Wenn Methotrexat und andere konventionelle DMARDs nicht mehr ausreichen, stehen bei rheumatoider Arthritis zahlreiche Therapieoptionen zur Wahl. Doch schneidet ein JAK-Inhibitor im Versorgungsalltag ähnlich gut ab wie etablierte Biologika? Tatsächlich erzielen Tofacitinib, TNF-Inhibitoren, Abatacept und IL-6-Inhibitoren im Rahmen einer Threapieeskalation vergleichbare Remissions- und Krankheitskontrollraten, sod die Daten einer US-amerikainschen Real-World-Analyse. Unterschiede könnten erst bei bestimmten Patientengruppen wie Menschen mit Adipositas, mehrfacher Vortherapie oder begleitendem Sjögren-Syndrom relevant werden.
JAK-Inhibitor oder Biologikum – Welche Eskalation bingt den größten Nutzen?
Welches Medikament passt zu welchem Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA)? Diese Frage stellt sich im Praxisalltag immer wieder – besonders dann, wenn klassische Basistherapeutika (konventionelle synthetische DMARDs; disease modifying antirheumatic drugs) nicht mehr ausreichen. Zur Wahl stehen dann verschiedene biologische Wirkstoffe (bDMARDs) wie Tumornekrosefaktor-Inhibitoren (TNFi), Abatacept oder Interleukin-6-Inhibitoren (IL-6i), aber auch der orale Januskinase-Inhibitor (JAKi) Tofacitinib. Dass Tofacitinib in klinischen Studien wirksam ist, gilt als gesichert. Doch wie schlägt es sich im direkten Vergleich mit den etablierten Biologika unter Alltagsbedingungen – gerade bei Patienten, die bereits mehrere Vortherapien hinter sich haben?
Ein US-amerikanisches Forschungsteam hat dieser Frage nun eine umfangreiche Real-World-Analyse gewidmet. Grundlage war der OM1-PremiOM™-RA-Datensatz, der klinische Befunde und Abrechnungsdaten aus der ambulanten rheumatologischen Versorgung in den USA zusammenführt.
Merke
Die Wahl zwischen JAK-Inhibitor und Biologikum ist im Alltag selten eindeutig – belastbare Vergleichsdaten aus der Versorgungsrealität können die Therapieentscheidung erleichtern.
Hohe Vorbehandlung prägt die Ausgangslage
Für die New-User-, Active-Comparator-Studie identifizierten die Autoren Erwachsene mit rheumatoider Arthritis, die zwischen Januar 2013 und März 2024 erstmals Tofacitinib oder eines der 3 Biologika erhielten. Entscheidend für den Einschluss: Innerhalb von 45 Tagen vor Therapiestart musste mindestens ein dokumentierter Wert des Clinical Disease Activity Index (CDAI) vorliegen. Diese Hürde war hoch – rund 80% der ursprünglich infrage kommenden Patienten mussten deshalb ausgeschlossen werden.
Übrig blieb dennoch eine ansehnliche Kohorte:
- 3.681 Patienten unter Tofacitinib
- 11.667 Patienten unter TNF-Inhibitoren
- 3.528 Patienten unter Abatacept
- 2.464 Patienten unter IL-6-Inhibitoren
Was die Gruppen unterschied, war vor allem die Vorbehandlung. In der Tofacitinib-Gruppe hatten bereits 21,4% zuvor 2, weitere 10,2% 3 und 5,0% sogar 4 oder mehr b/tsDMARDs erhalten. In der TNFi-Gruppe waren die entsprechenden Anteile mit 8,1%, 3,0% und 2,4% deutlich niedriger, während die Patienten aus der IL-6i-Gruppe mit 25,4%, 13,7% und 10,5% noch stärker vorbehandelt war. Durchschnittlich waren die Patienten rund 58 Jahre alt, 4 von 5 waren Frauen, und etwa drei Viertel wiesen zu Studienbeginn eine moderate bis hohe Krankheitsaktivität auf.
Um diese und weitere Ausgangsunterschiede zu kompensieren, nutzten die Forscher eine Propensity-Score-Gewichtung (sIPTW). Primärer Endpunkt war das Erreichen einer CDAI-Remission (Clinical Disease Activity Index ≤ 2,8) oder einer niedrigen Krankheitsaktivität (LDA; Wert ≤ 10,0) nach 6 und 12 Monaten.
Merke
Tofacitinib wird im Versorgungsalltag häufig bei stärker vorbehandelten Patienten eingesetzt – ein wichtiger Kontext, wenn Vergleichsdaten zu Biologika interpretiert werden.
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