Chronische Rückenschmerzen zählen weltweit zu den häufigsten Gesundheitsproblemen – und zu den teuersten. Betroffene verursachen rund doppelt so hohe Gesundheitskosten wie Menschen ohne Beschwerden, und zwei Drittel leiden auch ein Jahr nach Beschwerdebeginn noch unter Einschränkungen. Kein Wunder also, dass Leitlinien eine ganze Bandbreite an nicht chirurgischen Interventionen empfehlen: von Bewegung über Medikamente bis hin zu psychologisch fundierten Verfahren wie kognitiver Verhaltenstherapie oder Schmerzaufklärung.
Langfristige Wirksamkeit nicht chirurgischer Therapien bei chronischen Rückenschmerzen | Study Snacks – Rheumatologie #048
Study Snacks – Rheumatologie7 Episoden
Doch hier liegt der Haken: Die meisten Empfehlungen basieren auf Studien mit kurzer bis mittlerer Beobachtungsdauer. Was kurzfristig hilft, muss langfristig nicht zwingend wirken – und gerade chronische Rückenschmerzen verlaufen oft über Jahre in fluktuierenden Mustern.
In unserer aktuellen Episode des Podcasts Study Snacks stellen wir eine im September 2025 im Lancet Rheumatology veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse vor. Ein internationales Forschungsteam aus Australien, Dänemark und Südkorea hat 80 randomisierte kontrollierte Studien mit über 15.000 Patientinnen und Patienten ausgewertet und 20 verschiedene Interventionen auf ihre Langzeitwirkung nach mindestens 12 Monaten geprüft.
Welche Verfahren konnten überzeugen? Wo bleibt die Evidenz dünn? Und warum sollten Ansätze, die Verhalten, Kognition und Selbstmanagement adressieren, künftig stärker in den Fokus rücken? Die Antworten – kompakt in unter 5 Minuten – hören Sie in der aktuellen Folge.
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Episoden-Skript
Study Snacks – Relevante Studien, kurz zusammengefasst.
Thema: Langfristige Wirksamkeit nicht chirurgischer Therapien bei chronischen Rückenschmerzen
Die Originalstudie zu dieser Zusammenfassung wurde im September 2025 im Magazin „The Lancet. Rheumatology“ veröffentlicht.
Chronische Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen. Leitlinien empfehlen zahlreiche nicht chirurgische Interventionen. Diese Empfehlungen beruhen jedoch überwiegend auf Studien mit kurzer bis mittlerer Beobachtungsdauer. Viele Daten reichen nur wenige Monate nach Therapieende. Rückenschmerzen verlaufen jedoch oft über Jahre und zeigen fluktuierende Muster. Eine Behandlung, die kurzfristig hilft, wirkt nicht zwingend langfristig.
Gleichzeitig sind die gesellschaftlichen und ökonomischen Folgen erheblich. Menschen mit chronischen Rückenschmerzen verursachen etwa doppelt so hohe Gesundheitskosten wie Personen ohne Beschwerden. Eine Kohortenstudie zeigt, dass zwei Drittel der Betroffenen ein Jahr nach Beginn der Schmerzen weiterhin unter Einschränkungen leiden. Viele empfohlene Interventionen wie etwa Bewegung, passive Maßnahmen oder Medikamente wirken zu Beginn. Unklar bleibt jedoch, ob und wie lange diese Effekte nach Therapieende bestehen bleiben. Besonders relevant in diesem Kontext sind Interventionen wie kognitive Verhaltenstherapie oder Schmerzaufklärung, die Überzeugungen, Verhalten und Selbstmanagement stärken. Diese haben das Potenzial für eine längerfristige Wirksamkeit.
Forscher gingen nun der Frage nach, welche nicht chirurgischen Interventionen nachweisbare, langfristige Vorteile bieten. Hierfür bewerteten sie die langfristige Wirksamkeit verschiedener nicht chirurgischer Behandlungsformen. Sie kamen zu dem Resultat, dass die kognitive Verhaltenstherapie, Achtsamkeit, Bewegung und multidisziplinäre Versorgung langfristige Vorteile bringen könnten. Die Effekte sind jedoch meist gering und die Evidenzstärke ungewiss.
Die Forscher aus Australien, Dänemark und Südkorea führten eine umfangreiche systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse durch. Das Team durchsuchte MEDLINE, EMBASE und CINAHL nach passenden Publikationen bis Mai 2024. Die Suchstrategie folgte Empfehlungen der Cochrane Back and Neck Group. Ergänzend nutzten die Forscher Suchbegriffe für Langzeit-Follow-up-Studien mit Beobachtungszeiträumen von mindestens einem Jahr.
Die Forscher schlossen randomisierte kontrollierte Studien ein, die an Erwachsenen ab 16 Jahren durchgeführt wurden, die seit mindestens 12 Wochen chronische Schmerzen im unteren Rücken aufwiesen. Die Studien mussten sich mit nicht chirurgischen Interventionen befassen. Vergleichsgruppen konnten Placebo, Scheininterventionen, adjuvante Maßnahmen, minimale Versorgung, keine Intervention oder übliche Versorgung sein. Die Forscher schlossen Studien aus, wenn die Rückenschmerzen auf klare pathologische Ursachen wie Krebs, Infektionen, entzündliche Arthritis oder kürzliche Wirbelsäulenoperationen zurückzuführen waren.
Für die statistische Analyse extrahierten die Forscher detaillierte Angaben zu Population, Intervention, Protokoll, Dauer, Nachuntersuchung, Effektgrößen und Variabilität aus den Publikationen. Als Endpunkte definierten die Forscher selbstberichtete Schmerzintensität und körperliche Einschränkungen. Die Nachbeobachtung begann frühestens nach 12 Monaten und konnte mehr als 2 Jahre umfassen.
Insgesamt identifizierten die Forscher fast 8.000 Artikel, von denen sie 80 Studien mit 15.395 Patienten einschlossen. Die Arbeiten untersuchten die langfristigen Effekte von 20 verschiedenen Interventionen. Bewegung war als Intervention am häufigsten vertreten. Selten untersucht wurden Schmerzaufklärung, Beratung, Depressions-Training und Massage.
Die Forscher führten insgesamt 31 Metaanalysen durch. Keine der Interventionen erreichte eine Evidenz mit hoher Sicherheit. In 6 Analysen fanden sich Hinweise mittlerer Sicherheit. Die Auswertung wies darauf hin, dass kognitive Verhaltenstherapie und Achtsamkeit wahrscheinlich zu einer geringen bis mäßigen Reduktion von Schmerz und körperlichen Einschränkungen führen. Auch zielorientierte Therapieansätze und Needling können geringe, aber messbare Verbesserungen bewirken. Hinweise auf Vorteile einer multidisziplinären Versorgung sowie Bewegungsprogrammen über sehr lange Zeiträume über 2 Jahre waren vorhanden, jedoch schwach.
Da die Analysen teils deutliche Heterogenität zeigten, sollten die Ergebnisse vorsichtig interpretiert werden. Gleichzeitig verdeutlichen die Daten, dass einige Interventionen zumindest moderate, nachhaltige Verbesserungen erreichen können, besonders solche, die Verhalten, Kognition und Selbstmanagement stärken.
Die Forscher schließen, dass mehr Aufmerksamkeit auf die Entwicklung und Erprobung von Interventionen mit langfristiger Wirkung gelegt werden sollte. Langfristige Lösungsansätze, die die Belastung durch chronische Rückenschmerzen substanziell reduzieren, werden gebraucht.
„Study Snacks“ sind eine Produktion der Georg Thieme Verlag KG.
Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke.
Diese Podcast-Beschreibung wurde mit Unterstützung einer KI erstellt und nach sorgfältiger redaktioneller Prüfung veröffentlicht.
In diesem Audio sind mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) oder maschineller Übersetzungstechnologie gesprochene Texte enthalten [elevenlabs.io].