Brain Frailty verändert den Blick auf das alternde Gehirn: Statt isolierter Befunde rücken Gefäßschäden, Mikroblutungen und neurodegenerative Veränderungen als Zusammenspiel in den Fokus. Moderne MRT-Verfahren machen dieses Gesamtbild heute so präzise sichtbar wie nie zuvor – und eröffnen damit neue Möglichkeiten für eine frühere Risikoerkennung, gezieltere Prävention und eine Versorgung, die älteren Menschen länger Selbstständigkeit erhält.
Brain Frailty: Warum manche Gehirne schneller altern als andere
Warum verlieren manche ältere Menschen ihre Selbstständigkeit schneller als andere? Prof. Joanna Wardlaw aus Edinburgh gehört zu den Wissenschaftlerinnen, die diesem Rätsel seit Jahrzehnten auf den Grund gehen. Die schottische Neuroradiologin zählt zu den international führenden Expertinnen für Hirnalterung. Sie erforscht, wie verschiedene Veränderungen im Gehirn zusammenwirken – etwa Gefäßschäden, Mikroblutungen, Hirnatrophie und neurodegenerative Prozesse – und wie dieses Zusammenspiel Kognition, Mobilität und Selbstständigkeit im Alter beeinflusst. Wardlaw sucht die Antwort nicht in einzelnen Befunden, sondern im Gesamtbild. Für diesen neuen Blick auf das alternde Gehirn hat sich ein Begriff etabliert: Brain Frailty.
„Lange haben wir einzelne Veränderungen im Gehirn getrennt betrachtet. Heute wissen wir: Das Gehirn altert nicht in Einzelteilen. Erst wenn wir die verschiedenen Veränderungen gemeinsam betrachten, entsteht das Gesamtbild, das wir für gute klinische Entscheidungen brauchen.“
Prof. Dr. Joanna Wardlaw, Edinburgh (UK) – Direktorin des Row Fogo Centre for Research into Ageing and the Brain und der Edinburgh Imaging Research Facilities an der University of Edinburgh
Erst die Vernetzung der Befunde liefert Antworten
Moderne Bildgebung macht Veränderungen im Gehirn und in Blutgefäßen heute so gut sichtbar wie nie zuvor. Spezielle, sehr sensitive MRT-Verfahren etwa ermöglichen, Verbindungsstörungen zwischen bestimmten Gehirnregionen, Störungen des Flüssigkeitsflusses durch das Gehirn und des Abtransports von Abfallstoffen genau darzustellen. Doch einzelne Befunde erzählen oft nur einen Teil der Geschichte. Erst wenn unterschiedliche Hinweise zusammengeführt werden, entsteht ein Gesamtbild, das Risiken besser und früher einschätzen und individuelle Krankheitsverläufe besser verstehen lässt. Das wiederum ermöglicht eine gezieltere Prävention und Versorgung.
„Jede einzelne Veränderung liefert einen wichtigen Hinweis. Wirklich verstehen können wir das alternde Gehirn aber erst, wenn wir diese Hinweise zusammenführen.“
Prof. Dr. Joanna Wardlaw, Edinburgh (UK)
Früh erkennen, länger selbstständig bleiben
Für Wardlaw geht es dabei nicht darum, immer mehr Informationen aus computertomografischen (CT) oder magnetresonanztomografischen (MRT) Aufnahmen zu gewinnen. Entscheidend ist, welchen Nutzen dieses Wissen für Menschen hat. In klinischen Studien wird dieses Wissen zudem genutzt, um Patienten aktiv zu behandeln und Zustandsverschlechterungen zu verhindern.
„Unser Ziel ist nicht, möglichst viele Veränderungen zu entdecken. Unser Ziel ist, das Gesamtbild früh genug zu erkennen, damit Menschen möglichst lange selbstständig leben können.“
Prof. Dr. Joanna Wardlaw, Edinburgh (UK)
Keynote Lecture
Donnerstag, 24. September 2026, 14.30 Uhr
„Brain Frailty – Warning Signs, Impact and Management“
Prof. Dr. Joanna Wardlaw
Gemeinsamer Jahreskongress von DGG und DGGG | Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt a. M. | Campus Westend | Hörsaal 3 | www.gerontologie-geriatrie-kongress.org