Startseite Alle Beiträge Innere Medizin Mechanismen des Atemversagens bei AML entschlüsselt
Pulmonale AML-Infiltration

Mechanismen des Atemversagens bei AML entschlüsselt

|von Beatrice Hamberger

Bei akuter myeloischer Leukämie (AML) ist Atemversagen eine gefürchtete Komplikation. Eine aktuelle Analyse zeigt, wie Leukämiezellen die Alveolarwand durchbrechen, fibrotischen Umbau auslösen und die Immunabwehr in der Lunge kippen. Prednison bessert die Lungenfunktion binnen Stunden und mit Lgals9 und IL-33 rücken 2 neue Targets in den Fokus.

Alveolen und Kapillaren im Detail
Bei akuter myeloischer Leukämie dringen Leukämiezellen über die feinen Blutgefäße der Alveolarwand in das Lungengewebe ein und stören den Gasaustausch. (© peterschreiber.media/stock.adobe.com)

Atemversagen gehört zu den gefürchteten Komplikationen einer akuten myeloischen Leukämie (AML). Ursache ist in aller Regel, dass AML-Zellen in die Lunge eindringen und Lungengewebe zerstören. Wie das genau geschieht, war bislang nicht gut verstanden. Nun haben Wissenschaftler unter Leitung der NYU Langone Health detailliert die dahinterliegenden Mechanismen beschrieben und neue therapeutische Targets ausfindig machen können.

Tückischer Umbau von Lungengewebe

Durch die Untersuchung von Lungenschnitten aus Mäusen sowie Gewebeproben von Patienten mit einer leukämischen Beteiligung der Lunge stellten die Wissenschaftler fest, dass AML-Zellen über die feinen Blutgefäße der Alveolarwand in das Lungengewebe eindringen und anschließend in das Bindegewebe (Stroma) austreten. Dort führt eine durch die Krebszellen erhöhte Zahl von Fibroblasten zur Bildung von fibrotischem Gewebe. Darüber hinaus wurde ein deutlicher Rückgang endothelialer Kapillar-Aerozyten beobachtet. Beide Befunde erklären, weshalb Atmung und Sauerstoffaustausch zwischen Lunge und Blutkreislauf bei den Betroffenen erheblich beeinträchtig sind.

Zudem verändern die durch die AML ausgelösten strukturellen Veränderungen die Zusammensetzung der Immunzellen in der Lunge verändern. Krebsbekämpfende Immunzellen wie Lymphozyten werden weniger, während die Zahl myeloischer Zellen zunahm, die die Immunabwehr bekanntlich dämpfen.

Artikel kostenlos freischalten und weiterlesen

Erhalten Sie unbeschränkten Zugang zu exklusiven Artikeln auf Thieme Praxis. Registrieren Sie sich jetzt kostenlos mit wenigen Klicks – oder nutzen Sie Ihren bestehenden Thieme Account.


Mehr zum Thema