In sächsischen Pflegeheimen ersetzen Video-Visiten zunehmend den klassischen Hausbesuch. Qualifizierte Pflegekräfte übernehmen vor Ort Blutabnahmen und Wundkontrollen, während der Hausarzt per Tablet zugeschaltet ist. Warum das Modell trotz drohender Unterversorgung in Sachsen kaum über Pilotprojekte hinauskommt.
Telemedizin: Video-Visiten entlasten Hausärzte im Pflegeheim
Video-Visite im Pflegeheim: So funktioniert die digitale Sprechstunde
Mittwochvormittag im Seniorenzentrum «Herbstsonne» in Dresden. Wohnbereichsleiter Marc Ulbricht ist unterwegs mit Hausarzt Antonio Kantchew-Haustein. Der Dresdner Allgemeinmediziner soll einen Blick auf Irene Weise werfen. Die 80-Jährige erwartet den Arzt in ihrem Rollstuhl. Seit einem Schlaganfall ist ihre linke Körperhälfte gelähmt – an ihrem Arm hat sich ein Bluterguss gebildet, da ihr häufig die Lehne ihres Rollstuhls in die Quere kommt, berichtet sie.
«Zeigen Sie mal das kleine Wehwehchen her», so der 49-jährige Mediziner. Er verschreibt der Dame eine Salbe. Soweit wirkt es wie ein ganz normaler Hausbesuch – doch Kantchew-Haustein ist gar nicht im Raum. Für seine Patientin erscheint er nur als Gesicht auf einem Tablet, das Ulbricht vor ihr platziert hat. Es sei schon ungewohnt, ihrem Arzt nicht persönlich gegenüberzusitzen, findet Irene Weise. «Aber so geht es auch gut.»
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