Startseite Alle Beiträge Innere Medizin Frühe Statintherapie bei Typ-2-Diabetes senkt Demenzrisiko
Frühe Therapie zahlt sich aus

Frühe Statintherapie bei Typ-2-Diabetes senkt Demenzrisiko

|von Stephanie Schikora

Bei Menschen mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes war der frühe Beginn einer Statintherapie in einer landesweiten dänischen Kohortenstudie mit 132.585 statin-naiven Patienten mit einem um 15% geringeren relativen Demenzrisiko über 10 Jahre assoziiert – deutlich stärker ausgeprägt als bei verzögertem Therapiebeginn. Besonders vaskulär bedingte Demenzen wurden seltener beobachtet. Die auf dem ESC Congress 2026 vorgestellten Daten liefern ein weiteres Argument gegen die verbreitete Therapieträgheit beim LDL-Cholesterin-Management.

Eine frühzeitige Statintherapie zur Reduktion erhöhter LDL-Cholesterinwerte bei Menschen mit Typ-2-Diabetes kann nicht nur Herz und Gefäße, sondern möglicherweise auch die kognitive Funktion schützen. (© Kirsten Oborny/Thieme)

Frühe Statintherapie nach Typ-2-Diabetes-Diagnose war in einer dänischen Registerstudie mit einem geringeren Demenzrisiko assoziiert. (© K. Oborny/Thieme)

Jetzt kostenlos registrieren bzw. einloggen und den gesamten Artikel freischalten.

Typ-2-Diabetes und Demenz – 2 der größten Volkskrankheiten unserer Zeit sind eng miteinander verknüpft. Denn Diabetes mellitus ist nicht nur ein kardiovaskulärer Risikofaktor, sondern auch ein eigenständiger Risikofaktor für den kognitiven Abbau. Mit der alternden Bevölkerung wächst die Brisanz dieser Assoziation: Schätzungen zufolge steigt die Zahl der Demenzerkrankungen weltweit von 57 Millionen Betroffenen im Jahr 2019 auf 153 Millionen im Jahr 2050 [1]. Eine kurative Therapie existiert bislang bekanntermaßen nicht, weshalb der Fokus zunehmend auf die Modifikation von Risikofaktoren rückt.

Die Lancet Commission 2024 identifizierte 14 modifizierbare Risikofaktoren, die zusammen fast die Hälfte aller Demenzfälle verhindern oder verzögern könnten – darunter erstmals auch erhöhtes LDL-Cholesterin (Low-Density Lipoprotein). Naheliegend also, zu fragen: Könnten Statine – ohnehin bei Typ-2-Diabetes zur kardiovaskulären Risikoreduktion empfohlen – auch vor Demenz schützen? Genau dieser Frage ging eine landesweite dänische Kohortenstudie nach, deren Ergebnisse auf dem ESC Congress 2026 in München vorgestellt wurden (ESC: European Society of Cardiology) [1].

Drei Therapiestrategien im direkten Vergleich

Für die Analyse griffen Dr. Tummas Ternhamar, Herlev (Dänemark), und seine Ko-Autoren auf nationale dänische Register zurück und identifizierten so 132.585 Personen über 40 Jahre, die bislang keine Statine eingenommen hatten und zwischen 2006 und 2019 neu an Typ-2-Diabetes erkrankt waren. Beobachtet wurden sie bis Ende 2021.

Um trotz des Registerdesigns möglichst belastbare Aussagen treffen zu können, nutzten die Forscher ein spezielles statistisches Verfahren – das sogenannte Clone-Censor-Weighting-Design –, das typische Fehlerquellen bei Beobachtungsstudien reduziert. Im Kern verglichen sie 3 Gruppen:

  • Patienten, die innerhalb von 5 Jahren nach der Diabetesdiagnose keine Statine erhielten (Kontrollgruppe),
  • Patienten, bei denen erst 1–5 Jahre nach der Diagnose eine Statintherapie initiiert wurde (späte Therapie) sowie
  • Patienten, die bereits im 1. Jahr nach der Diagnose mit Statinen starteten (frühe Therapie).

Im Beobachtungszeitraum von median 7,1 Jahren entwickelten 2,7% der Studienteilnehmer – ein kleiner, aber klinisch relevanter Anteil – eine Demenz: Am häufigsten waren Demenzen unklarer oder gemischter Genese, seltener wurden vaskulär bedingte oder Alzheimer-Demenzen beobachtet.

Artikel kostenlos freischalten und weiterlesen

Erhalten Sie unbeschränkten Zugang zu exklusiven Artikeln auf Thieme Praxis. Registrieren Sie sich jetzt kostenlos mit wenigen Klicks – oder nutzen Sie Ihren bestehenden Thieme Account.


Mehr zum Thema