Im Alter kippt das Darmmikrobiom aus dem Gleichgewicht – mit Folgen für Stoffwechsel, Frailty und Mortalität. Ein Forschungsteam aus Jena liefert dafür eine neue Erklärung: Nicht die Mikroben selbst treiben die Dysbiose, sondern eine nachlassende Immunüberwachung. Verliert das alternde Immunsystem seine Fähigkeit, dominante Taxa gezielt einzudämmen, expandieren opportunistische Spezies und die mikrobielle Vielfalt bricht zusammen. Der Ansatz legt nahe, dass Probiotika und fäkale Mikrobiotatransplantationen bei älteren Menschen nur dann wirksam sein können, wenn gleichzeitig die mukosale Immunüberwachung gestärkt wird.
Alterndes Immunsystem verliert Kontrolle über das Darmmikrobiom
Das Darmmikrobiom bleibt über weite Strecken des Lebens bemerkenswert stabil – und kippt im Alter dennoch fast regelhaft aus dem Gleichgewicht. Die Folgen reichen von metabolischer Dysfunktion über Frailty bis zu einer erhöhten Mortalität. Was diesen späten Kollaps antreibt, ist bislang unklar. Ein Team des Leibniz-Instituts für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena schlägt in „PLoS Biology“ nun einen Perspektivwechsel vor: Nicht die Mikroben selbst verändern sich primär, sondern der Wirt verliert die Fähigkeit, ihre Zusammensetzung aktiv zu regulieren.
„Das Altern betrifft nicht nur den Wirt selbst, sondern verändert auch die Art und Weise, wie das Immunsystem mit den ansässigen Mikroben interagiert. Unsere Arbeit legt nahe, dass der allmähliche Verlust der immunologischen Kontrolle ein wesentlicher Treiber für die Instabilität des Mikrobioms im Alter sein könnte.“
— Dr. Siqi Liu, Jena, Erstautor der Studie
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