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Entzündliche Gelenkerkrankungen

Entzündliche (Gelenk-)Erkrankungen umfassen ein breites Spektrum immunvermittelter und kristallinduzierter Erkrankungen des Bewegungsapparats. Der Schwerpunkt liegt auf rheumatoider Arthritis, Spondyloarthritiden wie Morbus Bechterew oder Psoriasisarthritis, undifferenzierten Arthritiden sowie Kristallarthropathien wie Gicht und Pseudogicht. Ergänzt wird das Spektrum durch entzündliche Wirbelsäulen- und Weichteilerkrankungen. Die Beiträge bieten aktuelle Einblicke in Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie und unterstützen dabei, neue Erkenntnisse evidenzbasiert in die klinische Praxis einzuordnen.

Neuste Artikel

Weiße Spielsteine mit blauen Pfeilen bilden auf gelbem Hintergrund einen geschwungenen Weg. Ein abzweigender Pfad aus roten Spielsteinen endet in einem roten Stein mit weißem Kreuz und symbolisiert das gezielte Blockieren eines Signalwegs.
Entzündungstreiber mit zwei Gesichtern

Selektive IL-6-Hemmung: Ein Paradigmenwechsel in der Entzündungsmedizin?

Interleukin-6 gilt seit Jahrzehnten als zentraler Treiber chronischer Entzündungen. Doch der Botenstoff besitzt 2 Gesichter: Während ein Signalweg Gewebereparatur und Infektabwehr unterstützt, fördert ein anderer Erkrankungen wie die rheumatoide Arthritis oder Colitis ulcerosa. Bisherige Therapien blockieren beide Funktionen gleichzeitig. Sie vermitteln daher einerseits schützende Effekte, befeuern aber andereseits die chronische Entzündung. Mit dem Wirkstoff Olamkicept könnte jetzt erstmals gezielt der krankmachende Signalweg gehemmt und so Nebenwirkungen klassischer IL-6-Antikörper vermeiden werden .
Drei gestapelte Holzwürfel mit der Aufschrift „Step by Step"
Neue Biomarker sagen Schübe deutlich besser voraus

Rheumatoide Arthritis in Remission: Welche Patienten können Biologika sicher reduzieren?

Wer profitiert vom Tapering biologischer DMARDs bei rheumatoider Arthritis – und wer riskiert einen Schub? Eine spanische Arbeitsgruppe hat 2 zirkulierende Biomarker identifiziert, die das individuelle Schubrisiko unter Dosisreduktion besser vorhersagen als klinische Parameter allein. Kombiniert mit dem DAS28-CRP verbessert die Signatur aus VSIG4 und Anti-IFNγ-Autoantikörpern die Risikostratifizierung deutlich – ein möglicher Schritt hin zu einer biomarkergesteuerten Präzisionsdeeskalation.
Rot-weiß gestreifter Industrieschornstein stößt dichte weiße Rauchwolken in einen bewölkten Himmel aus
Nicht nur Lunge une Herz leiden!

Dauerhafte Feinstaubbelastung erhöht das Schubrisiko bei rheumatoider Arthritis

Feinstaub schadet nicht nur Herz und Lunge – er kann offenbar auch Gelenke belasten. Offenbar besteht nicht nur der bereits bekannte Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von rheumatoider Arthritis. Eine höhere PM2.5-Belastung geht zudem mit einer höheren Krankheitsaktivität und mehr Schüben einher. Nicht jeder reagiert dabei gleich stark – Frauen und Nichtraucher scheinen besonders empfindlich zu sein. Entscheidend ist zudem nicht eine kurze Belastungsspitze, sondern die dauerhafte Exposition über mindestens 2 Wochen.
Weiße Methotrexat-Tablette mit der Prägung „methotrexate“ auf dunkler Oberfläche, aufgenommen in Nahaufnahme vor unscharfem Hintergrund.
Weniger Kontrollen, gleiche Sicherheit

MTX-Monitoring: Halbjährliche Laborkontrollen genauso sicher wie vierteljährliche

Regelmäßige Laboruntersuchungen gelten als fester Bestandteil der Methotrexat-Therapie. Die Empfehlung, Leberwerte und Blutbild mindestens alle drei Monate zu kontrollieren, stützt sich allerdings auf überraschend wenig Evidenz. Doch bei stabil eingestellten Patienten könnten halbjährliche Kontrollen ebenso sicher sein: Transaminasenanstiege, Zytopenien und Fibrosezeichen werden ebenso zuverlässig aufgedeckt wie bei einem vierteljährlichen Monitoring. Für ALT-Erhöhungen und makrozytäre Veränderungen schien das längere Intervall sogar mit einem geringeren Risiko assoziiert. Besteht also Spielraum für eine Anpassung der Leitlnien-Empfehlungen?
Epstein-Barr-Virus: Blutprobe auf Laborzettel
Mehr als nur Pfeiffersches Drüsenfieber

Epstein-Barr-Virus: Vom harmlosen Kuss-Erreger zum Treiber von MS, Autoimmunität und Lymphomen

Das Epstein-Barr-Virus infiziert rund 95 % der Weltbevölkerung – und ist längst nicht mehr nur als Auslöser der infektiösen Mononukleose bekannt. Über raffinierte Latenzprogramme reprogrammiert es B-Lymphozyten, unterläuft die Immunüberwachung und trägt zur Pathogenese von Multipler Sklerose, Autoimmunerkrankungen, lymphoproliferativen Erkrankungen und hämophagozytischer Lymphohistiozytose bei. Ein aktuelles Review beleuchtet die molekularen Mechanismen und zeigt, welche therapeutischen und präventiven Strategien derzeit in der Pipeline stehen.
Vier Hände unterschiedlicher Generationen nebeneinander – von 93 über 63 und 33 bis 2 Jahre
Erkrankung über die gesamte Lebensspanne

Still-Erkrankung neu gedacht: Neue Nomenklatur, neue therapeutische Möglichkeiten

Die Still-Erkrankung gilt heute als einheitliche autoinflammatorische Erkrankung über alle Altersgruppen hinweg. Während zielgerichtete IL-1- und IL-6-Therapien bei den meisten Betroffenen wirksam sind, bleiben einzelne Patienten schwer behandelbar. Erste Daten deuten darauf hin, dass die gezielte Kombination mehrerer Wirkprinzipien die Entzündung kontrollieren und den Bedarf an Glukokortikoiden deutlich senken könnte. Noch bleibt eine solche Multiple Targeted Therapy jedoch spezialisierten interdisziplinären Zentren und individuellen Therapieentscheidungen vorbehalten.
Person im weißen Arztkittel mit Stethoskop zeigt auf ein rotes Schutzschild mit der Aufschrift „Rheumatoid Arthritis“ vor blauem Hintergrund mit medizinischen Symbolen
Handeln vor dem ersten Schub

Prävention der rheumatoiden Arthritis gewinnt an Fahrt

Die rheumatoide Arthritis beginnt immunologisch oft Jahre vor den ersten Gelenkschmerzen – ein Zeitfenster, das sich präventiv nutzen lässt. Rauchstopp, Gewichtsreduktion und Zahnhygiene senken das Erkrankungsrisiko messbar. Bei Hochrisikopersonen mit ACPA-Nachweis kann eine kurzzeitige Abatacept-Therapie den Krankheitsausbruch um bis zu 4–5 Jahre verzögern. Tatsächlich gebe es viele Ansatzpunkte die Prävention – gestützt durch den Hausarzt – in die rheumatologische Regelversorgung zu integrieren.
Älterer Mann sitzt auf einem Sofa und greift sich an den schmerzenden Fuß.
Wenn Rheuma grau wird

Älter, multimorbide, entzündet – eine Herausforderung für Rheumatologen und Hausärzte

Die alternde Gesellschaft verändert die Rheumatologie grundlegend. Entzündlich-rheumatische Erkrankungen werden häufiger bei älteren Menschen diagnostiziert oder begleiten Betroffene bis ins hohe Lebensalter. Aber auch bzw. insbesondere im hohen Alter gefährden unkontrollierte Entzündungen nicht nur Gelenke, sondern auch Herz, Gefäße und Selbstständigkeit. Leitlinien empfehlen deshalb auch im hohen Alter eine konsequente, risikoadaptierte Therapie sowie eine strukturierte Prävention kardiovaskulärer Begleiterkrankungen.
Typische Prädilektionsstellen der rheumatoiden Arthritis: Schulter, Hand, Halswirbelsäule, Hüfte, Knie und Sprunggelenk mit hervorgehobenen Schmerzpunkten
Immunzellen auf Dauerangriff

Gefangen im Entzündungsmodus: Warum Rheuma nicht abschaltet

Entzündliche Rheumaerkrankungen verlaufen über Jahre oder Jahrzehnte. Doch warum endet die Entzündung im betroffenen Gelenk nicht von selbst? Forschende aus Leipzig erforrschen aktuell einen neuen Erklärungsansatz: Sauerstoff- und Energiemangel versetzen Immunzellen in einen dauerhaften Alarmmodus. Im Zentrum stehen der Mevalonatweg, das Inflammasom und ein „eingefrorenes“ Zellskelett. Die Erkenntnisse könnten neue Behandlungsstrategien für schwer therapierbare Patienten eröffnen.
Schwangere Rheumapatientin hält einen Tablettenblister vor den Bauch
Weniger absetzen, mehr steuern

Rheuma und Schwangerschaft – sichere Optionen auch bei Hochrisikoverläufen

Eine sichere Schwangerschaft ist heute für die meisten Patientinnen mit einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung möglich, wenn Therapie und interdisziplinäre Betreuung frühzeitig abgestimmt sind. Neue Daten zu Hochrisiko-APS und kongenitalem AV-Block eröffnen weitere Perspektiven – doch Widersprüche zwischen Beipackzetteln und Leitlinien führen weiterhin zu unnötigen, zum Teil sogar gefährlichen Therapieabbrüchen.
Früh, gezielt, risikoadaptiert

Rheumatoide Arthritis: Neue S3-Leitlinie schärft Treat-to-Target und Glukokortikoid-Stopp

Sofortiger Therapiestart nach Diagnose, anhaltende Remission als Ziel und Kontrollen alle 1 bis 3 Monate: Die neue S3-Leitlinie zur rheumatoiden Arthritis stellt Treat-to-Target konsequent in den Mittelpunkt. Methotrexat bleibt Grundlage der Erstlinie, Glukokortikoide werden auf maximal drei Monate begrenzt. Vor jeder Eskalation steht die konsequente Optimierung der csDMARD-Strategie. Neu sind zudem die risikoadaptierte Positionierung von JAK-Inhibitoren, flexiblere Switching-Optionen und eine eigenständige Deeskalationsempfehlung – ohne vollständiges Absetzen der DMARD-Therapie.
Nahaufnahme der Hände einer Frau mit rheumatoider Arthritis, die im Schoß ruhen
Fehlgeleitetes Immungedächtnis wird zurückgesetzt

CAR-T-Zell-Therapie lässt schwere rheumatoide Arthritis abklingen

CD19-CAR-T-Zellen greifen bei therapierefraktärer rheumatoider Arthritis auch in Gelenken, Knochenmark und Lymphknoten an: In der COMPARE-Phase-I-Studie der Charité sank bei allen 6 Behandelten die Krankheitsaktivität deutlich, 3 erreichten eine medikamentenfreie Remission. Das fehlgeleitete B-Zell-Gedächtnis ließ sich offenbar gezielt zurücksetzen.