Wer mindestens einen Elternteil hat, der 100 Jahre alt geworden ist, erkrankt später und seltener an Bluthochdruck und kardiovaskulären Erkrankungen – und lebt länger. Der Schutzeffekt hält auch stand, wenn man Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Alkohol, Bewegung und Ernährung herausrechnet. Beim Krebsrisiko hingegen fanden sich keine Vorteile.
Wer 100-jährige Eltern hat, lebt länger und herzgesünder
Wer mit seinen Vater oder seiner Mutter zu ihrem 100. Geburtstag anstoßen kann, hat statistisch gute Karten für ein langes, gesundes Leben: Nachkommen von Zentenariern sterben im Schnitt gut 3 Jahre später als Menschen ohne solche familiäre Vorbelastung – und ein Bluthochdruck entwickelt sich bei ihnen sogar mehr als 5 Jahre später. Das ist das Ergebnis einer Meta-Analyse dreier großer Langzeitkohorten – der LonGenity-Studie, der New England Centenarian Study und der UK Biobank –, die ein US-amerikanisches Forscherteam ausgewertet hat..
Ein Familienerbe, das ans Herz geht
Besonders ausgeprägt war der Schutzeffekt bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck, was sich in allen 3 Kohorten bestätigte: Nachkommen von Hundertjährigen hatten ein um rund 40% niedrigeres Sterberisiko, ein um ein Drittel geringeres Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und erkrankten gut 30% seltener an Bluthochdruck. Weniger eindeutig war das Bild beim Schlaganfall. In der LonGenity-Studie und in der New England Centenarian Study erkrankten Zentenariernachkommen deutlich seltener daran – in der UK Biobank war dieser Vorteil jedoch nicht nachweisbar.
Selbst nach Berücksichtigung von Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Alkohol, Bewegung und Ernährung blieben die Ergebnisse stabil. Das passt zu einem bekannten Befund aus früheren LonGenity-Auswertungen: Zentenariernachkommen rauchen, trinken und kämpfen ähnlich oft mit Übergewicht wie der Durchschnitt – und sind dennoch besser vor Herzerkrankungen geschützt.
Bei Krebs endet der familiäre Vorteil
Anders sieht es beim Krebs aus: In keiner der 3 Kohorten fanden die Autoren einen Hinweis auf eine Risikoreduktion. Warum der Schutzeffekt hier ausbleibt, ist unklar. Die Forscher haben dafür mehrere Erklärungsansätze: Vielleicht bekommen Zentenariernachkommen genauso oft Krebs wie andere – sterben aber seltener daran. Oder der Effekt ist ein statistisches Artefakt: Wer fitter ist, geht häufiger zur Vorsorge – und dabei werden öfter langsam wachsende, harmlose Tumoren entdeckt, die sonst unbemerkt geblieben wären. Eine dritte Möglichkeit: Krebs hängt schlicht zu stark vom Zufall ab, als dass familiäre Langlebigkeit hier nennenswert ins Gewicht fallen könnte.
Warum die Frage überhaupt gestellt wurde
Dass Zentenarier selbst besonders gesund altern – mit Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck oder Demenz, die oft erst Jahrzehnte später auftreten als bei anderen –, ist wissenschaftlich gut dokumentiert. Offen blieb bislang die Frage: Profitieren auch die Kinder? Zwillings- und Geschwisterstudien deuten darauf hin, dass rund die Hälfte der individuellen Lebensspanne vererbt wird. Doch bisherige Studien dazu waren meist auf eine einzige Bevölkerungsgruppe beschränkt und lieferten nur Momentaufnahmen. Die neue Arbeit geht einen Schritt weiter: Erstmals wurden 3 unabhängige Langzeitkohorten gemeinsam ausgewertet, um belastbarere Antworten zu bekommen.
Die Studienautoren werteten Daten aus 3 großen Langzeitkohorten aus: der LonGenity-Studie (aschkenasisch-jüdische Teilnehmer aus dem Großraum New York, 2008–2024), der New England Centenarian Study (NECS, 1995–2024, USA-weit) und der UK Biobank (2006–2022, Großbritannien). Wer eingeschlossen wurde, hing von einer zentralen Frage ab: Hat mindestens ein Elternteil das 100. Lebensjahr erreicht? Wenn ja, zählte man zur Gruppe der Zentenariernachkommen. Die Vergleichspersonen hatten Eltern, die deutlich früher starben – in der Regel mit höchstens 85 Jahren. In der NECS lag die Grenze sogar bei 73 Jahren, was der damaligen durchschnittlichen Lebenserwartung der Geburtsjahrgänge 1900–1910 entsprach.
Insgesamt flossen Daten von mehr als 4.000 Personen in die Analyse ein:
- LonGenity: 480 Teilnehmer (245 Zentenariernachkommen, 235 Kontrollen); medianes Alter: 74 Jahre, 55 % Frauen
- NECS: 1.566 Teilnehmer (1.082 Nachkommen, 484 Kontrollen); medianes Alter: 71 Jahre, 59 % Frauen
- UK Biobank: 1.984 Teilnehmer (992 Nachkommen, 992 Kontrollen); medianes Alter: 65 Jahre, 51 % Frauen
Untersucht wurde, wer im Laufe der Zeit starb oder erstmals an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Schlaganfall oder Krebs erkrankte – harmlose Hauttumoren (Non-Melanom-Hautkrebs) ausgeklammert. Um sicherzustellen, dass nicht Lebensstil oder soziales Umfeld die Ergebnisse verfälschen, rechneten die Forscher Faktoren wie Rauchen, Alkohol, Bewegung, Ernährung, Bildung und sozioökonomischen Status heraus.
Fazit: Herz profitiert, Krebs bleibt Zufall
Familiäre Langlebigkeit schützt – das zeigt sich über alle 3 Kohorten hinweg: Wer langlebige Eltern hat, erkrankt später und seltener an Herz-Kreislauf-Leiden und Bluthochdruck. Ein Blick in die Familienanamnese könnte sich also lohnen, um das individuelle Risiko realistischer einzuschätzen. Für die Forschung wiederum eröffnet die Studie eine neue Perspektive: Menschen mit besonders langlebigen Eltern sind wertvolle Studienteilnehmer – denn an ihnen könnte sich ablesen lassen, was biologisch hinter gesundem Altern steckt. Das langfristige Ziel: neue Ansätze, die nicht nur das Leben verlängern, sondern vor allem die gesunden Jahre.
Die Erstellung dieser Zusammenfassung erfolgte unterstützt durch KI-basierte Prozesse, die finale redaktionelle Verantwortung liegt bei unserer Redaktion.