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Weltkrebstag 2026

DGVS fordert präzisere Vorsorgepfade für Bauchspeicheldrüsenkrebs

Anlässlich des Weltkrebstags 2026 betont die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), dass die Prävention und Früherkennung des Pankreaskarzinoms neu gedacht werden müssen – mit einem klaren Fokus auf Menschen mit erhöhtem Risiko und strukturierte, personalisierte Vorsorgeprogramme.

Tablet mit Aufschrift Pankreaskarzinom
Nur etwa zehn Prozent der Betroffenen überleben die ersten fünf Jahre nach Diagnose eines Pankreaskarzinoms – ein Grund, warum die DGVS gezielte Präventionsstrategien fordert. (© Stockwerk-Fotodesign/stock.adobe.com)

Das Pankreaskarzinom hat trotz intensiver Bemühungen der Forschung, die Früherkennung und Versorgung zu verbessern, nicht an Schrecken verloren. Nach wie vor führt diese aggressive Krebsart bei den meisten Betroffenen rasch zum Tod. Hinzu kommt: Die Zahl der Neuerkrankungen steigt kontinuierlich – bis 2030 wird das Pankreaskarzinom voraussichtlich die zweithäufigste Krebstodesursache in Deutschland sein. „Aktuell sind klassische Früherkennungsprogramme für die Bevölkerung leider nicht sinnvoll“, sagt Professor Dr. med. Patrick Michl, Ärztlicher Direktor der Klinik für Gastroenterologie am Universitätsklinikum Heidelberg. „Anders als etwa beim Darmkrebs gibt es keine gut sichtbaren Vorstufen, die sich mit einfachen Untersuchungen erfassen lassen.“ Der Experte fordert daher, Präventions- und Früherkennungsmaßnahmen für Bauchspeicheldrüsenkrebs neu auszurichten.

Hochrisikogruppen gezielt identifizieren

Ziel müsse es sein, Menschen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko gezielt zu identifizieren, sodass sie eine spezialisierte Versorgung erhalten können, so der Experte. „Wir brauchen nicht mehr Diagnostik für alle mit der Gießkanne, sondern eine präzise Risikostratifizierung“, fordert der Krebsexperte. Die aktuellen DGVS-Leitlinien sehen bereits eine strukturierte Überwachung insbesondere für Menschen mit deutlich erhöhtem Risiko vor. „Wenn in der Familie bereits mehrere Fälle von Pankreaskrebs aufgetreten sind, bestimmte genetische Tumorsyndrome vorliegen oder Menschen an einer erblichen oder dauerhaft bestehenden Entzündung der Bauchspeicheldrüse leiden, sollten sie in spezielle Vorsorgeprogramme aufgenommen werden“, sagt auch Professor Dr. med. Thomas Seufferlein, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin I am Universitätsklinikum Ulm. Auch bestimmte zystische Veränderungen der Bauchspeicheldrüse können mit einem erhöhten Krebsrisiko einhergehen und sollten überwacht werden.

„In der klinischen Praxis sehen wir, dass diese Hochrisikokonstellationen häufig zu spät erkannt oder nicht konsequent begleitet werden“, beschreibt der Experte die aktuelle Lage. Dabei stünden mit der Magnetresonanztomographie oder dem endoskopischen Ultraschall geeignete Verfahren zur Verfügung, um gefährdete Patientinnen und Patienten engmaschiger zu betreuen – vorausgesetzt, sie werden als solche identifiziert.

Präventions- und Früherkennungslücken liegen vor allem im System

Nach Einschätzung der DGVS bestehen die größten Defizite nicht im medizinischen Wissen, sondern in den Versorgungsstrukturen. Genetische Ursachen bleiben bei vielen Erkrankungen unerkannt, Angehörige werden nicht systematisch in Präventionsstrategien einbezogen und die Finanzierung genetischer Testungen ist unzureichend geregelt. Zudem fehlen bundesweite Register, dieRisikogruppen erfassen und bei der wissenschaftlichen Evaluation bestehender Präventionsansätze helfen.

„Die Leitlinienempfehlungen sind klar – ihre Umsetzung scheitert jedoch häufig an strukturellen Hürden“, sagt Professorin Dr. med. Birgit Terjung, Mediensprecherin der DGVS aus Bonn. „Gezielte Prävention bei Hochrisikogruppen ist medizinisch sinnvoll und langfristig auch ökonomisch deutlich effizienter als die Behandlung fortgeschrittener Krebserkrankungen.“

Gezielte Prävention als Zukunftsmodell

Die Prävention des Pankreaskarzinoms braucht zielgenaue Maßnahmen. Dazu gehören der Ausbau registerbasierter Forschung, eine systematischere genetische Diagnostik sowie die Entwicklung neuer Modelle zur individuellen Risikoabschätzung – perspektivisch auch unter Nutzung künstlicher Intelligenz. Ziel ist es, gefährdete Personen früher zu erkennen und ihnen passgenaue Präventions- und Überwachungsangebote zu machen.

„Anlässlich des Weltkrebstags erinnern wir daran, dass Prävention nicht für jede Krebserkrankung gleich aussehen kann“, so Terjung. „Beim Pankreaskarzinom müssen wir weg vom Gießkannenprinzip und hin zu einer gezielten, evidenzbasierten Strategie. Nur so lässt sich die Prognose dieser Erkrankung langfristig verbessern.“


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