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Vom Hund bis zum Alpaka

Tiergestützte Therapie: Tiere erreichen die Seele

|von dpa

Ängste, Stress und emotionale Erschöpfung sind Begleiter vieler Krebspatientinnen und Krebspatienten in ihrem Therapiealltag. Tiergestützte Therapien können hier insbesondere (aber nicht nur) bei Kindern Unterstützung bieten – durch Beruhigung, Motivation und Nähe. Doch Qualität, Ausbildung und Tierschutz unterscheiden seriöse Angebote von bloßer „Tierbesuchsidee“. Welche Chancen tiergestützte Therapien bieten und wo die Grenzen sind – Antworten auf wichtige Fragen im Überblick. 

Eine menschliche Hand hält die Pfote eines Hundes
Die Begegnung zwischen Mensch und Hund kann Krebspatient*innen emotional entlasten und Sicherheit vermitteln – und kann so ein möglicher Baustein der psychoonkologischen Unterstützung sein. (© Dragan/stock.adobe.com)

Der Kontakt mit Hunden, Pferden oder Alpakas kann in der Behandlung von Depressionen, Angststörungen oder Demenz positive Effekte erzielen. Aber Achtung: Der Begriff «tiergestützte Therapie» ist rechtlich nicht geschützt, fachlich jedoch etwa durch Fachverbände definiert. Übergeordnet spricht man von «tiergestützten Interventionen». Dazu zählen neben der Therapie auch pädagogische Angebote und tiergestützte Aktivitäten, bei denen Tiere etwa in Schulen oder Pflegeeinrichtungen eingesetzt werden – ohne dass eine therapeutische Behandlung im engeren Sinne stattfindet.

Emotionale Entlastung – auch für Patient*innen mit Krebs

Viele Menschen empfinden den Kontakt mit Tieren in einer Therapie als unterstützend. Wissenschaftliche Studien liefern Hinweise darauf, dass sich im Rahmen tiergestützter Therapie zum Beispiel Verbesserungen bei Depressionen, Angststörungen oder Stresssymptomen beobachten lassen. Auch bei Autismus oder Demenz gibt es Studien, die darauf hindeuten, dass Tiere helfen können, mehr Ruhe zu finden, die Stimmung zu stabilisieren oder soziale Kontakte zu erleichtern.

Erklärt werden die positiven Effekte unter anderem mit der Wirkung von Hormonen. Studien zufolge schütten Menschen im Kontakt mit Tieren – etwa beim Streicheln – das Hormon Oxytocin aus, das mit Bindung, Vertrauen und Stressreduktion in Verbindung steht .

«Wenn wir derart entspannt sind, können wir schneller eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen oder mehr Motivation aufbringen», sagt Prof. Andrea Beetz, Erlangen. Sie ist Professorin für Heilpädagogik an der IU Internationale Hochschule und Präsidentin der International Society for Animal Assisted Therapy (ISAAT). Diese positive Grundstimmung kann zum Beispiel dazu beitragen, dass Patientinnen und Patienten neuen Erfahrungen aufgeschlossener oder mit weniger Ängsten begegnen.

Teils sollen mittels tiergestützter Therapie – etwa im Kontakt mit Pferden – auch Kommunikation, Sozial- und Lernverhalten, das Selbstwertgefühl oder soziale Kompetenzen gefördert werden.

Wie gut eine tiergestützte Therapie oder Intervention wirkt, hängt auch vom individuellen Charakter des Tieres und der Beziehung zwischen Therapeut und Klient ab. Stimmen die Grundvoraussetzungen, lasse sich manches schneller bewältigen als in reiner Therapie ohne Tier, so Diplom-Psychologin Beetz.

Welches Tier für welchen Patienten?

In tiergestützten Therapien kommen häufig Hunde und Pferde zum Einsatz. Aber auch Esel, Alpakas und Lamas können bei tiergestützten Interventionen unterstützen. Es gibt nicht zuletzt Angebote mit Ziegen, Schafen oder Schweinen, zum Beispiel auf Bauernhöfen. 

Grundvoraussetzung ist die Einhaltung von Tierschutzrichtlinien. Auch ethische Aspekte spielen beim Einsatz in Therapiesettings eine Rolle. Aus Sicht des Deutschen Tierschutzbunds sind etwa kleine Heimtiere wie Kaninchen und Meerschweinchen nicht für die Therapie geeignet. Zumindest, wenn es darum geht, sie anzufassen und nicht nur zu beobachten. Werden Kaninchen oder Meerschweinchen hochgehoben, ist das für die Tiere meist purer Stress.

Seriöse Angebote finden: Darauf müssen Sie achten

Beim Bundesverband Tiergestützte Intervention oder den Dachverbänden ISAAT und ESAAT (International bzw. European Society for Animal Assisted Therapy) sind Anbieter mit entsprechender Grund- und Zusatzausbildung aufgeführt. 

«Achten Sie immer auf den Grundberuf, also etwa einen staatlich zugelassenen Ergotherapeuten, der eine Zusatzausbildung für seinen therapeutischen Tiereinsatz hat», rät Beetz. Am besten habe der Therapeut oder die Therapeutin schon einige Jahre ohne Tier gearbeitet und sei routiniert genug, um sich auf das Tier konzentrieren zu können. Das ist wichtig, um auf Stresssignale des Tieres achten, ihm ausreichend Pausen gönnen und Rückzugsorte bieten zu können.

Außerdem sollte es ein Hygiene- und Transportkonzept und Vorkehrungen für eventuelle Unfälle geben. Gewerbliche Anbieter müssen eine tierartspezifische Sachkunde nachweisen können.

Kosten & Rahmenbedingungen

Besprechen Sie am besten mit dem Anbieter oder Therapeuten Ihrer Wahl, was möglich ist. «Viele sind mit Herzblut dabei und bereit zum Dialog», sagt Beetz. Häufig muss eine erste Teststunde jedoch selbst bezahlt werden.

Die Kosten können je nach Angebot stark variieren. Bei tiergestützten Interventionen handelt es sich in der Regel nicht um anerkannte Therapieverfahren. In der Regel übernimmt die Krankenkasse Beetz zufolge nur die Kosten für eine reguläre Psycho- oder Physiotherapie. Die zusätzlichen Kosten für den Einsatz des Tieres werden häufig nicht erstattet. 

Hinter größeren Instituten, die beispielsweise Hippotherapie anbieten, stehen häufiger Fördervereine, die Kosten teilweise mithilfe von Spenden übernehmen.

FAQs für Onkolog*innen

Welche Bedeutung haben tiergestützte Interventionen in der Onkologie?

Tiergestützte Interventionen können eine ergänzende Maßnahme innerhalb der Psychoonkologie darstellen. Besonders bei Patient*innen mit hoher psychischer Belastung zeigen sie Potenzial zur Reduktion von Angst, Stress und emotionaler Dysregulation. Sie ersetzen keine leitlinienbasierten Therapien, können jedoch das subjektive Wohlbefinden verbessern und die Compliance mit medizinischen Maßnahmen erhöhen.

Welche Wirkmechanismen sind für Krebspatient*innen klinisch relevant?

Der Kontakt mit Tieren kann die Ausschüttung von Oxytocin steigern, den Cortisolspiegel senken und autonome Stressreaktionen abschwächen. Diese physiologischen Veränderungen können Schmerzen subjektiv mildern, Schlafqualität verbessern und emotionale Stabilität fördern – Faktoren, die im onkologischen Behandlungspfad häufig belastet sind und sich indirekt positiv auf Therapieerleben und Resilienz auswirken können.

Für welche Patientengruppen innerhalb der Onkologie eignet sich die tiergestützte Therapie besonders?

Potenzial besteht vor allem bei Patientinnen mit:
– ausgeprägten Angstzuständen (z. B. vor Chemotherapie oder Kontrollterminen),
– Fatigue-bedingter Antriebslosigkeit,
– depressiver Symptomatik,
– kognitiver oder sozialer Rückzugsneigung,
– hoher emotionaler Belastung während langer Behandlungsverläufe.

Besondere Vorsicht ist geboten bei immunsupprimierten Patientinnen, schwerwiegenden Allergien oder infektiologischen Risiken.

Welche Qualitäts- und Sicherheitskriterien sind im klinischen oder ambulanten Setting entscheidend?

Für onkologische Einrichtungen gelten erhöhte hygienische und organisatorische Anforderungen. Dazu gehören:
– klare tiergestützte Ausbildung der Fachkraft (zertifiziert durch ISAAT/ESAAT o. Ä.),
– tierschutzgerechte Haltung, dokumentierte Stresssignale, Pausen‑ und Rückzugsmanagement,
– Hygienekonzepte abgestimmt mit Krankenhaushygiene/Infektiologie,
– Risiko- und Notfallprotokolle,
– Screening der Tiere (Gesundheitsstatus, Impfungen, Verhalten).

Dies ist essenziell, um Patientensicherheit und Tierwohl gleichermaßen zu gewährleisten.

 Was sollten Onkolog*innen Patient*innen hinsichtlich Kosten und Verfügbarkeit vermitteln?

Tiergestützte Therapie ist in der Regel  kein von Krankenkassen erstatteter Bestandteil der onkologischen Versorgung. Die Kosten müssen häufig privat getragen werden – außer in Einrichtungen mit Fördervereinen oder spezifischen Reha‑Programmen. Medizinisches Personal kann jedoch auf seriöse Anbieterlisten (z. B. ISAAT, ESAAT, Bundesverband Tiergestützte Intervention) verweisen, um qualifizierte Angebote zu gewährleisten.


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