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Moderne Hämatologie und Medizinische Onkologie

Präzisionsonkologie, KI und Frühintervention prägen Jahrestagung 2026 in Wien

|von Redaktion Thieme Praxis

Die Hämatologie und Medizinische Onkologie erlebt derzeit einen tiefgreifenden Wandel: Molekulare Diagnostik, Künstliche Intelligenz und neue Immuntherapien revolutionieren nicht nur das Verständnis von Blut- und Krebserkrankungen, sondern öffnen auch völlig neue Behandlungswege. Innovative Konzepte der Risikostratifizierung, Früherkennung und Frühintervention machen es zunehmend möglich, Erkrankungen bereits in ihren frühesten Stadien zu erkennen und gezielt einzugreifen – lange bevor sie sich vollständig manifestieren. Vom 9. bis 12. Oktober 2026 diskutieren DGHO, OeGHO, SGMO und SGH in Wien, wie sich Risikostratifizierung, Frühintervention und personalisierte Therapiekonzepte in den klinischen Alltag übersetzen lassen.

Drei ineinandergreifende Zahnräder mit den Nationalflaggen der Schweiz, Österreichs und Deutschlands als
DACH-Kooperation in der Hämatologie und Onkologie: DGHO, OeGHO, SGMO und SGH bündeln in Wien ihre Expertise zu molekularer Diagnostik, KI und Frühintervention. (© Fotomanufaktur JL/stock.adobe.com)

Nie zuvor konnten Hämatoonkologen so tief in die genetischen und biologischen Eigenschaften maligner Erkrankungen blicken wie heute. Molekulare Diagnostikverfahren liefern die Basis für präzise Diagnosestellung, umfassende Risikobewertung und individualisierte Behandlungsstrategien – und stehen entsprechend im Zentrum des wissenschaftlichen Programms in Wien.

Jahrestagung 2026 – Wien

Die Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie findet vom 9. bis 12. Oktober 2026 in Wien statt.

Das Spektrum der eingesetzten Verfahren wächst kontinuierlich: Genmutationsanalysen, Next Generation Sequencing (NGS) und Fusionsgen-Diagnostik gehören ebenso dazu wie Genexpressionsanalysen, die Bestimmung zirkulierender Tumor-DNA im Blut („Liquid Biopsy“) und hochsensitive Verfahren zum Nachweis minimaler Resterkrankungen (Minimal Residual Disease, MRD). Auch Polygene Risk Scores (PRS) gewinnen an Bedeutung. Ergänzend erlaubt die Einzelzellauflösung moderner Techniken ein immer besseres Verständnis von Tumor-Ökosystemen, die nicht nur bösartige Zellen, sondern auch gesunde Immun-, Bindegewebs- und Gefäßzellen umfassen.

„Das ist ein hochdynamisches Forschungsfeld, dessen Fortschritte sich auch im wissenschaftlichen Programm unserer Jahrestagung widerspiegeln.“

Univ.-Prof. Dr. Dominik Wolf, Innsbruck (Österreich) – Kongresspräsident

Prävention und Früherkennung als unterschätzte Ressource

So bedeutsam die therapeutischen Fortschritte sind – ein entscheidender Hebel bleibt oft unbeachtet: Viele Krebserkrankungen ließen sich bereits heute verhindern oder deutlich früher erkennen. Fortschritte in der Risikobewertung und molekularen Diagnostik eröffnen dabei neue Chancen, Menschen mit erhöhtem Risiko frühzeitig zu identifizieren und gezielter zu begleiten.

Die DGHO hat diesem Themenfeld bereits ihre diesjährige Frühjahrstagung gewidmet. Anlässlich der Nationalen Krebspräventionswoche im September 2026 erscheint zudem der Band „Neue Wege der Prävention, Früherkennung und frühen systemischen Therapie“ in der Gesundheitspolitischen Schriftenreihe der Fachgesellschaft – ein Signal, dass Prävention nicht länger im Schatten kurativer Ansätze stehen soll.

„Prävention und Früherkennung zählen deshalb zu den wichtigsten Zukunftsaufgaben.“

Prof. Dr. Claudia Baldus, Kiel – Geschäftsführende Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO)

Fließende Grenzen zwischen Diagnostik, Therapie und Survivorship

Aus dem wachsenden Präventionsverständnis ergibt sich eine grundlegende Verschiebung im Denken: Die klassischen Trennlinien zwischen Prävention, Früherkennung, Diagnostik und Therapie lösen sich zunehmend auf. Ein anschauliches Beispiel bei soliden Tumoren ist das in Deutschland eingeführte Lungenkrebs-Screening für definierte Hochrisikogruppen.

Vergleichbare Entwicklungen zeichnen sich in der Hämatologie ab. Krankheitsvorstufen wie die klonale Hämatopoese oder das schwelende Multiple Myelom (Smoldering Multiple Myeloma, SMM) rücken zunehmend in den Fokus der Forschung. Untersucht wird, ob sich durch eine frühzeitige Intervention das Fortschreiten zu einer manifesten Erkrankung verzögern oder verhindern lässt. Parallel dazu leben dank des medizinischen Fortschritts immer mehr Menschen langfristig mit oder nach einer Krebserkrankung – Nachsorge, Lebensqualität und Survivorship gewinnen damit einen völlig neuen Stellenwert.

„Die Grenzen zwischen Prävention, Früherkennung, Diagnostik und Therapie werden zunehmend fließend.“

Prof. Dr. Maike de Wit, Berlin – Kongresspräsidentin

KI in der Onkologie: Werkzeug mit klaren Grenzen

Mit der wachsenden Komplexität molekularer Diagnostik und Datenanalyse steigt zwangsläufig auch der Bedarf an leistungsfähigen digitalen Werkzeugen. Künstliche Intelligenz (KI) hat sich dabei zu einem der dynamischsten Innovationsfelder der Medizin entwickelt – auch in der Hämatologie und Onkologie. Sie kann bei der Auswertung bildgebender Verfahren, der Analyse komplexer molekularer Datensätze und damit bei der klinischen Entscheidungsfindung unterstützen.

Bei allem Potenzial bleiben die Grenzen jedoch klar zu ziehen: Die Auswahl eines Therapieregimes und die gemeinsame Entscheidungsfindung mit Patientinnen, Patienten und deren An- und Zugehörigen sind und bleiben Aufgaben, die menschliche Erfahrung, Empathie und Verantwortung erfordern – getragen von Ärztinnen und Ärzten, Pflegekräften, Therapeutinnen und Therapeuten in den nichtärztlichen Heilberufen sowie Psychologinnen und Psychologen.

„In all den genannten Bereichen erleben wir derzeit einen rasanten Einzug der Künstlichen Intelligenz (KI), eines der dynamischsten Innovationsfelder der Medizin.“

Prim. Prof. Dr. Ewald Wöll, Zams (Österreich) – Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (OeGHO)

Internationaler Austausch als Innovationsmotor

Damit diese Innovationen ihren Weg in die klinische Praxis finden, braucht es mehr als nationale Forschungsanstrengungen. Der gemeinsame Kongress der 3 Fachgesellschaften lebt vom länderübergreifenden Dialog – ein Format, das gezielt Impulse aus unterschiedlichen Versorgungs- und Forschungslandschaften bündelt.

Ein Höhepunkt der Tagung ist die Plenarsitzung mit internationalen Referierenden: Prof. Solange Peters aus der Schweiz stellt die rasante Evolution der personalisierten Lungenkarzinombehandlung vor, während Prof. Iván José Ballesteros Martin aus Spanien die Vielfalt und Bedeutung von Granulozyten für Gesundheit und Krankheit beleuchtet.

„Das Besondere und Wertvolle an unserem gemeinsamen Kongress ist unter anderem der internationale Austausch – ein für die Innovationskraft unseres Faches integraler Bestandteil.“

Prof. Dr. Dr. Andreas Wicki, Zürich (Schweiz) – Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie (SGMO)


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