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Verpasste Chancen der Früherkennung

Positiver Stuhltest: Ohne Koloskopie steigt die Darmkrebs-Gefahr drastisch

|von Beatrice Hamberger

Wer nach einem auffälligen Stuhltest auf die empfohlene Darmspiegelung verzichtet, hat ein mehr als vierfach erhöhtes Darmkrebsrisiko gegenüber der Allgemeinbevölkerung. Besonders brisant: Unter den Personen ohne Folgekoloskopie ließ sich eine Hochrisikogruppe identifizieren, bei der Darmkrebs gehäuft und oft erst spät diagnostiziert wurde.

ndoskop während einer Koloskopie mit Monitoransicht des Darminneren zur Abklärung eines positiven Stuhltests im Rahmen der Darmkrebsvorsorge.
Ein positiver Stuhltest sollte immer Anlass für eine weiterführende Darmspiegelung sein – nur so lässt sich Darmkrebs frühzeitig erkennen oder ausschließen. (© phonlamaiphoto - stock.adobe.com)

Der Test auf okkultes Blut im Stuhl ist eine wichtige Maßnahme zur Darmkrebsvorsorge. Bei auffälligem Befund wird zur weiteren Abklärung eine Koloskopie empfohlen. Wie wichtig diese Folgeuntersuchung ist, zeigt eine aktuelle Studie aus Schweden. Demnach hatten Personen, die die empfohlene Darmspiegelung nicht wahrnahmen, ein höheres Risiko für Darmkrebs als die Allgemeinbevölkerung.

Kohortenstudie mit knapp 15.000 FOBT-positiven Personen

Die Kohortenstudie umfasste 14.873 Personen aus Gotland, die zwischen 2008 und 2021 im Rahmen des bevölkerungsweiten Screenings einen positiven Befund im fäkalen Okkultbluttest (FOBT) erhielten. Das Screening wird in Schweden Männern und Frauen im Alter von 60–69 Jahren alle 2 Jahre angeboten.

Die Wissenschaftler betrachteten 2 Gruppen: Einmal jene 8.433 Personen, deren Folge-Koloskopie ohne Befund war und zum anderen jene 1.662 Personen, die die empfohlene Koloskopie nicht wahrnahmen. Der primäre Endpunkt war die Inzidenz von kolorektalem Krebs (CRC) im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung – in diesem Fall handelte es sich um die 318.096 Personen, die zu einem CRC-Screening mittels Okkultbluttest eingeladen wurden, mit Ausnahme der beiden genannten Gruppen. Gemessen wurde der Unterschied anhand des standardisierten Inzidenzverhältnisses (SIR).

Männer profitieren stärker von unauffälliger Koloskopie

Die Analyse ergab: Personen mit negativem Screening-Koloskopiebefund hatten im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung eine signifikant niedrigere beobachtete CRC-Inzidenz (SIR 0,52; 95%-Konfidenzintervall [95%-KI] 0,39–0,68), wobei das SIR bei Männern niedriger war (0,37; 95%-KI 0,25–0,56) als bei Frauen (0,71; 95%-KI 0,49–1,03). Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass fortgeschrittene Neoplasien bei Männern häufiger als bei Frauen beobachtet wurden, was mit einer stärkeren Risikoreduktion nach einem negativen Koloskopieergebnis einhergehen könnte und möglicherweise Unterschiede im Ausgangsrisiko zwischen den Geschlechtern widerspiegelt.

Vierfach erhöhtes Darmkrebsrisiko ohne Folgekoloskopie

Im Gegensatz dazu hatten Personen mit positivem Befund, die sich der empfohlenen Koloskopie nicht unterzogen, im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung eine deutlich erhöhte CRC-Inzidenz (SIR 4,21; 95%-KI 3,24–5,48). Unter ihnen wurde außerdem eine Hochrisikogruppe für Darmkrebs identifiziert. Die Zeit bis zur Krebsdiagnose betrug im Median 2,8 Jahre. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer Verbesserung der Teilnahmequoten bei der Koloskopie nach einem positiven FOBT-Ergebnis. Gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Nachsorgetreue sollten priorisiert werden, um die CRC-Inzidenz effektiv zu reduzieren.

Fazit

Risikobasiertes Screening und gezielte Strategien für Hochrisikogruppen

Angesichts begrenzter Koloskopie-Ressourcen plädieren die Studienautoren dafür, Screeningmaßnahmen „risikobasiert und individualisiert“ zu gestalten. Ressourcen sollten dort eingesetzt werden, wo sie den größten Nutzen erzielen, so das Team um Erstautorin Hanna Heymann, Stockholm (Schweden), und es sollten gezielte Strategien entwickelt werden, um Hochrisikopersonen zu erreichen, die keine Folgeuntersuchungen wahrnehmen.


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