Startseite Alle Beiträge Gynäkologie Assistierte Reproduktion und hormonabhängige Krebserkrankungen: Signal oder Störgröße?
Kleines Risiko, große Unsicherheit

Assistierte Reproduktion und hormonabhängige Krebserkrankungen: Signal oder Störgröße?

|von Christine Zilinski

Erhöhen ART, intrauterine Insemination oder Clomifencitrat das Risiko für hormonabhängige Tumoren? Eine australische Kohortenstudie mit rund 1,75 Millionen Frauen liefert differenzierte Antworten: Zwar zeigen sich für Mamma-, Ovarial-, Uterus- und Schilddrüsenkarzinome erhöhte Hazard Ratios nach reproduktionsmedizinischer Behandlung – die Absolutzahlen bleiben jedoch klein. Vieles spricht dafür, dass Detektionsbias und nicht erfasste Confounder wie Endometriose oder PCOS die beobachteten Assoziationen zumindest teilweise erklären.

Pärchen hält Händchen beim Arzt
Hormonelle Stimulation im Rahmen der assistierten Reproduktion: Das Risiko für hormonabhängige Karzinome ist absolut betrachtet gering und wird durch Confounder mitgeprägt. (© Chinnapong/stock.adobe.com)

Die Sorge, dass hormonelle Stimulationen im Rahmen einer künstlichen Befruchtung das Risiko für hormonabhängige Krebserkrankungen erhöhen könnten, begleitet die Reproduktionsmedizin seit Jahrzehnten. Biologisch erscheint dies plausibel: In der Regel kommen Gonadotropin-Releasing-Hormon-Analoga, follikelstimulierendes Hormon, humanes Choriongonadotropin, Progesteron, Östrogene sowie Clomifencitrat oder Letrozol zum Einsatz. Zusätzlich wird für die assistierte Reproduktionstechnologie (ART) diskutiert, ob wiederholte Follikelpunktionen im Sinne der „incessant ovulation“-Hypothese die Karzinogenese am Ovarepithel begünstigen könnten. Randomisierte Studien scheiden aus ethischen Gründen aus, Beobachtungsstudien liefern heterogene Ergebnisse – nicht zuletzt, weil zentrale Confounder wie die zugrunde liegende Infertilitätsursache selten erfasst werden.

Artikel kostenlos freischalten und weiterlesen

Erhalten Sie unbeschränkten Zugang zu exklusiven Artikeln auf Thieme Praxis. Registrieren Sie sich jetzt kostenlos mit wenigen Klicks – oder nutzen Sie Ihren bestehenden Thieme Account.


Mehr zum Thema