Der Thymus gilt bei Erwachsenen oft als Organ ohne große Bedeutung. Eine unbeabsichtigte Mitbestrahlung des Immunorgans schwächt bei NSCLC-Patienten jedoch die Immunabwehr und verschlechtert die Prognose: Das Risiko für Fernmetastasen steigt deutlich. Experten fordern deshalb einen besseren „Strahlenschutz“ des Immunorgans.
Bestrahlung des Thymus hat Folgen für Lungenkrebspatienten
Ist der Thymus im Erwachsenenalter wirklich nicht mehr so wichtig? Eine Studie legt nahe, dass das kleine Organ in Lungennähe jenseits der Pubertät eine größere Rolle in der Immunabwehr spielen könnte als bislang gedacht. In der Studie analysierten Forschende um Harvard-Professor Hugo Aerts, boston (Massachusetts, USA), die Daten von 1.107 Patienten mit nichtkleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) und stellten dabei eine Besonderheit fest: Patienten, deren Thymus während der Krebsbehandlung unbeabsichtigt einer Bestrahlung ausgesetzt war, hatten ein erhöhtes Risiko für Metastasierung und für einen Tod infolge ihrer Lungenkrebserkrankung.
Drei Kohorten mit über 1.000 Lungenkrebspatienten analysiert
Die Analyse umfasste Patienten aus 3 Kohorten, die eine Radiochemotherapie erhalten hatten, darunter Teilnehmende der Phase-III-Studie RTOG-0617 (n = 460) sowie 2 unabhängige Real-World-Kohorten mit Patienten, die entweder allein mit einer Radiochemotherapie (n = 422; HARVARD-CRT) oder in Kombination mit einer nachfolgenden Immuntherapie (n = 225; HARVARD-DURVA) behandelt wurden. Die Thymusfunktion wurde mithilfe eines Deep-Learning-Systems quantifiziert, das radiografische Merkmale des Thymus als Surrogat für die Thymusfunktion beurteilte. Zur Messung der Strahlenexposition des Thymus wurde die mittlere Thymusdosis (MTD) verwendet.
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