Mehr als 20 Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer Fettleber – meist unentdeckt bis zu Zirrhose oder Leberversagen. Ein gemeinsames Strategiepapier von Gastroenterologie, Diabetologie und Kardiologie fordert nun strukturierte Früherkennung per FIB-4-Score, breiteren Zugang zur Leberelastografie und die Verankerung der Lebergesundheit in der nationalen Präventionsstrategie.
Fettleber-Erkrankung: Fachgesellschaften fordern bessere Früherkennung mit FIB-4-Score
Fettleber als unterschätzte Volkskrankheit mit gravierenden Folgen
Immer mehr Menschen entwickeln eine Fettleber, vor allem als Folge von Übergewicht, Bewegungsmangel und ungesunder Ernährung. Schon heute sind mehr als 20 Millionen Menschen von der Erkrankung betroffen, die zum Spektrum der metabolischen Lebererkrankung (MASLD) gehört.
„Eine Fettleber-Erkrankung verursacht meist über Jahre keine Beschwerden und bleibt daher lange unentdeckt.“
Prof. Dr. med. Heiner Wedemeyer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung und DGVS-Präsident
Die Folgen können jedoch gravierend sein: Sie reichen von chronischen Entzündungen über Leberzirrhose bis hin zu Leberkrebs und Leberversagen.
Prävention der Fettleber wirkt gegen weitere Volkskrankheiten
Die Leber ist eng in zahlreiche Stoffwechsel im menschlichen Körper involviert und spielt eine Schlüsselrolle bei Energiehaushalt, Immunfunktion und Entgiftung. Erkrankungen des Stoffwechsels wie Diabetes oder des Herzkreislauf-Systems haben daher auch oft Wechselwirkungen mit der Leber. „Wer die Fettleber-Prävention stärkt, tut zugleich etwas gegen viele andere große Volkskrankheiten unserer Zeit wie Adipositas, Diabetes oder Herzkreislauf-Erkrankungen“, sagt Professorin Dr. med. Elke Roeb, Vorsitzende des Kuratoriums der Deutschen Leberstiftung.
„Heute in Prävention zu investieren, ist der beste Weg, um Gesundheitsausgaben der Zukunft zu sparen.“
Prof. Dr. med. Birgit Terjung, Mediensprecherin der DGVS und Chefärztin der Abteilung Innere Medizin/Gastroenterologie, GFO Klinikum Bonn
Dies dürfe auch vor dem Hintergrund der aktuellen Debatten um Einsparungen im Gesundheitswesen nicht aus dem Blick geraten.
Breites Bündnis fordert politisches Handeln
Das Strategiepapier hat die DGVS gemeinsam mit der Deutschen Adipositas-Gesellschaft, der Deutschen Diabetes Gesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin, der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, dem Berufsverband Niedergelassener Gastroenterologen Deutschlands, der Deutschen Leberstiftung und der Deutschen Leberhilfe e. V. erarbeitet. Die Verbände fordern von der Politik mehr Anstrengungen im Bereich Prävention, Maßnahmen zur Verbesserung der Früherkennung sowie die Sicherstellung der leitliniengerechten Versorgung.
Die Forderungen in Kürze
Lebergesundheit soll fest in der nationalen Präventionsstrategie verankert werden, begleitet von verbindlicher Verhältnisprävention für gesündere Ernährung und mehr Bewegung im Alltag. Hierzu zählen unter anderem die Lebensmittel-Ampel, die Zuckersteuer und mehr Bewegungsangebote in Kita, Schule und Arbeitswelt.
Fettlebererkrankungen sollen durch eine strukturierte Leberdiagnostik im Gesundheits-Check-up und den Einsatz des sogenannten FIB-4-Scores früher erkannt werden. Mit diesem einfachen Blutwert-basierten Test können Ärztinnen und Ärzte das Risiko für fortgeschrittene Leberschäden besser einschätzen und rechtzeitig gegensteuern.
Menschen mit erhöhtem Risiko sollen schneller Zugang zu modernen Diagnoseverfahren wie der ultraschallbasierten Leberelastographie erhalten, die Auskunft über mögliche Leberschäden gibt. Zudem sollen Leberdiagnostik und leitliniengerechte Therapien fest in die Disease-Management-Programme für Adipositas und Typ-2-Diabetes integriert werden.
Um die Auswirkungen bestehender Strategien zur Prävention, Früherkennung und Behandlung der Fettleber bewerten und weiterentwickeln zu können, sollen vernetzte Forschungsstrukturen, klinische Studien und gesundheitsökonomische Analysen gezielt gefördert werden.
Unterschätzte Volkskrankheit
Mit über 20 Millionen Betroffenen zählt die Fettleber zu den unterschätzten Volkskrankheiten – mit erheblichen Folgen für Leberzirrhose-, Leberkrebs- und Herz-Kreislauf-Risiko. Der FIB-4-Score und die Leberelastografie sollten konsequenter eingesetzt, Risikopatienten mit Adipositas oder Typ-2-Diabetes systematisch gescreent werden. Die geforderte Integration in DMP und Check-up würde Gastroenterologie, Diabetologie und Kardiologie enger verzahnen.