Startseite Alle Beiträge Innere Medizin Monatszyklus und Menopause erfordern therapeutisches Fingerspitzengefühl
Unterschätzter Einfluss der Hormone auf den Diabetes

Monatszyklus und Menopause erfordern therapeutisches Fingerspitzengefühl

|von Stephanie Schikora

Diabetes verläuft bei Frauen anders – und Hormone spielen dabei eine zentrale Rolle. so steigt der Insulinbedarf in der Lutealphase um bis zu 15% – moderne AID-Systeme bilden das nicht ab. In den Wechseljahren lösen sich vertraute Muster auf: Rund zwei Drittel der Frauen mit Typ-1-Diabetes berichten nach der Menopause über instabilere Glukoseverläufe. Eine zyklus- und lebensphasenadaptierte Diabetestherapie daher wäre dringend angeraten, in der Praxis bleibt dies jedoch in der Regel außen vor. Dies gilt es zu ändern.

Eine junge Frau sitzt auf einer Parkbank im Freien, trägt einen kontinuierlichen Glukosesensor am Oberarm und blickt auf ein aufgeklapptes Laptop auf dem Schoß.
Die kontinuierliche Glukosemessung macht hormonbedingte Schwankungen sichtbar – doch die individuelle Anpassung der Insulintherapie bleibt bislang oft Handarbeit. (© pixel-shot.com (Leonid Yastremskiy)/stock.adobe.com)

Diabetes sei keine geschlechtsneutrale Erkrankung, betonte Prof. Susanne Reger-Tan, Bochum: Sexualhormone greifen direkt in Insulinsekretion, Betazellfunktion, Fettverteilung und kardiovaskuläres Risiko ein. Was beim polyendokrinen metabolischen Ovarialsyndrom (PMOS) in besonders ausgeprägter Form sichtbar wird, gilt im Kleinen für jede menstruierende Frau mit Diabetes – und ändert sich in den Wechseljahren grundlegend. Problematisch ist, dass diese beiden „hormonellen Lebensphasen“, die in Forschung, Therapie und Versorgung bislang systematisch zu kurz kommen.

Das Wichtigste für die Praxis

Menopause-Symptome und Hypoglykämie differenzieren: Hitzewallungen, Schwitzen und Herzklopfen können eine Unterzuckerung maskieren – im Zweifel zuerst den Glukosewert prüfen..

Zyklus in der Insulintherapie mitdenken: AID-Systeme bilden den sich im Zyklusverlauf ändernden Insulinbedarf bislang nicht ab und erfordern manuelle Korrekturen. Ein Zyklustagebuch hilft, individuelle Muster zu erkennen und die Therapie entsprechend anzupassen.

Menopause als Hochrisikophase erkennen: Rund zwei Drittel der Frauen mit Typ-1-Diabetes berichten nach der Menopause über instabilere Glukoseverläufe mit häufigeren Hyper- und Hypoglykämien.

Zyklusdynamik: Insulinresistenz verändert sich im Zyklusverlauf

Bereits der physiologische Zyklus verändert die Insulinsensitivität in vorhersehbarer Weise:

Artikel kostenlos freischalten und weiterlesen

Erhalten Sie unbeschränkten Zugang zu exklusiven Artikeln auf Thieme Praxis. Registrieren Sie sich jetzt kostenlos mit wenigen Klicks – oder nutzen Sie Ihren bestehenden Thieme Account.


Mehr zum Thema