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Bröckelnde Evidenz

Kalzium und Vitamin D ohne relevanten Nutzen bei Fraktur- und Sturzprävention

|von Stephanie Schikora

Kalzium- und Vitamin-D-Präparate zählen zu den am häufigsten verordneten Supplementen zur Prävention osteoporotischer Frakturen und Stürze. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse zieht die klinische Relevanz dieser Praxis grundlegend in Zweifel: Weder die Monotherapie noch eine kombinierte Supplementation erreichten die vorab definierten Schwellenwerte für einen klinisch bedeutsamen Nutzen – auch nicht in Hochrisikogruppen.

Ein älterer Mann liegt nach einem Sturz auf dem Teppichboden und wird von einer Pflegekraft oder Angehörigen an der Hand hochgezogen; im Vordergrund liegt sein Gehstock.
Sturzprävention bei Senioren überdenken: Kalzium und Vitamin D senken das Risiko für Stürze und Knochenbrüche im Alter nicht klinisch relevant . (© LIGHTFIELD STUDIOS/stock.adobe.com - posed by models)

Fast ein Drittel der über 65-Jährigen stürzt mindestens einmal jährlich, jeder zwanzigste dieser Stürze mündet in einer Fraktur. Die Hälfte aller Frauen und ein Fünftel aller Männer erleiden im Laufe ihres Lebens eine Fragilitätsfraktur. Kalzium und Vitamin D gelten seit Jahrzehnten als Basismaßnahme zur Prävention osteoporotischer Frakturen und Stürze – insbesondere bei älteren Menschen. All dies sind publizierte Fakten.

Vor diesem Hintergrund sind entsprechende Supplemente in zahlreichen Leitlinien fest verankert, die Verordnungszahlen sind seit den 2000er-Jahren kontinuierlich gestiegen. Nehmen wir zum Beispiel Großbritannien: Dort kletterten die Ausgaben für Vitamin-D-Rezepturen von 13 Mio. Pfund im Jahr 2001 auf 111 Mio. Pfund im Jahr 2021.

Die Evidenzlage ist allerdings weniger eindeutig, als es die breite Anwendung vermuten lässt. Frühere Metaanalysen kamen zu widersprüchlichen Ergebnissen – vor allem hinsichtlich der Wirkung von Vitamin D auf Stürze und des Nutzens einer kombinierten Supplementation. Eine kanadische Arbeitsgruppe hat sich daher die Mühe gemacht, die verfügbare Studienlage in einer umfassenden systematischen Übersichtsarbeit mit Metaanalyse neu zu bewerten.

Umfassende Analyse mit 153.902 Teilnehmenden

Eingeschlossen hat das Team 69 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 153.902 Erwachsenen, die eine Kalzium-, Vitamin-D- oder kombinierte Supplementation gegen Placebo oder keine Behandlung verglichen hatten. 87 % der Teilnehmenden lebten in häuslicher Umgebung, 73 % galten nicht als Hochrisikopopulation für Frakturen oder Stürze. Das mediane Alter lag bei 71,2 Jahren.

Die mediane Nachbeobachtung betrug 2,0 Jahre. Primärer Endpunkt war das Risiko für Frakturen jeglicher Art, sekundär wurden Hüft-, Wirbelkörper- und nicht-vertebrale Frakturen sowie das Sturzrisiko und die Gesamtzahl der Stürze erfasst. Für die Bewertung der klinischen Relevanz definierten die Autoren a priori minimal wichtige absolute Effektgrößen – etwa 0,7% für Hüftfrakturen, 2% für Frakturen insgesamt und 3% für das Sturzrisiko.

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