Eine simple Anpassung des Gangbildes könnte bei medialer Kniearthrose Schmerzen lindern und den Knorpelabbau bremsen. Eine aktuelle randomisierte kontrollierte Studie aus Stanford liefert nun erstmals belastbare Daten zu personalisiertem Gangtraining.
Fußwinkelveränderungen verlangsamen das Fortschreiten einer Kniearthrose | Study Snacks – Rheumatologie #052
Study Snacks – Rheumatologie7 Episoden
Die Kniearthrose zählt zu den häufigsten Ursachen körperlicher Einschränkungen im Erwachsenenalter – besonders betroffen ist das mediale Kompartiment, auf das beim Gehen rund 70% der Gelenkkräfte wirken. Ein zentraler biomechanischer Marker für diese Belastung ist das Knieadduktionsmoment. Konservative Therapien zielen daher häufig darauf ab, dieses Moment zu reduzieren. Eine besonders niedrigschwellige Option: die Veränderung des Fußprogressionswinkels, also das gezielte Ein- oder Auswärtsdrehen der Zehen beim Gehen.
In dieser Episode der Study Snacks fassen wir eine im Oktober 2025 in The Lancet Rheumatology veröffentlichte randomisierte kontrollierte Studie von Uhlrich et al. zusammen. Das Forschungsteam der Stanford University untersuchte, ob ein personalisiertes Gangtraining bei Patientinnen und Patienten mit leichter bis mittelschwerer medialer Kniearthrose tatsächlich klinisch, biomechanisch und strukturell wirksam ist – und ob sich der Krankheitsverlauf verlangsamen lässt.
Welche Effekte zeigten sich nach 1 Jahr auf Schmerz, Gelenkbelastung und Knorpelmikrostruktur im MRT? Wie sicher ist das Verfahren in der Praxis? Und für welche Patientengruppe könnte sich diese kostengünstige Intervention besonders eignen?
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Episoden-Skript
Study Snacks – Relevante Studien, kurz zusammengefasst.
Thema: Fußwinkelveränderungen verlangsamen das Fortschreiten einer Kniearthrose
Die Originalstudie zu dieser Zusammenfassung wurde im Oktober 2025 im Magazin „The Lancet. Rheumatology“ veröffentlicht.
Osteoarthritis gehört zu den häufigsten Ursachen für körperliche Einschränkungen im Erwachsenenalter. Etwa jede 5. Person über 40 Jahre ist betroffen. Am häufigsten erkrankt das Kniegelenk. Dabei zeigt sich die Arthrose besonders oft im medialen Kompartiment. Ein zentraler Grund ist die mechanische Belastung beim Gehen, da rund 70% der Gelenkkräfte auf die mediale Seite wirken.
Ein etablierter biomechanischer Marker ist das Knieadduktionsmoment. Es gilt als Surrogat für die Lastverteilung im Knie. Ein hohes Adduktionsmoment steht in engem Zusammenhang mit dem Fortschreiten der medialen Kniearthrose. Deshalb zielen viele konservative Therapien darauf ab, dieses Moment zu reduzieren.
Eine einfache Möglichkeit ist die Veränderung des Fußprogressionswinkels, also Zehen nach innen oder außen zu drehen. Diese Gangmodifikation ist kostengünstig und für Patienten gut akzeptabel. Frühere Studien zeigten eine Schmerzlinderung, allerdings fehlten oft Kontrollgruppen und nicht alle Patienten profitieren gleichermaßen.
Forscher aus den Vereinigten Staaten untersuchten die klinische, biomechanische und strukturelle Wirksamkeit eines veränderten Fußprogressionswinkels bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Kniearthrose. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass Veränderungen im Winkel über einen Zeitraum von 1 Jahr die Arthroseschmerzen lindern, die Gelenkbelastung reduzieren und die Knorpeldegeneration verlangsamen.
Die Forscher aus den Vereinigten Staaten führten eine randomisierte kontrollierte Studie an der Stanford Universität durch. Sie rekrutierten erwachsene Patienten mit medialer Kniearthrose Grad 1–3 nach Kellgren-Lawrence. Alle Patienten hatten relevante mediale Knieschmerzen, konnten jedoch mindestens 25 Minuten sicher auf dem Laufband gehen. Der Body-Mass-Index der Patienten musste außerdem unter 35 liegen.
Vor der Randomisierung analysierten die Forscher den individuellen Gang der Patienten. Nur Personen, bei denen sich das maximale Knieadduktionsmoment durch eine Fußwinkeländerung um mindestens 5% senken ließ, schlossen die Forscher in die Studie ein. Anschließend randomisierten die Forscher die Patienten 1:1 in eine Interventions- oder Kontrollgruppe.
Die Interventionsgruppe erhielt ein personalisiertes Gangtraining. Ziel war eine Veränderung des Fußprogressionswinkels um 5 oder 10 Grad, je nach individueller Biomechanik. Die Kontrollgruppe behielt ihren natürlichen Gang bei.
Primäre Endpunkte waren die Veränderung der medialen Knieschmerzen auf einer numerischen Ratingskala sowie die Veränderung des Knieadduktionsmoments nach einem Jahr. Sekundäre Endpunkte betrafen die Knorpelmikrostruktur, die die Forscher mittels quantitativer MRT-Parameter ermittelten. Zusätzlich erfassten die Forscher das Auftreten unerwünschter Ereignisse.
Von über 1.500 gescreenten Personen schlossen die Forscher 68 Patienten in die Studie ein. Jeweils 34 Patienten nahmen an der Intervention oder am Scheintraining teil. In der Interventionsgruppe trainierten die Forscher den Großteil der Patienten auf Einwärtsrotationen des Fußes, meist um 10 Grad.
Bereits direkt zu Beginn senkten die Patienten der Interventionsgruppe so ihr Knieadduktionsmoment deutlich. Nach 1 Jahr zeigte sich ein klarer Vorteil der Intervention. Die medialen Knieschmerzen nahmen stärker ab als in der Scheingruppe. Gleichzeitig reduzierte sich die mediale Kniebelastung signifikant. Die bildgebenden Verfahren zeigten nach 1 Jahr deutlich, dass im medialen gewichttragenden Femurknorpel der Interventionsgruppe weniger Substanz abgetragen wurde, was auf eine verlangsamte Knorpeldegeneration in der Interventionsgruppe im Vergleich zur Scheingruppe hindeutet.
„Study Snacks“ sind eine Produktion der Georg Thieme Verlag KG.
Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke.
Diese Podcast-Beschreibung wurde mit Unterstützung einer KI erstellt und nach sorgfältiger redaktioneller Prüfung veröffentlicht.
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