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Apotheken im Krisenmodus

Apothekensterben in Deutschland: Verbände hoffen auf Trendwende durch neue Aufgaben

Trotz 113 Schließungen seit Januar setzen die Apothekerverbände auf neue pharmazeutische Dienstleistungen, mehr Impfungen und höhere Honorare. Vor dem Deutschen Apothekertag warnt Abda-Präsident Preis zugleich vor Versandapotheken aus dem Ausland – von Euphorie könne trotz erster Lichtblicke keine Rede sein.

Das Logo einer Apotheke ist an einer Hausfassade über dem Geschäft zu sehen
Apotheken in Deutschland unter Druck: Rotes Apotheken-A neben grünem Kreuz an einer Fassade – Symbol für die angespannte Lage der Vor-Ort-Apotheken. (© Marcus Brandt/dpa)

Apothekensterben hält an: 113 Betriebe weniger seit Jahresbeginn

Die Apothekerverbände setzen im Kampf gegen sinkende Mitgliederzahlen auf neue Angebote. Ende Juni gab es nach Angaben des Branchen-Dachverbandes der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (Abda) deutschlandweit noch 16.488 Apotheken, seit Jahresbeginn war das ein Rückgang um 113 Apotheken. Um dem entgegenzuwirken, wollten die Apotheken «immer mehr auch für die Gesundheitsversorgung» zuständig sein und nicht nur für die Abgabe von Medikamenten, sagte der Abda-Präsident Thomas Preis vor dem Deutschen Apothekertag, der heute in München beginnt.

Der Druck auf die Branche kommt dabei aus mehreren Richtungen: Erst kürzlich hatte die schwarz-rote Koalition im Rahmen ihres Sparpakets bei den Gesundheitsausgaben die Informationspflicht der Krankenkassen bei steigenden Zusatzbeiträgen gestrichen – ein Signal, wie stark der Reformdruck im gesamten Gesundheitswesen mittlerweile ist. Auch die explodierenden Pflegekosten und die angespannte Finanzlage der Sozialkassen belasten das Umfeld, in dem sich die Apotheken behaupten müssen.

Die Entscheidung der Bundesregierung, die Vergütung für die Abgabe verschreibungspflichtiger Arzneien an Kassenpatienten in zwei Schritten anzuheben, sei positiv, sagte Preis. Nach 13 Jahren ohne Erhöhung sei dieser Schritt überfällig gewesen. Diese Entscheidung habe dazu beigetragen, dass sich die Einschätzung der Apothekenbetreiber zu ihrer wirtschaftlichen Lage aufgehellt habe. Bei einer Befragung durch die Abda gaben zuletzt 38 Prozent an, sie erwarteten eine Verschlechterung. Vor zwei Jahren hatten noch 63 Prozent eine schlechtere Entwicklung erwartet. «Von Euphorie kann man aber noch nicht reden», sagte Preis.

Pharmazeutische Dienstleistungen als Rettungsanker

Aufwind für traditionelle Apotheken erhofft sich der Dachverband durch neue sogenannte «pharmazeutische Dienstleistungen». Bislang bieten Apotheken unter anderem Schulungen für den Umgang mit Inhalationsgeräten an oder sie beraten Patienten, die eine große Zahl von Medikamenten nehmen. Dafür erhalten sie von den gesetzlichen Krankenkassen jeweils ein Honorar. Künftig sollen Apotheken unter anderem aber auch Beratungen zur Raucherentwöhnung, Blutabnahmen und deutlich mehr Impfungen anbieten.

Warnungen von Ärzteverbänden, Apotheken würden ihre Kompetenzen überschreiten, wies Preis zurück. Seine Kolleginnen und Kollegen wüssten, was sie und ihr Personal nach entsprechender Fortbildung erbringen könnten und was nicht. Er betonte: «Wir sind keine Arztpraxis light.»

Versandapotheken aus dem Ausland verschärfen Wettbewerb

Eine immer größere Bedrohung für traditionelle Apotheken sieht die Abda in der Konkurrenz durch Versender, die ihren Sitz im Ausland haben. Die Politik müsse verbieten, dass Versandapotheken die Zuzahlung bei Kassenrezepten übernehmen und damit Werbung machen, forderte Preis. Für deutsche Apotheken ist ein solcher Erlass der Zuzahlungen verboten. Wenn Versender Patienten Preisvorteile böten, gehe es ihnen nur darum, zusätzliche Marktanteile zu gewinnen, kritisierte Preis: «Die sind nur dem Umsatz verpflichtet und nicht der Versorgung.»

Fazit

Für niedergelassene Fachärzte ist die Entwicklung doppelt relevant: Zum einen droht mit dem anhaltenden Apothekensterben eine Ausdünnung der wohnortnahen Versorgungsstruktur, zum anderen rücken Apotheken mit Impfungen, Blutabnahmen und pharmazeutischen Dienstleistungen näher an klassische Praxisleistungen heran. Wer die Schnittstellen frühzeitig klärt und Kooperationen aktiv gestaltet, kann Reibungsverluste in der Patientenversorgung vermeiden.


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