selbst hinterlässt offenbar dauerhafte Spuren im Gehirn – unabhängig davon, wie oft die Betroffenen anschließend wieder ins Krankenhaus müssen.
Rotes Warnschild mit Ausrufezeichen und Aufschrift „Hitzewelle" vor blauem Himmel.
Sicher durch die Hitze

CALOR-Liste: Praxishilfe für hitzesensible Medikationsanpassung

Hitzewellen werden häufiger – und viele Dauermedikamente erhöhen bei hohen Temperaturen das Risiko für Dehydratation, Elektrolytstörungen oder Nierenversagen. Die neue CALOR-Liste aus dem Projekt ADAPT-HEAT bündelt evidenzbasierte und konsentierte Hinweise zu 27 hitzerelevanten Wirkstoffklassen. Sie unterstützt Praxisteams dabei, Risikopatienten frühzeitig zu identifizieren, Beratung zu strukturieren und Monitoring gezielt anzupassen – ohne die Grundtherapie zu gefährden.