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Armut prägt Biologie

Soziale Ungleichheit beschleunigt die biologische Alterung messbar

Niedriger sozioökonomischer Status und Diskriminierung hinterlassen tiefe Spuren im Epigenom: Die bislang größte Metaanalyse mit fast 66.000 Personen aus 140 Studien bestätigt, dass soziale Benachteiligung die biologische Alterung beschleunigt – nachweisbar bereits im Kindesalter und besonders deutlich mit epigenetischen Uhren der neuesten Generation.

DNA-Doppelhelix, die sich durch ein grünes, naturähnliches Umfeld zieht; integriert ist ein analoge Wecker
Moderne epigenetische Messmethoden zeigen, dass Armut und Diskriminierung das biologische Altern messbar beschleunigen. (© cooperr/stock.adobe.com)

Soziale Ungleichheit – etwa Armut und Rassismus – hängt mit der biologische Alterung zusammen, so eine aktuelle Studie eines Teams der Max-Planck-Forschungsgruppe Biosozial am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Zusammenarbeit mit der Columbia University in New York. Ermittelt haben dies die Forscher anhand des Epigenoms: Denn „epigenetische Uhren“ analysieren Muster chemischer Markierungen auf der DNA, um das biologische Alter einer Person oder die Geschwindigkeit, mit der ihr Körper altert, abzuschätzen. Diese Instrumente werden von Forschenden immer häufiger genutzt, um zu untersuchen, wie Umweltfaktoren, Lebensstil und soziale Bedingungen die Gesundheit über den gesamten Lebensverlauf beeinflussen.

Epigenetische Uhren belegen Folgen sozialer Benachteiligung

Dass epigenetische Uhren empfindlich auf sozioökonomische sowie rassische oder ethnische Ungleichheiten reagieren, weiß man bereits aus früheren Einzelstudien. Da jedoch mehrere verschiedene Arten epigenetischer Uhren existieren, war bislang unklar,

  • welche Messverfahren die Auswirkungen sozialer Gesundheitsdeterminanten am besten erfassen,
  • in welchen Lebensphasen sozioökonomische Einflüsse die epigenetische Alterung besonders stark beeinflussen und
  • ob sich die Zusammenhänge nach Geschlecht oder nach technischen Faktoren – wie dem Gewebe, aus dem die epigenetischen Daten gewonnen werden – unterscheiden.

Die aktuelle Studie integriert daher Befunde aus vielen unabhängigen Untersuchungen und ermöglicht damit eine umfassende Prüfung, ob diese Zusammenhänge konsistent und robust sind.

Das Wichtigste auf einen Blick

Dritte Generation epigenetischer Uhren am sensitivsten

Die Studie offenbart ein klares und robustes Muster: Menschen, die soziale Benachteiligung erfahren, zeigen tendenziell eine schnellere biologische Alterung, und dieser Zusammenhang war am stärksten ausgeprägt bei der Nutzung der neuesten Generation epigenetischer Uhren. Uhren der 1. Generation – primär entwickelt zur Schätzung des chronologischen Alters – zeigen nur schwache Zusammenhänge mit sozioökonomischen Bedingungen. Dagegen weisen Uhren der 2. Generation, die Gesundheits- und Mortalitätsrisiken abbilden, sowie Uhren der 3. Generation, die das Tempo der Alterung messen, deutlich stärkere Zusammenhänge mit sozioökonomischen Bedingungen auf.

Frühe Lebensbedingungen wirken Jahrzehnte nach

Offenbar beeinflusst soziale Ungleichheit die biologische Alterung bereits früh im Leben: Kinder, die unter niedrigeren sozioökonomischen Bedingungen aufwachsen, weisen bereits Anzeichen einer beschleunigten biologischen Alterung auf, wenn neuere epigenetische Uhren angewendet werden. Und das setzt sich später im Leben fort: Erwachsene, die in benachteiligten Familien aufgewachsen sind, auch später im Leben biologisch schneller alternselbst Jahrzehnte nach den Belastungen in der Kindheit.

Die Forschenden hatten außerdem rassische und ethnische Unterschiede in der biologischen Alterung im Blick. Demnach war bei schwarzen Studienteilnehmern aus den einbezogenen US-amerikanischen Studien – gemessen mit Uhren der 2. und 3. Generation – eine beschleunigte biologische Alterung im Vergleich zu weißen studienteilnehmer zu sehen. Auch zwischen Latinx- und weißen Teilnehmenden bestanden Unterschiede, fielen jedoch etwas geringer aus.

Neue Ansatzpunkte für Prävention und Gesundheitspolitik

Die Ergebnisse tragen dazu bei, zu klären, welche epigenetischen Uhren am besten geeignet sind, um zu untersuchen, wie soziale und ökologische Bedingungen die biologische Alterung beeinflussen. Das Forschungsteam merkt an, dass diese Instrumente künftig auch dazu beitragen könnten, zu bewerten, ob Interventionen – etwa Programme zur Armutsbekämpfung, bildungspolitische Maßnahmen oder Gesundheitsinterventionen – die biologische Alterung verlangsamen und die langfristige Gesundheit verbessern können.


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