Startseite Alle Beiträge Innere Medizin Zwei Drittel der pHPT-Patienten entwickeln Endorganschäden – Operation bleibt selten
Unterschätzte Krankheitslast

Zwei Drittel der pHPT-Patienten entwickeln Endorganschäden – Operation bleibt selten

|von Stephanie Schikora

Der primäre Hyperparathyreoidismus gilt vielfach als harmlose Zufallsdiagnose – doch eine große US-Kohortenstudie mit über 43.000 Betroffenen zeichnet ein anderes Bild: Bereits bei Diagnosestellung weist jeder Zweite Skelett- oder Nierenschäden auf, ein weiteres Drittel entwickelt sie im Verlauf. Obwohl die Parathyreoidektomie das Frakturrisiko nachweislich um 24–63% senkt und die Vorteile die Risiken klar überwiegen, wird nur jeder fünfte Patient mit Endorganschaden operiert.

Holografische 3D-Darstellung der Schilddrüse und Nebenschilddrüsen über den ausgestreckten Händen einer Person in medizinischer Kleidung.
Primärer Hyperparathyreoidismus: Skelett- und Nierenschäden bleiben oft unerkannt, während eine operative Entfernung der Nebenschilddrüsen zu selten durchgeführt wird. (© Aliaksandr Marko/stock.adobe.com)

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Ein Hormon im Überschuss: Der primäre Hyperparathyreoidismus (pHPT) betrifft rund eine von 400 Frauen und einen von 1200 Männern und ist für über 90% aller chronischen Hyperkalzämien verantwortlich. Trotz oft symptomarmer Verläufe kann die dauerhaft erhöhte Parathormon- und Kalziumkonzentration schleichend Schäden an Niere und Skelett verursachen – von Osteoporose über atraumatische Frakturen und Nierensteine bis hin zur chronischen Niereninsuffizienz (CKD).

Die einzige kurative Therapie ist die Parathyreoidektomie, ein komplikationsarmer ambulanter Eingriff. Dennoch werden viele Patientinnen und Patienten lediglich beobachtet – auch weil der pHPT vor allem bei milder biochemischer Ausprägung als Erkrankung mit einem nur geringen Risikopotenzial gilt. Wie hoch die Morbiditätslast unter dieser abwartenden Strategie aber tatsächlich ist, war bislang unklar. Ein umfassenderes Verständnis des Morbiditätsspektrums sowie der Wahrscheinlichkeit einer Krankheitsprogression ohne Operation ist jedoch entscheidend: Nur so ist eine fundierte Beratung Betroffener möglich.

Große US-Kohorte mit biochemisch gesicherter Diagnose

Abhilfe geschaffen hat jetzt ein Team um Dr. Lia D. Delaney, Palo Alto (Kalifornien, USA) mit ihrer Analyse von Daten von 43.399 Erwachsenen, bei denen zwischen 2010 und 2023 erstmals biochemisch ein primärer Hyperparathyreoidismus diagnostiziert worden war. Definiert war dieser als erhöhtes Parathormon (>65 pg/ml) innerhalb eines Monats nach einem zweiten erhöhten Kalziumwert (Serumkalzium >10,2 mg/dl bzw. ionisiertes Kalzium >1,3 mmol/l). Patienten mit sekundärem oder tertiärem Hyperparathyreoidismus wurden ausgeschlossen.

Die Kohorte war zu 78% weiblich, das mittlere Alter lag bei 67,9 Jahren – ein Profil, das den typischen pHPT-Patienten plastisch vor Augen führt: meist ältere Frauen, oft mit unauffälligen Beschwerden. Das mittlere Serumkalzium betrug 10,5 mg/dl, das mittlere Parathormon 115,3 pg/ml. Als Endorganschäden definierten die Autoren Osteoporose, atraumatische Frakturen (Wirbelkörper, Hüfte, Humerus oder Unterarm), Nierensteine sowie eine chronische Niereninsuffizienz ab Stadium 3 – also genau jene Komplikationen, die schleichend entstehen und oft erst spät erkannt werden. Nachbeobachtet wurde jeder Patient bis zur Parathyreoidektomie oder zum letzten dokumentierten Kontakt.

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