Startseite Alle Beiträge Innere Medizin Adipositasversorgung in Deutschland: Große Lücke zwischen Leitlinie und gelebter Praxis
Deutlich ausbaufähig

Adipositasversorgung in Deutschland: Große Lücke zwischen Leitlinie und gelebter Praxis

|von Stephanie Schikora

Übergewicht und Adipositas sind in Deutschland weit verbreitet – doch die Nutzung evidenzbasierter Behandlungsangebote bleibt weit hinter den Leitlinienempfehlungen zurück: Drei von vier versuchen die Gewichtsreduktion im Alleingang, weniger als die Hälfte spricht überhaupt mit dem Hausarzt darüber, und nur ein Bruchteil nutzt strukturierte Verhaltensprogramme, digitale Gesundheitsanwendungen oder Pharmakotherapie. Bekanntheit und Interesse klaffen dabei besonders bei DiGAs deutlich auseinander.

Ärztin misst Bauchumfang eines Patienten mit Adipositas
Der Hausarzt bzw. die Hausärztin ist eine zentrale Anlaufstelle für ein strukturiertes Gewichtsmanagement bei Übergewicht und Adipositas. (© AnnaStills/stock.adobe.com – Stock photo. Posed by models)

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Drei von vier Menschen mit Übergewicht versuchen abzunehmen – ohne jede professionelle Unterstützung. Dabei sind die Folgen von Adipositas längst gut belegt: erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes, kardiovaskuläre Erkrankungen und bestimmte Tumorentitäten. Rund 19% der Erwachsenen in Deutschland sind betroffen, mehr als die Hälfte lebt mit Übergewicht.

Die nationale S3-Leitlinie empfiehlt als erste Stufe strukturierte multimodale Verhaltensprogramme aus Ernährung, Bewegung und Verhaltensänderung, ergänzt durch Pharmakotherapie oder bariatrische Chirurgie – doch wie viele Betroffene diese Angebote tatsächlich kennen und nutzen, war bislang kaum untersucht. Eine Arbeitsgruppe um Dr. Laura Kudlek, Mannheim, hat sich dieser Frage nun mit einer repräsentativen Online-Befragung angenommen.

Gewichtsmanagement meist im Alleingang

85,8% der Befragten hatten bereits Gewichtsreduktionsversuche unternommen – bei Adipositas sogar 90,6%. Allerdings erfolgten 75,1% dieser Versuche rein eigeninitiativ, ohne professionelle Begleitung. Nur 15,7% suchten ärztliche Unterstützung, 11,6% wandten sich an anderes medizinisches Fachpersonal. Entsprechend ernüchternd waren die Langzeitergebnisse: 37,0% hatten das reduzierte Gewicht teilweise, 33,9% vollständig wieder zugenommen, und lediglich 18,2% konnten die Gewichtsabnahme halten.

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