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Architekt von Erinnerungen

Gedächtnis im Umbruch: Der Hippocampus altert früher als gedacht

|von Stephanie Schikora

Gedächtnisfehler wie das Verwechseln von Gesichtern oder Orten gelten als typisches Phänomen des Alters – doch neurofunktionelle Daten lassen einen deutlich früheren Wendepunkt wahrscheinlich erscheinen: Bereits in der Lebensmitte verändert sich, wie der Hippocampus Erinnerungen reaktiviert. Bei jüngeren Erwachsenen läuft dieser Prozess präzise und zielgerichtet ab. Bei Älteren kehrt sich das Bild um: Je aktiver das Gehirn eine Erinnerung abruft, desto häufiger landet es beim falschen Kontext – ein typischer Verwechslungsfehler, bei denen beispielsweise Personen, Orte oder Situationen vertraut erscheinen, aber dem falschen Kontext zugeordnet werden.

Stilisiertes menschliches Gehirn aus grünen Ginkgoblättern
Der Hippocampus reaktiviert Erinnerungen bereits in der Lebensmitte weniger präzise – aus selektivem Wiedererkennen wird zunehmend ein diffuses „irgendwoher bekannt". (© freshidea/stock.adobe.com)

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Gedächtnisaussetzer wie das Vergessen eines Namens oder das Erkennen eines Gesichts ohne zu wissen, woher man es kennt, gelten gemeinhin als Phänomene des höheren Alters. Doch neue Forschungsergebnisse legen nahe, dass die entscheidende Verschiebung früher einsetzt – möglicherweise bereits in der Lebensmitte.

Wichtig dabei ist das episodische Gedächtnis, das einzelne Elemente einer Erfahrung – etwa ein Gesicht und einen Ort – zu einer zusammenhängenden Erinnerung verknüpft. Dieser Prozess hängt maßgeblich vom Hippocampus ab. Und genau diese Fähigkeit, Dinge sinnvoll miteinander zu verbinden, scheint im Alter als Erstes zu leiden. Zugleich bietet das Altern eine natürliche Möglichkeit, die zugrundeliegenden Mechanismen zu untersuchen: Mit zunehmendem Alter verändern sich hippocampale Strukturen und neuronale Repräsentationen werden weniger distinkt – Prozesse, die assoziative Gedächtnisleistungen direkt beeinflussen.

Klinisch zeigt sich das nicht nur als schlichtes Vergessen. Charakteristisch sind vielmehr Verwechslungsfehler: Ein Gesicht wirkt vertraut, doch der Kontext bleibt falsch – man meint, jemanden aus der Arbeit zu kennen, obwohl man ihn aus dem Sportverein kennt. Woher diese Fehler stammen, war bislang offen. Beruhen sie auf einer instabilen Gedächtnisspur, die beim Lernen, in der Konsolidierung oder beim Erinnern entsteht? Und ab wann im Leben beginnt das überhaupt?

Lebensmitte als bislang unterschätzter Wendepunkt

Ein Team der Binghamton University nahm 61 gesunde Erwachsene zwischen 20 und 74 Jahren unter die Lupe – aufgeteilt in 3 Altersgruppen: 17 jüngere (18–30 Jahre), 21 mittelalte (50–60 Jahre) und 23 ältere Teilnehmende (61–74 Jahre). Alle absolvierten eine Gedächtnisaufgabe, bei der sie Gesichter mit Objekten oder Szenen verknüpfen mussten. Anschließend folgte eine kurze Ruhepause von 5 Minuten, bevor die Erinnerungsleistung abgerufen wurde – alles unter Beobachtung per Hirnscanner (fMRT; funktionelle Magnetresonanztomografie).

Dabei interessierten die Forschenden vor allem, wie ähnlich die Aktivierungsmuster im Hippocampus beim Lernen, in der Ruhephase und beim späteren Erinnern waren. Je ähnlicher diese Muster, desto stabiler die Gedächtnisspur. Ausgewertet wurden zudem, wie oft die Teilnehmenden eine Assoziation korrekt abriefen, wie häufig sie etwas schlicht vergaßen – und wie oft sie Kontexte verwechselten, also etwa das richtige Gesicht dem falschen Ort zuordneten.

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