Die Versorgung von Patienten mit Pankreaskarzinomen ist verbesserungsfähig. Obwohl eine multimodale Therapie mit Operation plus Chemotherapie nachweislich die besten Ergebnisse liefert, erhalten in Deutschland nur etwa 45% der Betroffenen eine adjuvante oder additive Chemotherapie. Von den über 80-jährigen Erkrankten wurden fast 40% weder operativ noch zytostatisch behandelt.
Pankreaskarzinom: Leitlinienempfehlungen häufig nicht umgesetzt
Bei der Versorgung von Patienten mit Pankreaskarzinomen hierzulande ist offenbar „Luft nach oben„. Zu diesem Schluss kommt eine umfassende Auswertung von Krebsregisterdaten aus den Jahren 2000–2024, die Dr. Louisa Bolm, Lübeck, auf dem diesjährigen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) präsentierte.
Insgesamt wurden 84.342 Fälle mit den Diagnoseschlüsseln ICD-10 (International Classification of Diseases, 10. Revision) und ICD-O-3 (International Classification of Diseases for Oncology, 3. Edition) analysiert. 83% der erfassten Patienten hatten ein Pankreaskarzinom, 12% ein extrahepatisches Karzinom der distalen Gallenwege und 5% ein Karzinom der Ampulla Vateri.
Realität vs. Leitlinie: Deutliche Abweichungen
Leitliniengerechter Therapiestandard ist – wenn möglich – die direkte Resektion\\,\\ kombiniert mit adjuvanter Chemotherapie oder vorgeschalteter neoadjuvanter Therapie. Bei unresezierbarem Befund werden palliative Chemotherapie oder Best Supportive Care empfohlen. In Deutschland wurden im Auswertungszeitraum 54% der Pankreaskarzinome reseziert, nur 3,1% erhielten zuvor eine neoadjuvante Therapie. 8,4% der Patientien wurden mit Chemotherapie ohne operativen Eingriff behandelt**.
Von den über 80 Jahre alten Betroffenen wurden 23% reseziert ohne weitere Therapie, 9% wurden postoperativ adjuvant mit Chemotherapie behandelt, während 13% ausschließlich Chemotherapie erhielten und fast 40% mit Best Supportive Care als einziger Behandlung versorgt wurden. Den Älteren werden möglicherweise nur eingeschränkte Therapieoptionen angeboten, weil die postoperative 90-Tage-Mortalität bei über 80-Jährigen mit 21% sehr hoch liegt. Dieser im internationalen Vergleich mit Benchmarks von 2–9% sehr hohe Wert ist vermutlich eine Folge der dezentralen deutschen Klinikstruktur, bei der zu viele Patienten außerhalb von Zentren behandelt werden.
„Resektionszahlen und Krankenhausgröße sind entscheidende Faktoren für die 90-Tage-Mortalität.“
— Dr. Louisa Bolm, Lübeck
Für das längerfristige Überleben ist die Resektionsrate ein signifikanter Faktor; mit schwächerer Signifikanz steigert auch die Chemotherapie die Überlebensrate [1].
FAQ – Versorgungssituation des Pankreaskarzinoms in Deutschland
Nur rund 45,9% der Betroffenen werden adjuvant chemotherapeutisch behandelt, obwohl die Leitlinien diese Therapie über alle Stadien hinweg empfehlen.
Sie liegt bei 21% und damit deutlich über den internationalen Benchmarks von 2–9%. Ursächlich ist vermutlich die dezentrale Versorgung außerhalb spezialisierter Zentren.
54% der Pankreaskarzinome wurden im Auswertungszeitraum reseziert, davon 55% als R0- und 16% als R1-Resektion – ein im internationalen Vergleich solider Wert.
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