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Angststörungen seit Corona: Teenie‑Mädchen stark betroffen

|von dpa

Jugendliche Mädchen in Bayern sind eine der Hauptverluste der Corona‑Pandemie für die psychische Gesundheit: Eine DAK‑Analyse zeigt, dass 15‑ bis 17‑Jährige deutlich häufiger unter Angststörungen, v. a. sozialen Phobien (+194 %) und Panikattacken (+86 %), leiden; auch Depressionen und Essstörungen nahmen zu. Experten fordern schnellere Diagnostik, bessere Vernetzung der Angebote und Prävention in Schulen und Jugendzentren.

Praxis für Psychotherapie-Schild: steigende Angststörungen und psychische Belastung bei Mädchen.
DAK‑Report: Deutlicher Anstieg von Angststörungen bei 15–17‑jährigen Mädchen in Bayern. (© Jens Wolf/dpa-Zentralbild/dpa)

Seit der Corona-Pandemie steigt die Zahl der psychischen Erkrankungen unter Jugendlichen weiter an – besonders Mädchen im Teenageralter sind in Bayern stark von Angststörungen, Depressionen und sozialen Phobien betroffen.

Dies geht aus dem aktuellen Kinder- und Jugendreport der Krankenkasse DAK Bayern hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorab vorlag.

«Die Ergebnisse sind besorgniserregend und decken sich mit unseren Erfahrungen in der Praxis», bestätigte der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen, Michael Hubmann. «Wir sehen weiterhin eine hohe Rate an psychischen Belastungen bei Kindern und Jugendlichen. Insbesondere Ängste spielen dabei eine große Rolle.» Der Grund aus Hubmanns Sicht: «Die Krisen reißen nicht ab – Pandemie, Klimawandel, Kriege, gesellschaftlicher Druck, Zukunftsängste. Das alles bleibt im Alltag junger Menschen präsent.»

Teenie‑Mädchen (15–17) am stärksten betroffen

Die Verunsicherung wirkt sich offenkundig besonders stark auf die jugendlichen Mädchen aus. Dem Report zufolge wurden im Jahr 2024 rund 64 von 1.000 bei der DAK versicherte weibliche Jugendliche wegen einer Angststörung ambulant oder stationär behandelt. Da die Daten als repräsentativ gelten, waren hochgerechnet im Freistaat insgesamt rund 11.000 Mädchen in dem Alter betroffen. Im Vergleich zum Vor-Pandemie-Jahr 2019 ist das ein Anstieg um 45 Prozent.

Besonders stark zugenommen haben spezifische Angststörungen wie soziale Phobien, die sich mit plus 194 Prozent seit 2019 nahezu verdreifacht haben. Dabei leiden Betroffene unter Angst vor sozialen Situationen – etwa einem Treffen mit Gleichaltrigen – und einer negativen Bewertung durch andere. Auch Panikstörungen legten mit plus 86 Prozent seit der Pandemie stark zu. Rund 13.000 Teenie-Mädchen waren 2024 zudem wegen einer Depression in Behandlung, 3.300 wegen einer Essstörung. Die Zahl derjenigen, die zeitgleich zwei psychische Erkrankungen hatten, hat sich dabei mehr als verdoppelt.

Soziale Phobien: Rückzug und Schulversäumnis

Ebenfalls mehr als verdoppelt hat sich die Zahl der chronischen Angststörungen: Bei den heranwachsenden jungen Frauen stieg die Quote zwischen 2019 und 2024 von 8,6 auf 18,4 je 1.000 Mädchen. Dies sei besonders alarmierend, betonte der Chefarzt der Kirinus-Tagesklinik für Kinder und Jugendliche in München, Christoph Wewetzer. Beispielsweise führten soziale Phobien häufig zu sozialem Rückzug sowie zu chronischer Abwesenheit vom Schulunterricht.

«Aus kinder- und jugendpsychiatrischer Sicht sind eine frühzeitige Diagnostik und die rasche Einleitung geeigneter Behandlungsmaßnahmen entscheidend, um langfristige Krankheitsverläufe zu verhindern», erläuterte Wewetzer. «Dafür braucht es eine deutlich bessere Verzahnung ambulanter, teilstationärer und stationärer Angebote sowie eine gezielte Unterstützung von Familien mit geringen psychosozialen Ressourcen.»

Hubmann ergänzte als Präsident des Berufsverbands der Kinderärztinnen und -ärzte: «Aus meiner Sicht brauchen wir einen Ausbau von Präventions- und Unterstützungsangeboten, und zwar dort, wo Kinder und Jugendliche ihren Alltag verbringen: in Schulen, Kitas und Jugendzentren.»

Rund 2,3 % der bayerischen Kinder und Jugendlichen in Behandlung

Denn klar ist: Nicht nur die Teenagerinnen haben Probleme mit der mentalen Gesundheit. Auf Basis der DAK-Daten lässt sich hochrechnen, dass im Jahr 2024 im Freistaat 2,3 Prozent aller Kinder und Jugendlichen zwischen 5 und 17 Jahren wegen einer Angststörung behandelt wurden – in Summe sind das rund 32.000 Minderjährige. Das Niveau liegt dabei – mit Ausnahme der noch stärker betroffenen jugendlichen Mädchen – seit 2021 bei Schulkindern und Jugendlichen auf einem konstant hohen Niveau.

Für die Sonderanalyse werteten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Abrechnungsdaten von rund 108.100 bei der DAK versicherten Kindern und Jugendlichen aus Bayern im Alter bis 17 Jahre aus. Untersucht wurden die Jahre 2019 bis 2024 mit insgesamt etwa 5,7 Millionen Arzt- und Therapiebesuchen, Krankenhausaufenthalten und Arzneiverordnungen.

Key Takeaways

  • Die Zahl der psychischen Erkrankungen bei Jugendlichen, insbesondere Mädchen, ist seit der Corona-Pandemie stark angestiegen.
  • Teenagerinnen zwischen 15 und 17 Jahren leiden besonders häufig unter Angststörungen und Depressionen.
  • Die Anzahl der behandelten Jugendlichen wegen Angststörungen hat im Vergleich zu 2019 um 45 Prozent zugenommen.
  • Soziale Phobien und Panikstörungen sind stark angestiegen, was zu Rückzug und Schulversäumnis führt.
  • 2,3 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Bayern benötigen 2024 Behandlung wegen psychischer Probleme.

FAQ: Psychische Gesundheit bei Jugendlichen

Welche Gruppe ist in Bayern besonders von psychischen Erkrankungen betroffen?

Laut dem aktuellen DAK Kinder- und Jugendreport sind vor allem Mädchen im Alter von 15 bis 17 Jahren betroffen. In dieser Gruppe stieg die Zahl der Behandlungen wegen Angststörungen seit 2019 um 45 Prozent. Hochgerechnet waren im Jahr 2024 allein in Bayern rund 11.000 Teenie-Mädchen wegen Ängsten, Depressionen oder Essstörungen in Behandlung.

Wie stark haben soziale Phobien bei Mädchen seit der Pandemie zugenommen?

Die Zunahme ist drastisch: Die Fälle von sozialen Phobien haben sich seit 2019 mit einem Plus von 194 Prozent fast verdreifacht. Betroffene leiden unter massiver Angst vor sozialen Situationen und der Bewertung durch andere, was laut Experten häufig zu sozialem Rückzug und chronischem Fernbleiben vom Schulunterricht führt.

Was sind die Hauptursachen für den Anstieg psychischer Belastungen?

Experten wie Michael Hubmann (Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte) sehen eine anhaltende Krisendichte als Hauptgrund. Die Nachwirkungen der Pandemie, der Klimawandel, Kriege sowie gesellschaftlicher Druck und Zukunftsängste bleiben im Alltag der Jugendlichen präsent und verhindern ein Sinken der Fallzahlen auf das Vor-Pandemie-Niveau.

Welche Maßnahmen fordern Experten zur Verbesserung der Lage in Bayern?

Mediziner fordern eine bessere Verzahnung von ambulanten und stationären Angeboten sowie den gezielten Ausbau von Prävention direkt im Alltag der Kinder – also in Schulen, Kitas und Jugendzentren. Eine frühzeitige Diagnostik ist entscheidend, um chronische Krankheitsverläufe zu verhindern.


Quellen

dpa

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