Bis zu 15% der Frauen im fertilen Alter sind vom polyendokrinen metabolischen Ovarialsyndrom (PMOS) betroffen, bis zu 70% davon undiagnostiziert. Rund 7% der Schwangeren entwickeln einen Gestationsdiabetes – mit 7- bis 10-fach erhöhtem späterem Typ-2-Diabetes-Risiko und verdoppeltem kardiovaskulärem Risiko. Beide Konstellationen sind klar erkennbare Frühwarnsignale, deren strukturierte Nachsorge in Deutschland jedoch bislang fehlt – und das hat weitreichende Folgen für die langfristige kardiometabolische Gesundheit von Frauen.
PMOS und Gestationsdiabetes: Präventionspotenzial bleibt ungenutzt
„Die Medizin kennt Frauen schlechter als Männer – und sie behandelt sie anders.“ Mit diesem Statement brachte Prof. Susanne Reger-Tan, Bochum, ein zentrales Versorgungsproblem auf den Punkt – das auch für die Diabetologie gilt. Denn Diabetes sei keineswegs eine geschlechtsneutrale Erkrankung, so Reger-Tan: Sexualhormone greifen direkt in Insulinsekretion, Betazellfunktion, Fettverteilung und kardiovaskuläres Risiko ein. Schon im jungen Erwachsenenalter gibt es 2 klare Warnsignale, die das spätere Risiko für Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläre Ereignisse erheblich steigern – und die in der Versorgung häufig zu spät oder gar nicht erkannt werden. Damit verschenke man aber ein erhebliches Präventionspotenzial, warnte Reger-Tan.
Das Wichtigste für die Praxis
Strukturierte Nachsorge etablieren: Regelmäßiges Glukose-Screening, kardiovaskuläre Risikobewertung und niedrigschwellige Lebensstilangebote sollten zur Routine werden.
PMOS früh erkennen: Bis zu 15 % der Frauen betroffen, bis zu 70 % undiagnostiziert – Warnzeichen sind Zyklusstörungen, Hyperandrogenismus, persistierende Akne und Adipositas mit erschwerter Gewichtsreduktion.
Gestationsdiabetes als Frühwarnzeichen nutzen: Das 7- bis 10-fach erhöhte Typ-2-Diabetes-Risiko und etwa verdoppelte kardiovaskuläre Risiko machen eine konsequente Nachsorge unverzichtbar.
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