Die rheumatoide Arthritis beginnt immunologisch oft Jahre vor den ersten Gelenkschmerzen – ein Zeitfenster, das sich präventiv nutzen lässt. Rauchstopp, Gewichtsreduktion und Zahnhygiene senken das Erkrankungsrisiko messbar. Bei Hochrisikopersonen mit ACPA-Nachweis kann eine kurzzeitige Abatacept-Therapie den Krankheitsausbruch um bis zu 4–5 Jahre verzögern. Tatsächlich gebe es viele Ansatzpunkte die Prävention – gestützt durch den Hausarzt – in die rheumatologische Regelversorgung zu integrieren.
Prävention der rheumatoiden Arthritis gewinnt an Fahrt
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Die rheumatoide Arthritis (RA) kündigt sich immunologisch häufig Monate bis Jahre vor den ersten Gelenkbeschwerden an – vielfach an den Schleimhäuten von Lunge und Mundraum. Rund 40 % des Erkrankungsrisikos gehen auf Umweltfaktoren zurück. Damit öffnet sich ein bislang wenig genutztes Zeitfenster für präventive Interventionen.
„Wir müssen nicht warten, bis Schäden entstehen, sondern können präventiv eingreifen.“
— Professor Dr. Jürgen Rech, Erlangen
Lebensstilfaktoren als erster Hebel
Der mit Abstand wichtigste beeinflussbare Risikofaktor ist das Rauchen, konstatierte Prof. Jürgen Rech, Erlangen, schon im Vorfeld des Deutschen Rheumatologiekongress 2026. Nikotinkonsum erklärt bis zu 35% der ACPA-positiven RA-Fälle (Antikörper gegen citrullinierte Protein-Antigene). Bei genetisch vorbelasteten Personen, die rauchen, steigt das Erkrankungsrisiko sogar um das 21-Fache [1]. Ein Rauchstopp senkt das RA-Risiko laut Rech um 35–40 %. Viele Patienten wollen selbst etwas beitragen, so Rech, und beim Rauchstopp können sie das.
Das gilt auch für viele weitere modifizierbare Rsikofaktoren wie Übergewicht, eine unbehandelte Parodontitis. So kann die Ernährung mit einer vorweigend mediterran ausgerichteten Kost, eine Gewichtsreduktion oder eine konsequente Zahnhygiene das Ausbruchsrisiko messbar senken [1]. Auch das Darmmikrobiom spielt eine Rolle: Eine Dysbiose kann die Erkrankungsentstehung begünstigen, ebenso wie chronischer Stress. Nicht zuletzt sind inhalative Noxen am Arbeitsplatz relevant.
Hochrisikopatienten frühzeitig identifizieren
Der Nachweis von ACPA allein rechtfertigt bei beschwerdefreien Personen noch keine Medikation. Diese Antikörper können bis zu 18 Jahre vor Krankheitsausbruch nachweisbar sein. Die neuen gemeinsamen Risikokriterien der European League Against Rheumatism (EULAR) und des American College of Rheumatology (ACR) unterstützen die Therapieentscheidung: Eine magnetresonanztomografisch (MRT) nachweisbare Tenosynovitis gilt als frühes bildgebendes Zeichen, Immunglobulin-A-Antikörper (IgA) gegen ACPA als besonders aussagekräftiger Biomarker. Patienten mit IgA-ACPA haben ein besonders hohes Risiko für einen baldigen Ausbruch – sprechen aber auch am besten auf präventive Immuntherapien an.
Auch genetische Faktoren spielen eine Rolle. Das sogenannte Shared Epitope findet sich bei 20–30% der Gesunden und erhöht für sich allein genommen das Erkrankungsrisiko kaum messbar. In Kombination mit anderen Risikofaktoren wie Rauchen oder dem Nachweis von ACPA kann es jedoch dazu beitragen, das individuelle Risiko einer Person genauer einzuschätzen.
Welche Präventionsstrategien wirken?
Die Datenlage zur medikamentösen Prävention hat sich in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt:
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