Männer und Frauen reagieren unterschiedlich auf Immun-Checkpoint-Inhibitoren: Während Männer von ICI-Monotherapien stärker profitieren, zeigen Frauen Vorteile bei Chemo-Immuntherapien – tragen aber generell ein deutlich höheres Risiko für schwere Nebenwirkungen. Eine geschlechtersensible Onkologie wird damit zur klinischen Notwendigkeit.
Geschlecht bestimmt Wirksamkeit und Nebenwirkungen von Checkpoint-Inhibitoren
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Das Immunsystem ist abhängig von chromosomaler Ausstattung, Hormonen sowie Umgebungs- und Verhaltensfaktoren und zeigt große Unterschiede zwischen den Geschlechtern, konstatiert Dr. Kathrin Heinrich, München. Insgesamt haben Frauen das aktivere Immunsystem. An seiner Regulierung sind auch mehr Gene beteiligt als bei Männern.
Aktiveres Immunsystem bei Frauen – mit Folgen für die Therapie
So finden sich bei Frauen etwa mehr Makrophagen, die zudem verstärkt Antigene präsentieren, und auch mehr dendritische Zellen. Die Anzahl von CD4+-T-Zellen ist bei Frauen ebenso höher wie die C4/CD8 T-Zell-Ratio. Lediglich bei der Anzahl regulatorischer T-Zellen und der Zahl von CD8+-Zellen liegen die Männer vorn. Bei Anzahl und Antikörper-Response von B-Zellen hingegen sind Frauen wieder im Vorteil. Gleichzeitig wird ein wesentlicher Teil der suppressiven Einflüsse auf das Immunsystem durch Androgenrezeptoren vermittelt [1].
Diese Unterschiede spielen eine erhebliche Rolle für die Entwicklung von Krankheiten: Frauen haben aufgrund ihres aktiveren Immunsystems ein höheres Risiko für Autoimmunerkrankungen und zeigen meist eine stärkere Impfantwort. Männer erkranken häufiger an den meisten Infektionen sowie an Krebs und sterben auch eher daran.
ICI-Monotherapie oder Chemo-Immuntherapie: Wer profitiert wovon?
Dass sich diese Unterschiede im Immunsystem auch auf die Wirksamkeit von Immun-Checkpoint-Inhibitoren (ICI) auswirken, ist bereits seit einiger Zeit bekannt [2]. Damals wurde im Rahmen einer Metaanalyse die Sterbewahrscheinlichkeit im Umfeld einer ICI-Therapie geschlechtergetrennt ausgewertet, insbesondere bei ICI-Therapie von Melanomen und nicht kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC). Weitere Tumorentitäten wie Mesotheliom, Magen- und Nierenzellkarzinom sowie Urothelkarzinome waren in geringem Umfang ebenfalls vertreten.
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