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Nicht immer ist die Notaufnahme die beste Option

Geriatrische Akutversorgung muss ambulanter werden

Immer mehr Hochaltrige landen in deutschen Notaufnahmen – doch nicht jeder geriatrische Notfall gehört ins Krankenhaus. Prof. Christian Karagiannidis fordert mobile Pflegeinterventionsteams, sektorenübergreifende Versorgungsformen und konsequente Prävention, um die Versorgung älterer Menschen zukunftsfest zu machen.

Nahaufnahme eines weißen Wegweisers mit rotem Kreuz und der Aufschrift „Notaufnahme“ sowie weiteren Hinweisen zu Klinikbereichen.
Nicht jeder medizinische Notfall erfordert zwingend eine stationäre Behandlung – neue ambulante Versorgungswege gewinnen an Bedeutung. (©filmbildfabrik/stock.adobe.com)

„Die Zahl hochaltriger Patienten in den Notaufnahmen wird in den kommenden Jahren weiter stark steigen. Nicht immer ist aber das Krankenhaus der beste Anlaufpunkt. Wir müssen deshalb neue Versorgungswege schaffen, bevor das System an seine Grenzen kommt“, plädiert Karagiannidis für einen grundlegenden Strukturwandel an der Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Medizin. Im Mittelpunkt seines Vortrags steht deshalb die Frage, wie unnötige Krankenhausaufnahmen älterer Menschen vermieden werden können, ohne dass die Versorgungsqualität leidet.

Mobile Interventionsteams für die geriatrische Notfallversorgung

„Schon heute gehören Menschen ab 75 Jahren zu der größten Patientengruppe in deutschen Notaufnahmen. Aber nicht jeder geriatrische Notfall braucht automatisch eine stationäre Aufnahme“, konstatiert Prof. Christian Karagiannidis, Köln Merheim, Mitglied des Expertenrats Gesundheit und Resilienz der Bundesregierung. Speziell geriatrisch geschulte Interventionsteams, die gezielt im Notfall zuhause eingesetzt werden könnten, wären ein Schlüssel. Diese Teams könnten an Rettungsleitstellen angebunden sein und bei Notrufen über die 112 oder 116117 zunächst ambulant intervenieren, noch bevor ein Transport ins Krankenhaus notwendig wird.

„Wir brauchen mobile geriatrische Expertise, die frühzeitig einschätzt, ob ein Krankenhausaufenthalt wirklich notwendig ist und die Menschen möglichst lange sicher zuhause versorgt.“

Prof. Dr. Christian Karagiannidis, Köln-Merheim

Dabei müsse geriatrische Akutversorgung künftig deutlich interprofessioneller gedacht werden. Gut qualifizierte Pflegekräfte könnten hier eine tragende Rolle übernehmen. Darüber hinaus kann die Telemedizin geriatrische fachärztliche Expertise in solchen Tandems bereitstellen.

Sektorenübergreifende Versorgung rückt in den Fokus

Die neuen sektorenübergreifenden Versorgungsformen (SÜV), die im Zuge der Krankenhausreform geschaffen werden sollen – ursprünglich unter dem Begriff Level 1 diskutiert – werden insbesondere für internistische und geriatrische Patienten eine wichtige Rolle spielen. So sollten ältere Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf künftig wohnortnah versorgt werden können, ohne die Strukturen eines klassischen Akutkrankenhauses in Anspruch nehmen zu müssen. Gerade für Pflegeheimbewohner könnten diese Versorgungsformen eine Alternative zur Einweisung über die Notaufnahme sein.

„Die Geriatrie wird bei diesen neuen Versorgungsformen eine Schlüsselrolle übernehmen. Entscheidend wird sein, ob die Strukturen am Ende ausreichend finanziert werden. Davon hängt nicht nur die Qualität der Versorgung ab, sondern teilweise auch das Überleben vieler Kliniken.“

Prof. Christian Karagiannidis, Köln-Merheim

Prävention als entscheidender Hebel

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