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Kurzfristiger Nutzen, unsichere Evidenz

Kinesiotaping bei muskuloskelettalen Beschwerden auf dem Prüfstand

|von Stephanie Schikora

Kinesiotapes sind in Sport und Physiotherapie allgegenwärtig – doch was leisten sie wirklich bei muskuloskelettalen Erkrankungen? Eine umfassende Analyse liefert ernüchternde Antworten: Unmittelbar und kurzfristig lassen sich Schmerzen zwar lindern und die Funktion verbessern, mittelfristig verpuffen die Effekte weitgehend. Zudem ist die methodische Qualität der Evidenz überwiegend kritisch niedrig.

Kinesiotaping der Schulter bei muskuloskelettalen Beschwerden durch eine Physiotherapeut
Kinesiotaping wird bei muskuloskelettalen Beschwerden häufig eingesetzt – die Evidenz für einen klinisch relevanten Nutzen bleibt jedoch dünn. (© andreaobzerova/stock.adobe.com – Stock photo. Posed by models)

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Ob am Knie der Fußballerin, an der Schulter des Speerwerfers oder am unteren Rücken von Freizeitsportlern: Kinesiotapes haben sich seit ihrer Einführung in den 1970er-Jahren einen festen Platz in der Sportmedizin und Physiotherapie erobert. Das Konzept: Die unter definierter Vorspannung aufgebrachten elastischen Klebestreifen sollen die Haut anheben, kutane Mechanorezeptoren stimulieren und darüber Propriozeption, Schmerzverarbeitung und lokale Mikrozirkulation günstig beeinflussen.

Ordnung ins „Chaos“ aus 128 systematischen Reviews

Trotz der weiten Verbreitung ist die Evidenzlage zu klinisch relevanten Effekten bei muskuloskelettalen Erkrankungen bislang uneinheitlich – ein chinesisches Forschungsteam hat nun versucht, Ordnung in das heterogene Datenbild zu bringen.

Für die Analyse wurden 10 elektronische Datenbanken systematisch durchsucht. Eingeschlossen wurden systematische Reviews mit und ohne Metaanalysen randomisierter kontrollierter Studien, in denen Kinesiotapes mit verschiedenen Interventionen bei Patientinnen und Patienten mit muskuloskelettalen Erkrankungen verglichen wurde. Insgesamt flossen 128 Reviews – 55 davon waren übrigens bis dato noch unveröffentlicht – mit 15.812 Teilnehmenden aus 310 rendomisierten kontrollierten Studien ein, die 29 Krankheitsbilder abdeckten. Primäre Zielgrößen waren Schmerz, Funktion, Bewegungsumfang, Muskelkraft und Lebensqualität; als klinisch relevanter Unterschied galt eine mittlere Effektstärke von 0,5 Standardabweichungen.

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