Niedriger Blutdruck, Salzhunger, ungeklärte Müdigkeit und eine braungebrannte Haut ohne Sonne: Die Symptome der primären Nebenniereninsuffizienz sind unspezifisch – und die korrekte Diagnose lässt oft Jahre auf sich warten. Jeder 13. Betroffene erleidet jährlich eine potenziell letale Addison-Krise. Zwei retardierte Hydrocortison-Präparate bilden die zirkadiane Rhythmik unterschiedlich gut nach – mit spürbaren Effekten auf Lebensqualität, Fatigue und Immunprofil.
Erschöpfung und Hyperpigmentierung? An Morbus Addison denken!
Braungebrannte Haut ohne Sonne, bleierne Müdigkeit, niedriger Blutdruck: Morbus Addison zeigt sich vielgestaltig – und wird oft erst nach Jahren erkannt. Die primäre Nebenniereninsuffizienz ist mit 126 Fällen pro Million Einwohner*innen selten, für Betroffene aber potenziell lebensbedrohlich [1]. Frauen erkranken etwa 1,5-mal häufiger als Männer. In westlichen Ländern steckt in 80–90 % der Fälle eine Autoimmunreaktion dahinter: Antikörper zerstören die eigene Nebennierenrinde. Die Folge – Aldosteron, Cortisol und das Androgen Dehydroepiandrosteron (DHEA) fallen aus.
Abzugrenzen ist die primäre Form von 2 weiteren Varianten. Bei der sekundären Nebenniereninsuffizienz produziert die Hypophyse zu wenig adrenocorticotropes Hormon (ACTH). Die tertiäre Form entsteht nach längerer Cortisontherapie.
„Wichtig ist es, den Morbus Addison nicht mit einer – in den sozialen Medien häufig benannten – ,Nebennierenschwäche‘ zu verwechseln, die zwar mit Erschöpfungssymptomen einhergeht, bei der aber in der Regel normale Spiegel der Nebennierenhormone vorliegen.“
— PD Dr. Birgit Harbeck, Hamburg
Diagnostische Falle: unspezifische Symptome
Das klinische Bild ist bunt und unspezifisch. Typisch sind niedriger Blutdruck, Schwindel und Salzhunger durch den Aldosteronmangel. Hinzu kommen ausgeprägte Schwäche, Müdigkeit, Unterzuckerungen, Gewichtsverlust, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen als Folge des Cortisolmangels. Auch Muskel- und Gelenkschmerzen kommen vor – und werden häufig fälschlich als rheumatisch gedeutet. Nahezu alle Betroffenen zeigen eine verstärkte Pigmentierung. Der Androgenmangel äußert sich unter anderem in verminderter Libido.
„Betroffene sehen braungebrannt aus, wie direkt aus dem Urlaub, fühlen sich aber schlecht.“
— PD Dr. Birgit Harbeck, Hamburg
Der erste diagnostische Schritt ist einfach: das frühmorgendliche Cortisol. Wegen der Tagesrhythmik folgt meist ein Stimulationstest, in der Regel der ACTH-Test. Ergänzend bestimmt werden ACTH, Aldosteron, Renin, Dehydroepiandrosteron-Sulfat (DHEAS), Elektrolyte sowie Autoantikörper. Das Zeitfenster bis zur korrekten Diagnose zieht sich oft über Jahre – mit gefährlichen Konsequenzen. Etwa jeder 13. Patient erleidet jährlich eine Addison-Krise. Ein banaler Infekt kann ausreichen, um Kreislaufversagen, Erbrechen und Bauchkrämpfe auszulösen. Unbehandelt ist die Krise potenziell letal.
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