Startseite Alle Beiträge Innere Medizin Kann eine Ernährungsumstellung das Überleben nach Prostatakrebs verbessern?
Pflanzliche Fette statt Butter & Co.

Kann eine Ernährungsumstellung das Überleben nach Prostatakrebs verbessern?

|von Stephanie Schikora

Könnte eine Nahrungsumstellung dazu beitragen, die Prognose von Prostatakarzinompatienten zu verbessern? Würe es zum Beispiel helfen, weniger Butter, Wurst und Käse zu essen und stattdessen auf Olivenöl, Nüsse oder Hülsenfrüchte zu setzen? In der Allgemeinbevölkerung senkt eine solche Reduktion der gesättigten Fettsäuren nachweislich das Mortalitätsrisiko. Die ernüchternde Nachricht für Ihren Patienten: Einen direkten Einfluss auf den Verlauf des Prostatakarzinoms selbst scheint die Fettzusammensetzung der Nahrung nicht zu haben. Die gute Nachricht: Trotzdem senkt der Patient dadurch sein Risiko zu versterben – weil er damit sein Herz schützt und das Risiko anderer Krebserkrankungen reduziert.

Butterröllchen auf Marmor
Gesättigte Fette aus tierischen Quellen sind bei Männern mit nichtmetastasiertem Prostatakarzinom mit einer erhöhten Gesamtmortalität assoziiert – getrieben wird dieser Effekt aber wahrscheinlich durch ein geringeres kardiovaskuläres Risiko, nicht durch einen direkten Effekt auf den Tumor (© Bernd Kröger/stock.adobe.com)

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„Kann ich selbst etwas tun, um meine Prognose zu verbessern?“ – diese Frage stellen viele Patienten nach einer Krebsdiagnose wie beispielsweise einem Prostatakarzinom. Der ärztliche Reflex, zu einer gesünderen Ernährung, mehr Bewegung oder Rauchstopp zu raten, ist verständlich – die Evidenzbasis für solche Empfehlungen ist bei Prostatakrebs-Überlebenden allerdings dünn. Gerade Männer mit nichtmetastasierter Erkrankung leben nach der Diagnose oft noch jahrzehntelang.

Damit rücken Lebensstilfaktoren wie die Ernährung in den Fokus der Survivorship-Betreuung. Gesättigte, trans- und tierische Fette gehen nachgewiesenermaßen mit einer erhöhten Gesamt- und kardiovaskulären Mortalität einher, während einfach und mehrfach ungesättigte sowie pflanzliche Fette protektive Effekte zeigen.

Die aktuelle HPFS-Analyse [3] baut auf den Daten HPFS-Auswertung aus dem jahr 2013 auf – mit 12 zusätzlichen Jahren Nachbeobachtung und einer fast 3-fach höheren Zahl an Todesfällen (3040 vs. 1064). Erstmals wurden zudem die Todesursachen differenziert nach kardiovaskulären, prostatakrebsspezifischen und anderen Krebstodesfällen ausgewertet.

Tipp für die Praxis ➀

Die Krebsdiagnose ist ein besonders günstiger Moment für Lebensstilinterventionen – Patienten sind in dieser Phase erfahrungsgemäß besonders motiviert. Nutzen Sie dieses „Window of Opportunity“ für eine strukturierte Beratung zu Ernährung, Bewegung, Rauchstopp und kardiometabolischem Risikomanagement.

Fast 5.000 Patienten über Jahrzehnte begleitet

Insgesamt 4884 Männer mit nichtmetastasiertem Prostatakarzinom wurden in die Studie aufgenommen – diagnostiziert zwischen 1986 und Januar 2019, nachverfolgt bis Dezember 2022. Im Schnitt waren die Teilnehmer bei Diagnose 69,5 Jahre alt, 97% waren weiß. Bei den meisten (62%) lag ein T1-Stadium vor, bei 10% ein aggressiver Gleason-Score von 8–10.

Um die Ernährungsgewohnheiten zu erfassen, füllten die Männer alle 4 Jahre ausführliche Fragebögen zu ihrem Essverhalten aus. Für die Auswertung zählte dabei nur, was die Teilnehmer ab einem zeitpunkt von mindestens 6 Monate nach der Diagnose aßen – so sollte verhindert werden, dass vorübergehende Ernährungsänderungen während der Krebstherapie die Ergebnisse verzerren. Untersucht wurde, woran die Männer im Laufe der Zeit starben: am Prostatakarzinom selbst, an anderen Krebserkrankungen, an Herzerkrankungen oder aus anderen Gründen. Im Median wurden die Teilnehmer 12,8 Jahre lang beobachtet (IQR 8,1–16,8).

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