Startseite Alle Beiträge Innere Medizin Infektionen bei Diabetes – ein unterschätztes Risiko mit potenziell tödlichen Folgen
Dritthäufigste Todesursache

Infektionen bei Diabetes – ein unterschätztes Risiko mit potenziell tödlichen Folgen

|von Stephanie Schikora

Infektionen bei Diabetes werden noch immer unterschätzt, dabei sind sie häufig, verlaufen oft schwer und sind nicht selten tödlich – sowohl bei Typ-1- als auch bei Typ-2-Diabetes und Prädiabetes. Bei Typ-2-Diabetes sind Infektionen – nach Herzerkrankungen und Krebs – sogar die dritthäufigste Todesursache. Entscheidend ist dabei nicht nur der HbA1c-Wert an sich, sondern auch seine Variabilität. Umso wichtiger erscheint eine effiziente Glukosekontrolle und die Früherkennung von Infektionen in der täglichen Praxis. Auch in den Leitlinien sollte das Infektionsmanagement stärker zum Tragen kommen.

Eine 3D-Illustration verschiedener blauer und violetter Viren und Bakterien auf dunkelblauem Hintergrund
Infektionen sind eine erhebliche, bislang unterschätzte Komplikation bei Diabetes und Prädiabetes – mit relevanter Sterblichkeit bereits in jüngeren Altersgruppen. (©Siberian Art - stock.adobe.com)

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Infektionen zählen zu den lange unterschätzten Komplikationen bei Diabetes mellitus. Während sich die Prävention und Therapie kardiovaskulärer Folgeerkrankungen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert hat, rücken Infektionen als relevante Belastungsquelle zunehmend in den Fokus – und das nicht ohne Grund: Chronisch erhöhte Blutglukosewerte beeinträchtigen zentrale Mechanismen der angeborenen und adaptiven Immunabwehr – von der gestörten Neutrophilenfunktion über eine verminderte Chemotaxis bis hin zur reduzierten Phagozytosekapazität. Hinzu kommen diabetesassoziierte Komorbiditäten wie Neuropathie und Mikrozirkulationsstörungen, die Infektionen begünstigen und deren Verlauf verschlechtern.

Wie hoch die Brisanz des Themas ist, machen folgende Zahlen deutlich: Global entfallen laut Global Burden of Disease Study 2019 etwa 28% der krankheitsbedingten Verluste an Lebenszeit (DALYs, disability-adjusted life years) auf Infektionskrankheiten – parallel dazu leben weltweit rund 549 Millionen Menschen mit Diabetes, Tendenz steigend. 2045 könnten schätzungsweise bereits 852 Millionen betroffen sein. Auch die Prädiabetes-Prävalenz nimmt zu, und es mehren sich Hinweise auf eine erhöhte Mortalität in dieser Gruppe.

Merke

Infektionen sind bei Typ-1- und Typ-2-Diabetes häufiger, schwerer und tödlicher als lange angenommen – und werden in aktuellen Leitlinien nur unzureichend adressiert.

Große Matched-Cohort-Analyse aus dem britischen Primärversorgungsregister

Eine britische Arbeitsgruppe um Julia A. Critchley hat auf Basis der Clinical Practice Research Datalink (CPRD) mit verknüpften Krankenhaus- und Sterbedaten das Infektionsrisiko bei über 800.000 Menschen mit Diabetes oder Prädiabetes systematisch untersucht – und dabei erstmals auch die Rolle der HbA₁c-Variabilität differenziert nach Diabetestyp analysiert.

Eingeschlossen wurden Patientinnen und Patienten, die Anfang 2015 registriert waren: Zum einen waren dies über 30.000 mit Typ-1-Diabetes (mittleres Alter 52,9 Jahre, 57,4% Frauen), zum anderen flossen Daten von über 500.000 Menschen mit Typ-2-Diabetes (67,5 Jahre, 55,8% Frauen) in die Anayse ein. Über 270.000 mit Prädiabetes (65,0 Jahre, 51,6% Frauen) komplettierten die Studienkohorte. Jede Person wurde nach Alter, Geschlecht und Ethnizität mit 2 Kontrollen ohne Diabetes gematcht und bis Ende 2019 nachverfolgt.

Erfasst wurden 3 Ebenen:

  1. Infektionsdiagnose in der Primärversorgung mit begleitender Verordnung innerhalb von 2 Wochen,
  2. stationäre Aufnahme mit Infektion als Hauptdiagnose und
  3. Infektion als zugrunde liegende Todesursache.

Adjustiert wurde für Rauchstatus, Komorbiditäten und sozioökonomische Deprivation. Für die Analyse des HbA₁c wurden Mittelwert und die Schwankung des HbA₁c-Werts zwischen den Messzeitpunkten (HbA₁c-Variabilitätsscore, HVS) aus mindestens 4 Messungen im Zeitraum 2011–2014 berechnet.

Deutlich erhöhtes Infektionsrisiko in allen Diabetesformen

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