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Geriatrie

Der Bereich „Geriatrie“ widmet sich der medizinischen Versorgung älterer Patient*innen und berücksichtigt die komplexen Wechselwirkungen zwischen Multimorbidität, funktionellen Einschränkungen und psychosozialen Faktoren. Im Fokus stehen häufige geriatrische Syndrome wie Frailty, Sturzgefährdung, kognitive Beeinträchtigungen und Polypharmazie, die Diagnostik und Therapie maßgeblich beeinflussen.
Ziel ist eine ganzheitliche, individualisierte Versorgung, die neben der Behandlung akuter und chronischer Erkrankungen auch den Erhalt von Selbstständigkeit und Lebensqualität in den Mittelpunkt stellt. Die Inhalte unterstützten dabei, geriatrische Assessments, interdisziplinäre Therapieansätze und aktuelle evidenzbasierte Empfehlungen sicher in die klinische Praxis zu integrieren.

Neuste Artikel

Stilisierte Silhouetten mehrerer Köpfe im Profil, übereinandergelegt in verschiedenen Farben, der vorderste Kopf ist mit bunten Puzzleteilen gefüllt
Hirnalterung neu gedacht

Brain Frailty: Warum manche Gehirne schneller altern als andere

Brain Frailty verändert den Blick auf das alternde Gehirn: Statt isolierter Befunde rücken Gefäßschäden, Mikroblutungen und neurodegenerative Veränderungen als Zusammenspiel in den Fokus. Moderne MRT-Verfahren machen dieses Gesamtbild heute so präzise sichtbar wie nie zuvor – und eröffnen damit neue Möglichkeiten für eine frühere Risikoerkennung, gezieltere Prävention und eine Versorgung, die älteren Menschen länger Selbstständigkeit erhält.
Zielscheibe mit Pfeilen und Schriftzug „Diabetes"
Fast jeder zweite Senior potenziell übertherapiert

HbA1c-Ziele bei älteren Menschen mit Typ-2-Diabetes werden häufig verfehlt oder ignoriert

Bei älteren Menschen mit Typ-2-Diabetes empfiehlt die American Diabetes Association individualisierte HbA1c-Ziele je nach Gesundheitszustand. In der Praxis wird davon jedoch selten Gebrauch gemacht: Sowohl Intensivierungen bei entgleistem HbA1c als auch Deintensivierungen bei zu niedrigen Werten bleiben US-amerikanischen Registerdaten zufolge die Ausnahme. Besonders brisant: Fast die Hälfte der Patienten mit schlechtem Gesundheitszustand und unterschrittenem Zielwert erhält weiterhin Sulfonylharnstoffe oder Insulin.
Ein älterer Mann sictz vor einem Puzzle - ein Kopf in dem noch einige Puzzlestücke fehelen
Hyperglykämie hinterlässt Spuren

Typ-2-Diabetes beschleunigt regionale Hirnatrophie – unabhängig von Alzheimer-Pathologie

Bei kognitiv unauffälligen älteren Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes schreitet die kortikale Ausdünnung in frontalen, parietalen und okzipitalen Regionen deutlich schneller voran als bei Nicht-Diabetikern – und zwar unabhängig von Amyloid, Tau, White-Matter-Hyperintensities und APOE-ε4-Status. Höhere HbA1c-Werte sagen die Atrophie voraus, selbst unterhalb der diabetischen Schwelle. Die regionale Neurodegeneration erklärt zudem einen relevanten Teil des beschleunigten Verlusts an Verarbeitungsgeschwindigkeit.
Eine ältere Patientin liegt im Krankenhausbett, ein Arzt und eine Pflegekraft stehen daneben und besprechen Befunde auf einem Klemmbrett.
Muskelabbau, Delir, Sturzgefahr

So bleiben ältere Patienten trotz krankenhausassoziierter Dekonditionierung selbstständig

Bereits nach einer Woche im Krankenhaus verlieren gebrechliche ältere Patienten spürbar Kraft und geistige Leistungsfähigkeit. Bewegung, gezielte Ernährung und kognitive Aktivierung sind zentrale Bausteine, um diesem gefährlichen Abbau wirksam entgegenzuwirken – und die Selbstständigkeit älterer Menschen zu erhalten.
Ältere Frau misst mit einem digitalen Handgelenk-Blutdruckmessgerät ihren Blutdruck.
Kein Freibrief zum pauschalen Absetzen

Weniger Blutdrucksenker, gleiche Sicherheit, mehr Lebensqualität für gebrechliche Hochbetagte?

Blutdrucksenker bei gebrechlichen Hochbetagten: Eine große französische Studie im New England Journal of Medicine belegt, dass eine kontrollierte Reduktion der Antihypertensiva weder Sterblichkeit noch kardiovaskuläre Komplikationen erhöht. Geriater Athanase Benetos plädiert für einen Paradigmenwechsel weg von starren Zielwerten hin zu individueller Therapieanpassung.
Schwarz-weiß Fotos aus einem Fotoalbum in den Händen einer alten Frau
Neue Erkenntnisse aus der Demenz-Forschung

Alzheimer – eine Frage der Hormone?

Wo geht es nochmal zum Supermarkt? Wo liegt der Hausschlüssel? Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis, Orientierungsschwierigkeiten und Wortfindungsschwierigkeiten. Was zunächst ganz harmlos klingt, kann ein erster Hinweis auf Alzheimer sein. Und während die Betroffenen ihren Alltag zu Beginn meist noch weitestgehend selbstständig meistern können, brauchen sie im weiteren Verlauf mehr und mehr Unterstützung.
Arzt untersucht Hand einer älteren Patientin.
Alterserkrankungen im Wandel

Herzinfarkt seltener, Krebs häufiger: Medizinischer Fortschritt verschiebt Krankheitslast

Herzinfarkt, Schlaganfall und Hüftfraktur werden seltener, Krebsdiagnosen dagegen häufiger – und immer mehr Patienten überleben schwere Erkrankungen deutlich länger. Eine neue Auswertung schwedischer Registerdaten des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung und des Karolinska-Instituts zeigt, wie Prävention und bessere Therapien die Krankheitslast im Alter grundlegend verändern.
Eine pflegebedürftige Seniorin sitzt auf ihrem Bett, aufgenommen beim Besuch einer ambulanten Pflegekraft in der Wohnung der Patientin.
Rekordsommer mit tödlichen Folgen

Traurige Höchstmarke: RKI schätzt 14.000 Hitzetote bis Anfang August

Das RKI legt neue Schätzungen zur Übersterblichkeit im Sommer vor: Rund 14.000 hitzebedingte Todesfälle bis Anfang August – mit Spitzenwerten im Saarland und in Rheinland-Pfalz. Besonders Hochbetagte ab 85 Jahren tragen die Hauptlast, die Hitzewelle Ende Juni forderte allein in einer Woche fast 10.000 Tote.
Auswahl eiweißreicher Lebensmittel mit rohem Fleisch, Fisch, Käse, Eiern, Hülsenfrüchten, Nüssen und frischem Gemüse auf einem Holztisch
Malnutrition jenseits des BMI

Mangelernährung bei geriatrischen Diabetespatienten – eine unterschätzte Gefahr

Bis zu 50 % der geriatrischen Patienten sind mangelernährt, rund ein Drittel dehydriert – bei Diabetes eine gefährliche Konstellation. Unveränderte antidiabetische Medikation trifft auf reduzierte Nahrungsaufnahme und treibt das Hypoglykämierisiko in die Höhe. Weite Kleidung, trockene Haut und stehen gelassene Mahlzeiten sind frühe Warnsignale – dann muss auch die Medikation auf den Prüfstand.
Multivitamin-Mineralstoff-Präparate und frisches Obst
Ein nur moderater, aber spürbarer Effekt

Können Multivitamine die funktionelle Gesundheit älterer Erwachsener erhalten?

Nachlassende Belastbarkeit und kardiovaskuläre Beschwerden prägen den Alltag vieler älterer Menschen. Ob eine tägliche Einnahme von Multivitamin-Mineralstoff-Präparaten oder Kakaoextrakt hier gegensteuern kann, stand im Fokus einer Sekundäranalyse der COSMOS-Studie. Das Ergebnis: Multivitaminpräparate verbesserten die Leistungsfähigkeit der Teilnehmenden im Alltag messbar und auch die Symptomlast ging zurück. Der Effekt blieb zwar moderat, war aber spürbar.
Fischölkapseln und Sardinen als Omega-3-Quellen auf Holztisch
Auch viel DHA hilft nicht!

Fischöl gegen Alzheimer? Hochdosiertes DHA erreicht das Gehirn – ein kognitiver Nutzen bleibt aus

Fischölpräparate gelten bei älteren Menschen mit erhöhtem Alzheimerrisiko als beliebtes Mittel zur Vorbeugung – doch schützen sie tatsächlich vor kognitivem Abbau? Ein Forscherteam kommt jetzt zu einem ernüchternden Ergebnis: Hochdosiertes DHA (2 g/Tag) gelangt zwar nachweislich ins Gehirn – und das unabhängig von der genetischen Vorbelastung. Auf Gedächtnisleistung, Hirnstruktur oder kognitive Fähigkeiten hatte es über 2 Jahre hinweg jedoch keinerlei Auswirkung.
Die trabekuläre Knochenstruktur im Hüftgelenk bei Osteoporose.
Notwebduge Sekundärprävention hat Vorrang

Grünes Licht für frühe Osteoporosetherapie nach Fragilitätsfrakturen

Nach einer Fragilitätsfraktur wird die medikamentöse Osteoporosetherapie oft verzögert oder pausiert – aus Sorge vor Heilungsstörungen. Diese Sorge scheint jedoch unbegründet; diesen Schluss lässt eine aktuelle Metaanalyse zu: Bisphosphonate beeinträchtigen demnach weder die Zeit bis zur Knochenheilung noch die Rate an Pseudarthrosen. Teriparatid könnte die Frakturheilung sogar um durchschnittlich 3 Wochen verkürzen. Die Sekundärprävention sollte daher zeitnah eingeleitet oder fortgeführt werden.