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Geriatrische Syndrome

Das Fachgebiet „Geriatrische Syndrome“ umfasst typische, multifaktorielle Gesundheitsprobleme im höheren Lebensalter, die oft mehrere Organsysteme betreffen. Dazu zählen insbesondere Stürze, Frailty, Delir, Inkontinenz, Dekubitus und Schwindel. Im Fokus steht deren Wechselwirkung sowie die Bedeutung für Funktionalität und Lebensqualität.

Ziel ist es, Risiken früh zu erkennen, Ursachen ganzheitlich zu beurteilen und interdisziplinäre Therapie‑ und Präventionsstrategien abzuleiten.

Neuste Artikel

Eine Frau liegt nach einem Sturz auf einer Außentreppe aus Betonstufen; ein Bein ist angewinkelt, ein Arm ausgestreckt.
Sturzbremse

Digitale Entscheidungshilfe in der Hausarztpraxis senkt Sturzrate bei Senioren

Ein dezenter Hinweis in der elektronischen Patientenakte, ein individualisiertes Übungsprogramm per Mausklick und bei Bedarf eine Physiotherapie-Überweisung: Mehr braucht es nicht, um Stürze und sturzbedingte Verletzungen bei älteren Patienten messbar zu reduzieren. Auch im Setting der (Hausarzt-)Praxis lassen sich aktuellen Studienergebnissen zufolge digitale Entscheidungshilfen zur Sturzprävention wirksam in den Praxisalltag integrieren – mit geringem Aufwand und hohem Potenzial für die Versorgung.
Ältere Person mit weißem Haar, Brille und gemustertem Schal sitzt in einem Innenraum vor einem Bücherregal und spricht mit einer Pflegekraft, die mit dem Rücken zur Kamera zu sehen ist.
Wenn weniger mehr sein könnte

Zu strenge Blutzuckerkontrolle im Pflegeheim?

Muss ein älterer Mensch mit Diabetes in ein Pflegeheim, ist er meist gebrechlich, multimorbide und hat eine begrenzte Lebenserwartung. Eigentlich sprechen in dieser Situation viele Faktoren für eine vorsichtige Diabetesbehandlung mit Fokus auf Lebensqualität und der Vermeidung von Hypoglykämien. Dennoch bleiben die HbA1c-Werte häufig unter den in dieser Situation empfohlenen Zielbereichen und es kommen komplexe Therapien zum Einsatz. Über eine De-Intensivierung wird eher selten nachgedacht.
Zielscheibe mit Pfeilen und Schriftzug „Diabetes"
Fast jeder zweite Senior potenziell übertherapiert

HbA1c-Ziele bei älteren Menschen mit Typ-2-Diabetes werden häufig verfehlt oder ignoriert

Bei älteren Menschen mit Typ-2-Diabetes empfiehlt die American Diabetes Association individualisierte HbA1c-Ziele je nach Gesundheitszustand. In der Praxis wird davon jedoch selten Gebrauch gemacht: Sowohl Intensivierungen bei entgleistem HbA1c als auch Deintensivierungen bei zu niedrigen Werten bleiben US-amerikanischen Registerdaten zufolge die Ausnahme. Besonders brisant: Fast die Hälfte der Patienten mit schlechtem Gesundheitszustand und unterschrittenem Zielwert erhält weiterhin Sulfonylharnstoffe oder Insulin.
Eine ältere Patientin liegt im Krankenhausbett, ein Arzt und eine Pflegekraft stehen daneben und besprechen Befunde auf einem Klemmbrett.
Muskelabbau, Delir, Sturzgefahr

So bleiben ältere Patienten trotz krankenhausassoziierter Dekonditionierung selbstständig

Bereits nach einer Woche im Krankenhaus verlieren gebrechliche ältere Patienten spürbar Kraft und geistige Leistungsfähigkeit. Bewegung, gezielte Ernährung und kognitive Aktivierung sind zentrale Bausteine, um diesem gefährlichen Abbau wirksam entgegenzuwirken – und die Selbstständigkeit älterer Menschen zu erhalten.
Ältere Frau misst mit einem digitalen Handgelenk-Blutdruckmessgerät ihren Blutdruck.
Kein Freibrief zum pauschalen Absetzen

Weniger Blutdrucksenker, gleiche Sicherheit, mehr Lebensqualität für gebrechliche Hochbetagte?

Blutdrucksenker bei gebrechlichen Hochbetagten: Eine große französische Studie im New England Journal of Medicine belegt, dass eine kontrollierte Reduktion der Antihypertensiva weder Sterblichkeit noch kardiovaskuläre Komplikationen erhöht. Geriater Athanase Benetos plädiert für einen Paradigmenwechsel weg von starren Zielwerten hin zu individueller Therapieanpassung.
Ein älterer Mann liegt nach einem Sturz auf dem Teppichboden und wird von einer Pflegekraft oder Angehörigen an der Hand hochgezogen; im Vordergrund liegt sein Gehstock.
Bröckelnde Evidenz

Kalzium und Vitamin D ohne relevanten Nutzen bei Fraktur- und Sturzprävention

Kalzium- und Vitamin-D-Präparate zählen zu den am häufigsten verordneten Supplementen zur Prävention osteoporotischer Frakturen und Stürze. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse zieht die klinische Relevanz dieser Praxis grundlegend in Zweifel: Weder die Monotherapie noch eine kombinierte Supplementation erreichten die vorab definierten Schwellenwerte für einen klinisch bedeutsamen Nutzen – auch nicht in Hochrisikogruppen.
Ältere Frau hält verzweifelt den Kopf, umgeben von symbolischen Gedankenwirren
Rehospitalisierungen ändern wenig

Postoperatives Delir – Brandbeschleuniger für den kognitiven Abbau

Wer nach einer Operation ein Delir durchmacht, baut geistig schneller ab – das ist bekannt. Bislang galt das Delir vielen aber eher als Warnsignal für ohnehin kranke, gebrechliche Patienten, deren kognitiver Abbau vor allem durch wiederholte Klinikaufenthalte vorangetrieben wird. Eine prospektive Kohortenstudie über 5 Jahre räumt mit dieser Annahme auf: Das Delir selbst hinterlässt offenbar dauerhafte Spuren im Gehirn – unabhängig davon, wie oft die Betroffenen anschließend wieder ins Krankenhaus müssen.