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Lebermetastasen: RNAi-Therapie erhält Preis der Deutschen Leberstiftung

Die Deutsche Leberstiftung zeichnet 2026 einen neuen Therapieansatz gegen Lebermetastasen aus. Mittels RNA-Interferenz wird gezielt das Neuropeptid Y in Leberzellen ausgeschaltet und Tumorzellen so der entscheidende Lockstoff entzogen, bevor sie sich in der Leber ansiedeln können. Das Verfahren verspricht neue Optionen für die klinische Praxis.

Preisverleihung
Eine ausgezeichnete Studie zeigt, wie RNA-Interferenz die Leber daran hindert, Tumorzellen aktiv anzulocken. (© pauchi/stock.adobe.com)

Lebermetastasen: RNAi-Ansatz unterbricht Lockruf der Leber

Die Deutsche Leberstiftung lobte auch in diesem Jahr den Preis für eine herausragende Publikation im Bereich der Hepatologie aus und erhielt zahlreiche Bewerbungen und Vorschläge für die mit dem Preis auszuzeichnende Publikation. Die Anträge wurden von einem Gutachterkomitee geprüft, dem Prof. Dr. Münevver Demir, Berlin, Prof. Dr. Michael Praktiknjo, Münster, und Prof. Dr. Darjus Tschaharganeh aus Heidelberg angehören.

„Der Publikations-Preis ist ein wichtiges Instrument, um die exzellente hepatologische Forschung im deutschsprachigen Raum sichtbar zu machen. Er würdigt Arbeiten, die nicht nur wissenschaftliche Tiefe besitzen, sondern auch das Potenzial haben, die klinische Praxis nachhaltig zu beeinflussen. Es ist uns ein besonderes Anliegen, durch diesen Preis die Innovation auf dem Gebiet der Leberforschung zu fördern und die Grenzen unseres Fachgebiets kontinuierlich zu erweitern“, betont Prof. Dr. Münevver Demir.

Neuropeptid Y als Schlüssel zur metastatischen Nische

Nach Prüfung und ausführlicher Diskussion der eingereichten Arbeiten beschloss das Gutachterkomitee einstimmig, den Preis der Publikation „The liver talks back: NPY orchestrates attraction of cancer cells and CHK2-dependent clonogenicity in the metastatic niche“, erschienen in Proceedings of the National Academy of Sciences, November 2025, zuzuerkennen. Das Preisgeld in Höhe von 10.000,- Euro erhielt die Erstautorin der Publikation, Dr. Laura Wormser (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg).

„Die Studie von Laura Wormser und ihrem Team hat durch einen besonders innovativen Ansatz überzeugt. Sie zeigt eindrucksvoll, dass die Leber bei der Metastasierung nicht passiv ist, sondern durch die Ausschüttung von Neuropeptid Y (NPY) aktiv zum Prozess beiträgt – die Leber „antwortet“ gewissermaßen auf die Tumorzellen. RNA-Wirkstoffe für die Tumortherapie erreichen bisher fast ausschließlich gesunde Leberzellen und können kaum in die Tumorzellen selbst vordringen. Das Forschungsteam dieser Studie macht aus diesem bisherigen Nachteil eine Stärke und nutzt die gezielte Anreicherung in den Leberzellen, um dort die Produktion des Lockstoffs NPY zu unterbinden. So wird den Krebszellen die Einladung in die Leber entzogen, noch bevor sie sich dort festsetzen können“, erläutert Prof. Dr. Münevver Demir die Entscheidung des Komitees.

Preisverleihung beim HepNet Symposium

Verliehen wurde der Preis am 27. Juni 2026 im Rahmen des 22. HepNet Symposiums durch Prof. Dr. Elke Roeb, der Vorsitzenden des Stiftungskuratoriums, und Prof. Dr. Münevver Demir aus dem Gutachterkomitee. Das Preisgeld wurde von der Gilead Sciences GmbH, einem Partner der Deutschen Leberstiftung, zur Verfügung gestellt.

Fazit

Der RNAi-basierte Ansatz markiert einen Paradigmenwechsel in der Behandlung von Lebermetastasen: Statt Tumorzellen direkt anzugreifen, wird die Leber selbst daran gehindert, krebsfördernde Signale wie NPY auszusenden. Für die klinische Praxis eröffnet das perspektivisch eine neue Therapieoption, die einen bisherigen Schwachpunkt der RNA-Wirkstoffe – ihre Anreicherung in gesunden Leberzellen – gezielt nutzbar macht.


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