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Psyche und Krebsrisiko

Psychosoziale Faktoren und Krebsrisiko: Meta-Analyse findet kaum Zusammenhang

|von Beatrice Hamberger

Stress, Einsamkeit oder der Verlust eines nahestehenden Menschen – viele Patient:innen und auch Fachleute vermuten hier einen starken Zusammenhang mit Krebserkrankungen. Eine aktuelle Meta-Analyse mit über 400.000 Teilnehmenden aus 22 Kohorten relativiert diese Annahme deutlich: Für die meisten Krebsarten ließ sich kein relevanter Effekt nachweisen.

Wegweiser mit Beschriftung Body Mind und Soul
Psychosoziale Faktoren und Krebsrisiko: Hölzerne Wegweiser in einer Landschaft mit der Aufschrift Body, Mind und Soul – die aktuelle Meta-Analyse zeigt, dass Stress, Einsamkeit und Trauer das Krebsrisiko kaum beeinflussen. (© Jon Anders Wiken/stock.adobe.com)

Rauchen, Alkohol, Ernährung – all das erhöht nachweislich das Risiko für bestimmte Krebsarten. Hartnäckig hält sich auch die Annahme, dass psychosoziale Faktoren wie der Verlust eines Partners oder allgemeine psychische Belastungen einen starken Einfluss auf das Krebsrisiko haben. Einige Meta-Analysen haben dies auch belegt. Nun kommt eine neue große Übersichtsarbeit hinzu, die zu einem gegenteiligen Ergebnis kommt.

Psychosoziale Belastungen als Krebsrisiko – was sagen die Daten?

In der in „Cancer“ publizierten Arbeit haben Forscher des Konsortiums „Psychosocial Factors and Cancer Incidence“ (PSY-CA) Daten aus prospektiven Studien analysiert, um zu prüfen, ob folgende psychosoziale Faktoren mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden sind:

  • wahrgenommene soziale Unterstützung,

  • der Verlust eines geliebten Menschen,

  • Beziehungsstatus,

  • Neurotizismus und

  • allgemeine psychische Belastung.

Die Datenbasis umfasste 421.799 Personen aus 22 Kohorten.

Kein erhöhtes Krebsrisiko durch Stress, Einsamkeit oder Trauer

Nach der Analyse war keiner der psychosozialen Faktoren (gemessen zu einem einzigen Zeitpunkt) mit einem erhöhten Risiko für Krebs insgesamt verbunden. Dies traf außerdem speziell für Brustkrebs, Prostatakrebs, Darmkrebs sowie alkoholbedingte Krebsarten zu.

Nur Lungenkrebs fiel aus der Reihe: Wahrgenommene soziale Unterstützung, das aktuelle Nichtleben in einer Beziehung und der Verlust eines geliebten Menschen waren hier tatsächlich mit einem höheren Erkrankungsrisiko verbunden. Die meisten dieser Effekte schwächten sich jedoch ab, nachdem bekannte Risikofaktoren wie Rauchen oder eine familiäre Krebsvorgeschichte berücksichtigt wurden.

Fazit

Oft stecken ungesunde Verhaltensweisen dahinter.

„Unser Konsortium hat in den letzten Jahren einen weit verbreiteten Glauben untersucht — nämlich, dass eine schlechte psychische Gesundheit oder andere potenzielle psychosoziale Belastungen das Risiko erhöhen können, an Krebs zu erkranken„, dies sagte Erstautorin Dr. Lonneke A. van Tuijl, Groningen (Niederlande), in einer Medienmitteilung. „Unsere Ergebnisse stützen diese Annahme nicht.“ Viele der beobachteten kleinen Effekte ließen sich häufig durch ungesunde Verhaltensweisen erklären.

Doch warum stehen diese Ergebnisse so im Widerspruch zu anderen Meta-Analysen? Die Studienautoren erklären dies mit „potenziell entscheidenden methodischen Unterschieden“ und dass in den analysierten Studien unterschiedliche psychosoziale Faktoren und Krebsarten untersucht worden seien.

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