Immun-Checkpoint-Inhibitoren haben die Onkologie in den letzten Jahren grundlegend verändert. Sie verbessern die Prognose vieler Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen deutlich – doch der Preis dafür sind teils erhebliche immunbedingte Nebenwirkungen. Besonders der Bewegungsapparat ist betroffen: Während rund 7% der Behandelten eine entzündliche Arthritis entwickeln, klagt sogar knapp die Hälfte über Arthralgien. Die Beschwerden persistieren häufig auch nach Therapieende und schränken Betroffene massiv ein.
Immun-Checkpoint-Inhibitoren lösen häufig muskuloskelettale Entzündungen aus | Study Snacks – Rheumatologie #047
Study Snacks – Rheumatologie7 Episoden
Doch welches Entzündungsmuster steckt eigentlich hinter diesen Beschwerden? Handelt es sich eher um eine rheumatoide oder eine spondyloarthritische Variante? Und sind Patientinnen und Patienten mit „nur“ Gelenkschmerzen wirklich strukturell unauffällig?
Genau diesen Fragen ist eine englische Forschungsgruppe aus Leeds in einer prospektiven Beobachtungsstudie nachgegangen. Mithilfe von Ganzkörper-MRTs hat das Team um Harnden et al. das Entzündungsgeschehen bei 60 Betroffenen systematisch charakterisiert – und kommt zu einem Ergebnis, das die klinische Versorgung in der Rheumatologie und Onkologie gleichermaßen betrifft.
In der aktuellen Folge unseres Podcasts Study Snacks fassen wir die im Oktober 2025 in The Lancet Rheumatology veröffentlichte Studie kompakt für Sie zusammen. Erfahren Sie in rund 5 Minuten, welche 3 Entzündungsphänotypen die Forschenden identifiziert haben, welche Gelenkregionen besonders im Fokus stehen und warum eine frühzeitige rheumatologische Abklärung für viele Betroffene entscheidend sein könnte.
Jetzt reinhören – Kompaktes Studienwissen für Ihren Praxisalltag!
Episoden-Skript
Study Snacks – Relevante Studien, kurz zusammengefasst.
Thema: Immun-Checkpoint-Inhibitoren lösen häufig muskuloskelettale Entzündungen aus
Die Originalstudie zu dieser Zusammenfassung wurde im Oktober 2025 im Magazin „The Lancet- Rheumatology“ veröffentlicht.
Immun-Checkpoint-Inhibitoren haben die Krebsbehandlung revolutioniert. Sie verbessern die Prognose vieler Patienten mit fortgeschrittenen Tumoren erheblich. Die Antikörper blockieren die Immun-Checkpoints und verstärken so die T-Zell-Aktivität. Diese Wirkung kann auch die Selbsttoleranz des Immunsystems beeinflussen. Dadurch entstehen immunbedingte Nebenwirkungen, die viele Organsysteme betreffen.
Muskel-Skelett-Toxizitäten gehören zu den häufigsten Problemen. Entzündliche Arthritis tritt bei rund 7% der Betroffenen auf, Arthralgien sogar bei knapp der Hälfte der Behandelten. Die Beschwerden können selbst nach Ende der Immuntherapie fortbestehen. Für viele Patienten bedeuten sie deutliche funktionelle Einschränkungen und eine hohe emotionale Belastung.
Bislang ist unklar, welche genauen Entzündungsmuster diese Form der Arthritis prägen. Studien beschreiben sowohl rheumatoide als auch spondyloarthritische Phänotypen. Zudem wird von Tendosynovitis, Enthesitis, Bursitis und axialen Veränderungen berichtet. Eine systematische Gesamterfassung fehlte jedoch bisher.
Forscher aus England untersuchten nun den Phänotyp von Arthralgie und entzündlicher Arthritis nach Exposition gegenüber Immun-Checkpoint-Inhibitoren mittels Ganzkörperbildgebung. Das Ziel der Forscher war es, das Entzündungsmuster bei den Patienten vollständig zu charakterisieren und anschließend Informationen für die klinische Behandlung zu liefern. Sie kamen zu dem Resultat, dass Entzündungen und Erosionen bei Patienten mit Arthralgie, die einem Immun-Checkpoint-Inhibitor ausgesetzt sind, ebenso häufig auftreten wie bei Patienten mit entzündlicher Arthritis.
Die Forscher des Chapel Allerton Hospital der Universität Leeds und dem Verbund der Lehrkrankenhäuser des Nationalen Gesundheitsdienstes (NHS) in Leeds, England, führten zwischen Oktober 2021 und Mai 2024 eine prospektive Beobachtungsstudie durch. Sie schlossen Patienten mit einem Alter ab 18 Jahren in die Studie ein, die neue muskuloskelettale Beschwerden entwickelen. Diese mussten innerhalb von 6 Monaten nach einer Therapie mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren auftreten. Personen mit bekannter aktiver entzündlicher Arthritis oder Verdacht auf Myositis schlossen die Forscher von einer Teilnahme aus. Als Vergleichsgruppe dienten gesunde Kontrollpersonen.
Insgesamt nahmen 60 Betroffene und 20 Kontrollen teil. Die Forscher erfassten Basisdaten, die Art des verabreichten Immun-Checkpoint-Inhibitors, den Verlauf der Beschwerden und familiäre Risikofaktoren. Außerdem dokumentierten sie die laufende Medikation. Ergänzend erhoben sie entzündliche Laborparameter wie C-reaktives Protein und die Erythrozytensedimentationsrate sowie Autoantikörperprofile. Über Fragebögen machten die Patienten Angaben bezüglich ihrer allgemeinen Gesundheit, zur Dauer der morgendlichen Steifigkeit und zur Anzahl schmerzhafter oder geschwollener Gelenke. Anschließend führten die Forscher eine Ganzkörper-MRT an peripheren Gelenken, Wirbelsäule, Sehnen, Enthesen und Bursen durch.
Alle Bildbefunde bewerteten die Forscher mit einem semiquantitativen Scoring-System. Damit konnten die Forscher Synovitis, Erosionen, Tendosynovitis und Enthesitis objektiv vergleichen. Die Endpunkte der Studie waren Art, Ausprägung und Verteilung der entzündlichen Veränderungen sowie ihre Zuordnung zu typischen rheumatologischen Phänotypen.
35 der Patienten hatten eine Arthralgie, 25 Patienten eine entzündliche Arthritis.
Im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigten beide Gruppen deutlich höhere Werte für Synovitis, Erosionen, Enthesitis und Tendosynovitis. Besonders häufig betroffen waren die Akromioklavikulargelenke, die Glenohumeralgelenke, die Handgelenke und die Metakarpophalangealgelenke.
Die Forscher fanden 3 unterschiedliche Entzündungsmuster: Ein Drittel der Patienten zeigte Symptome einer peripheren entzündlichen Arthritis, ein gutes Zehntel der Patienten eine Polymyalgia rheumatica und ein überlappender Phänotyp von Polymyalgia rheumatica und peripherer entzündlicher Arthritis wurde bei 20% der Patienten sichtbar. Eine axiale Entzündung war dagegen selten. Patienten mit peripherer Arthritis benötigten am häufigsten Glukokortikoide und krankheitsmodifizierende Therapien, was die klinische Relevanz dieses Musters unterstreicht.
Die Resultate zeigen deutlich, dass auch Patienten mit primärer Arthralgie objektive strukturelle oder entzündliche Veränderungen entwickeln. Das spricht dafür, dass muskuloskelettale Nebenwirkungen durch Immun-Checkpoint-Inhibitoren in der Praxis oft unterschätzt werden. Viele Betroffene könnten von einer frühzeitigen rheumatologischen Abklärung profitieren, insbesondere wenn sie unspezifische Beschwerden entwickeln.
„Study Snacks“ sind eine Produktion der Georg Thieme Verlag KG.
Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke.
Diese Podcast-Beschreibung wurde mit Unterstützung einer KI erstellt und nach sorgfältiger redaktioneller Prüfung veröffentlicht.
In diesem Audio sind mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (KI) oder maschineller Übersetzungstechnologie gesprochene Texte enthalten [elevenlabs.io].